Pflege im Krankenhaus
Pflege im Krankenhaus

29.03.2017

Koalitionsspitzen beraten auch über Reform der Pflegeausbildung Den Knoten durchschlagen?

Deutschland hat einen großen Bedarf an Pflegekräften. Und einen großen Mangel. Deshalb soll die Ausbildung modernisiert werden. Doch das Projekt stockt. Beim Koalitionsausschuss gibt es eine letzte Chance.

"Alles liegt auf dem Tisch." Andreas Westerfellhaus ist richtig sauer. Dass Union und SPD sich nicht auf eine Reform der Pflegeausbildung einigen können, sei "desaströs und schreit zum Himmel", schimpft der Präsident des Deutschen Pflegerats. "Doch die Abgeordneten ducken sich weg und beugen sich dem Druck von Interessengruppen."

Auch der Bundesrat hat das Parlament aufgefordert, die "dringend erforderliche" Reform der Pflegeausbildung zu beschließen. Und Frank Weidner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln, unterstreicht, die Reform sei "die letzte Chance für die Altenpflege, europaweit anerkannt zu werden und in Deutschland an das Niveau der Krankenpflege anzuschließen".

Projekt stockt

Doch das Projekt, das einst als großer Wurf angekündigt war und den Pflegenotstand beenden soll, stockt. Insbesondere in der Union gibt es Widerstand. Die Experten hoffen, dass der am Mittwochabend stattfindende Koalitionsausschuss den Knoten durchschlagen kann.

"Wenn der Gesetzentwurf jetzt nicht durchgeht, ist das Projekt für diese Legislaturperiode gescheitert", verweist Westerfellhaus auf das kleine Zeitfenster bis zur Bundestagswahl. Mit dieser Hängepartie verunsichere die Politik sowohl die Pflegeeinrichtungen als auch alle, die einen Pflegeberuf ergreifen wollten.

Schon vor einem Jahr hatten Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Gesetzentwurf durchs Kabinett gebracht. Er sieht eine Zusammenlegung der Ausbildungen in Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege vor. Im vergangenen März befasste sich der Bundestag in Erster Lesung mit dem Projekt. Doch seitdem liegt es auf Eis.

Die neue Pflegeausbildung soll nach den Vorstellungen Gröhes drei Jahre dauern. Die künftigen "Pflegefachfrauen" und "Pflegefachmänner" sollen kein Schulgeld mehr zahlen müssen. Außerdem vorgesehen ist die Einführung einer dreijährigen akademischen Pflegeausbildung an Hochschulen.

Bis 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen auf knapp 3,5 Millionen Menschen steigen, 2050 werden es bereits 4,5 Millionen sein. Schon heute fehlt qualifiziertes Personal in Krankenhäusern und Heimen: Allein in der Altenpflege wird der Mangel auf rund 30.000 geschätzt.

Im Schuljahr 2013/2014 absolvierten rund 133.000 Auszubildende eine der drei derzeitigen Ausbildungszweige, 62.000 davon in der Altenpflege und 6.000 in der Kinderkrankenpflege.

Aufgabengebiete überschneiden sich

Befürworter erhoffen sich von der Zusammenlegung, dass die Pflegeberufe attraktiver und Berufswechsel innerhalb der Branche erleichtert werden. Zudem verweisen sie darauf, dass sich die Aufgabengebiete immer stärker überlappen: Pflegekräfte im Krankenhaus müssen häufiger mit Demenzkranken und Alten umgehen, ihre Kollegen in Altenheimen brauchen verstärkt krankenpflegerische Kompetenzen.

Was den Kritikern nicht schmeckt: Der Druck auf die Altenpflege dürfte steigen, bessere Gehälter zu zahlen, damit Pflegende nicht ins Krankenhaus abwandern. Die Gegner argumentieren zudem, dass eine generalistische Ausbildung zu einer Verflachung der Ausbildungsinhalte führen könnte. In der Altenpflege sorgt man sich aber zugleich, die neue Ausbildung könnte so anspruchsvoll werden, dass Schüler mit Hauptschulabschluss überfordert wären.

Immer wieder werden Kompromissvorschläge vorgelegt: So sprach sich der CDU-Fraktionsvize Georg Nüßlein dafür aus, eine zweijährige allgemeine Ausbildung mit einem weiteren Jahr Spezialisierung in einem der drei Felder zu verknüpfen. Auch 33 Organisationen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendmedizin fordern ein solches Modell.

"Wer Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger werden möchte, will keine Ausbildungszeiten in der Altenpflege absolvieren und auch möglichst wenig Einsatzzeiten in der Erwachsenenpflege haben", heißt es in ihrem Offenen Brief an die Politik. "Eltern sollten auch zukünftig in Deutschland die Pflege ihrer kranken Kinder aller Altersstufen kompetentem Fachpersonal anvertrauen können." Die beiden zuständigen Minister haben dieses Modell bereits klar abgelehnt.

Christoph Arens
(KNA)

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