Eine Hebamme untersucht eine schwangere Frau
Eine Hebamme untersucht eine schwangere Frau
Hebamme mit Neugeborenem
Hebamme mit Neugeborenem
Schwangerschaft
Schwangerschaft

22.03.2017

Hebammen-Mangel Entbindung auf dem Klinikflur

Das Hebammenwesen in Deutschland gehört zum immateriellen Unesco-Kulturerbe. Jedoch scheint die aktuelle Situation für den Berufszweig nicht einfach zu sein, wie ein aktuelles Gutachten des Bundestages zeigt.

Mindestens einmal im Leben benötigt sie jeder. Sie ist oft der erste Mensch, der uns in Empfang nimmt, wenn wir das Licht der Welt erblicken. Wir erinnern uns aber nicht an sie, und wenn wir der Statistik glauben, gerät der Berufsstand auch so in Vergessenheit: Hebammen. In vielen Kliniken fehlen sie.

Fast die Hälfte der Hebammen in Krankenhäusern kümmere sich "um drei Frauen gleichzeitig während der Geburt", heißt es in einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes (WD) des Bundestages, das am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde. Dabei zeigten Untersuchungen, dass die Eins-zu-eins-Betreuung während der Geburt positive Auswirkungen habe.

Geburtshilfe chronisch unterfinanziert

Die Gesundheitsexpertin der Linken, Birgit Wöllert, betonte, dass weniger Komplikationen "auch ganz gewiss den gebärenden Frauen gut" täten. "Es kann einfach nicht sein, dass eine Hebamme nicht nur zwei, sondern bei zirka der Hälfte aller Geburten sogar drei Geburten gleichzeitig betreut. Hier sind sofortige Schritte zu Verbesserung nötig."

Der Deutsche Hebammenverband (DHV) schlägt Alarm. "Der ökonomische Druck auf Kliniken in Deutschland hat dazu geführt, dass die Versorgung von Frauen in der Geburtshilfe schlecht ist", sagte DHV-Präsidentin Martina Klenk. Die wirtschaftliche Lage im Bereich der Geburtshilfe ist laut Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) besonders schwierig, da rund 60 Prozent der Abteilungen nicht kostendeckend arbeiteten.

Jahrzehntelang ist laut DHV am Personal gespart worden, um Geld zu verdienen. Die Geburtshilfe sei chronisch unterfinanziert, und Hebammen hätten dies bisher kompensiert. Fast jedes zweite Krankenhaus hat nach der WD-Anaylse Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Schuld daran sind dem DHV zufolge die Arbeitsbedingungen. "Darunter leiden letztlich dann Schwangere und Gebärende", so Klenk.

Warteschlangen vor den Kreißsälen

In Deutschland müssen dreimal so viele Gebärende wie in anderen europäischen Ländern von einer Hebamme betreut werden, so der WD-Bericht. Auch wenn die absolute Zahl der Hebammen in den Kliniken von 6.620 (1991) auf 9.081 im Jahr 2015 gestiegen sei, relativiere eine Verdreifachung der Teilzeitquote den Zuwachs. Der Hebammenverband hat berechnet, dass in Deutschland auf jede Vollzeitstelle fast 100 Geburten pro Jahr kämen. In Großbritannien müssten Hebammen nur 27 bis 32 Geburten im Jahr betreuen, in Norwegen seien es 33 Geburten.

Nicht nur die Betreuungsquote, sondern auch Warteschlangen vor den Kreißsälen bereiten den Geburtshelferinnen Sorgen. "Wir erleben, dass Frauen auf dem Flur ihr Kind bekommen, weil alle Räume bereits mit Entbindungen belegt sind", berichtete eine Bonner Hebamme. Dabei gehöre die Geburt für eine Frau zu einem der wichtigsten und intimsten Momente.

Die Anzahl der Geburtsstationen ist laut Statistischem Bundesamt zwischen 1991 und 2015 um rund 40 Prozent auf 709 zurückgegangen. Kaum mache eine weitere Geburtsabteilung im Umland dicht, sei die Auswirkung deutlich spürbar, erklärte die Hebamme. Die Angst einer werdenden Mutter, von dem vorgesehenen Geburtskrankenhaus wegen "Überfüllung" abgewiesen zu werden, sei nicht unbegründet. Auch Risikoschwangere seien aus Kapazitätsgründen schon weggeschickt worden.

Forderung einer Ein-zu-eins-Betreuung

Politikerin Wöllert forderte "im Interesse der Frauen und Säuglinge, aber auch der Hebammen mit ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit" zur Umsetzung der Ein-zu-eins-Betreuung auf. Der Hebammenverband kritisierte die derzeitige Personalbemessung und wies darauf hin, dass viele Länder die Hebammenhilfe als medizinische Grundversorgung der Bevölkerung anerkannten.

Doch in Deutschland hat es der Berufszweig schwer. Denn nur der geringere Anteil der rund 23.000 Hebammen ist in Kliniken angestellt. Die meisten arbeiten freiberuflich und müssen eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen, die in den vergangenen Jahren auf über 6.500 Euro im Jahr anstieg. Vielen Beleghebammen, die Frauen zu Geburten in die Klinik begleiten, ist die Prämie zu hoch - sie geben ihren Job auf. Ähnlich geht es Hebammen, die Hausgeburten anbieten. Die wenigen, die diese Eins-zu-eins-Betreuung anbieten, werden von Schwangeren überrannt.

Rainer Nolte
(KNA)

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