Armenviertel in Sierra Leone
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22.03.2017

Unesco wirbt für weltweite Nutzung von Abwasser als Ressource Von der stinkenden Brühe zum wertvollen Rohstoff

Wo manche nur Schlamm und Schmodder sehen, macht die Unesco entscheidende Chancen aus. "Abwasser – die ungenutzte Ressource", heißt ihr Bericht zum Weltwassertag an diesem Mittwoch.

Manche Dinge erscheinen so selbstverständlich, dass man kaum je an sie denkt. Die Kanalisation zum Beispiel. Ist ja auch ein bisschen unappetitlich. Aber: 40 Prozent der Menschen weltweit sind nicht an ein Kanalsystem angeschlossen. 2,4 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu hinreichenden Sanitäranlagen. 80 Prozent des weltweiten Abwassers werden ohne jede Behandlung abgeleitet – zum Schaden von Mensch, Umwelt und Wirtschaft.

Nicht weniger als einen Paradigmenwechsel fordert die Unesco angesichts dieser Entwicklung im Weltwasserbericht 2017, der an diesem Mittwoch vorgestellt wird. Abwasser aus Privathaushalten, Landwirtschaft und Industrie werde bislang zu stark als Problem wahrgenommen. Stattdessen solle es als Quelle von Wasser-, Energie und Rohstoffversorgung genutzt werden, rät die Weltkulturorganisation.

Abwasser-Dreiklang

Zwei Drittel der Weltbevölkerung leben heute in Gebieten, die mindestens einmal im Monat unter Wassermangel leiden. Entsprechend sei die Wasserversorgung bislang in vielen Ländern die alleinige politische Priorität, so der Bericht. Da die Nachfrage nach Wasser künftig weltweit wachsen werde, würden allerdings auch die Menge und Schadstoffbelastung von Abwasser steigen. Insofern seien Wassergewinnung, Behandlung und die sichere Nutzung von Abwasser "ein Dreiklang", betont die Unesco.

Abwasser besteht zu etwa 99 Prozent aus Wasser und zu einem Prozent aus fein verteilten und gelösten Feststoffen. Viele dieser Stoffe lassen sich bereits durch Verdünnung unschädlich machen; so wird verdünntes Abwasser seit Jahrhunderten für landwirtschaftliche Bewässerung genutzt. Bislang zu wenig erforscht ist laut Unesco jedoch der mögliche Einfluss, den Hormone oder Antibiotika im Abwasser auf Umwelt und Gesundheit haben könnten. Um konkrete Pläne für die "sichere und produktive Nutzung von Abwasser" zu erarbeiten, seien mehr Untersuchungen zu den Bestandteilen von Abwasser nötig.

Die Mengen des zu behandelnden Abwassers werden demnach vor allem in den städtischen Zentren von Entwicklungsländern steigen. Zudem gehen Prognosen davon aus, dass künftig mehr Menschen in informellen Siedlungen – Slums oder Favelas – leben. Dort gibt es häufig Gemeinschaftstoiletten ohne Kanalsystem. Eine Milliarde Menschen verrichtet die Notdurft laut Bericht regelmäßig im Freien. Teils werden Fäkalien auch über Plastikbeutel, sogenannte fliegende Toiletten, entsorgt. Besonders Frauen und Kinder litten unter diesem Mangel, kritisiert die Unesco. Dabei rentierten sich Investitionen schnell: Jeder in die Sanitärversorgung investierte US-Dollar erbringe eine geschätzte Rendite von 5,5 US-Dollar.

Entwicklungsziele der Vereinten Nationen

Die weltweite Verbesserung von Wasserqualität gehört zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen. Dieses Ziel sei von zentraler Bedeutung für die gesamte Agenda 2030, betont die Unesco. Denn: Abwasser ist nicht nur ein Problem, sondern bietet aus Sicht der Organisation vor allem Chancen.

Der Öffentlichkeit fehlt es allerdings oftmals an Wissen über die Nutzung von Abwasser. So würden entsprechende Projekte mitunter strikt abgelehnt. "Dies beruht zum einen auf mangelnder Aufklärung und zum anderen auf fehlendem Vertrauen in die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Abwassernutzung", heißt es im Bericht. Dabei könne Wasser durchaus mehrfach genutzt werden - in der Industrie etwa zum Kühlen oder Wärmen, durch Aufbereitung auch erneut als Trinkwasser.

Um das Bewusstsein dafür zu schärfen, schlägt die Unesco vor, Wasser allen Ursprungs einen spezifischen Wert zuzuordnen. Sogar Leitungswasser, das für den menschlichen Konsum geeignet ist, werde zu gering geschätzt, der Preis zu niedrig gehalten. Zugleich fehle in anderen Ländern jegliches Problembewusstsein für Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit Abwasser. Gezielte Maßnahmen - Forschung, Aufklärung, Förderung dezentraler Systeme zur Abwasserbewirtschaftung - böten jedoch Anlass zur Hoffnung.

Paula Konersmann
(KNA)

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