Norwegischer Fan mit Wikinger-Helm und Nationalflagg
Norwegischer Fan mit Wikinger-Helm
Fjaerlandsfjord in Norwegen
Fjaerlandsfjord in Norwegen

20.03.2017

Norwegen ist laut UN-Studie das glücklichste Land der Welt Nordisches Wohlbefinden

Das Glück wohnt - trotz langer Winter - in Nordeuropa. Die Norweger sind das glücklichste Volk der Welt, stellt der "World Happiness Report" 2017 fest. Auch Dänemark, Island und Finnland sind in der Spitzengruppe.

Das Bruttosozialprodukt ist nicht der einzige Maßstab, um den Erfolg eines Landes zu messen. Seit 2012 veröffentlichen die Vereinten Nationen jährlich einen Bericht, der Glück als Messgröße für Fortschritt und Ziel der Politik definiert. Der "Tyrannei des Bruttosozialprodukts" müsse ein tieferes Nachdenken über die Qualität von Wachstum entgegengesetzt werden, so die Autoren.

Glaubt man dem am Montag in New York veröffentlichten fünften "World Happiness Report 2017", leben die glücklichsten Menschen im Norden Europas. Zwar blieben die Staaten in den Top Ten die gleichen wie im Vorjahr, doch gab es einige Platzierungswechsel: An der Spitze liegt nun erstmals Norwegen, das von Platz vier auf die Pole Position vorrückte und damit Dänemark überholte. Es folgen Island, Schweiz sowie Finnland, die Niederlande, Kanada und Neuseeland.

Platz 16 für Deutschland

Deutschland stagniert auf Platz 16 - hinter den USA, Israel und Costa Rica, aber vor Großbritannien und Frankreich. Demgegenüber hatte eine am Freitag in Berlin veröffentlichte Studie ergeben, dass die Deutschen heute zufriedener seien als zu jedem anderen Zeitpunkt nach der Wiedervereinigung.

Für den am "Weltglückstag" veröffentlichten UN-Bericht haben Forscher der New Yorker Columbia University sowie internationale Experten 155 Länder untersucht und auch jeweils mehr als 3.000 Menschen befragt.

Kriterien sind unter anderem das Bruttoinlandsprodukt, die Lebenserwartung, geistige Gesundheit, die Selbstwahrnehmung der Einwohner, die Stärke des sozialen Umfelds, aber auch das Vertrauen in Regierung und Unternehmen sowie Arbeitslosigkeit.

Dabei betonen die Forscher, dass persönliches Glück stark mit dem Zustand der Gesellschaft und dem sozialen Umfeld verbunden sei. Großzügigkeit, Solidarität, Freiheit für eigene Lebensentscheidungen und Vertrauen in Regierung und Behörden seien wichtige Faktoren für individuelles Glücksgefühl.

Top-Position trotz sinkender Staatseinnahmen

Erstaunlich für die Wissenschaftler: Norwegen hat die Top-Position trotz des schwächer werdenden Ölpreises und damit trotz geringerer Staatseinnahmen erobert. "Manche sagen sogar, dass Norwegen seinen hohen Glücksstandard nicht wegen seines Ölreichtums erreicht, sondern trotz des Ölreichtums", so die Wissenschaftler. Das Land habe sich entschlossen, die Vorkommen nur langsam auszubeuten und die Gewinne in Zukunftsprojekte zu investieren. Dies gelinge nur, weil es in der Bevölkerung ein hohes Vertrauen, gemeinsame Ziele, Großzügigkeit und gute Regierungsführung gebe.

Dass Glück und steigende Einkommen nur bedingt zusammenhängen, demonstriert der Weltglücksbericht auch am Beispiel Chinas (Rang 79).

"Die Menschen in China sind nicht glücklicher als vor 25 Jahren", heißt es - und das, obwohl sich das Bruttosozialprodukt seit Anfang der 90er Jahre verfünffacht habe und fast jeder städtische Haushalt mittlerweile über Fernseher, Waschmaschine und Kühlschrank verfüge.

Demgegenüber sei der Glücks-Index bis 2005 ständig gefallen und habe sich inzwischen wieder auf den Wert von 1990 erholt. Als Ursache sehen die Forscher steigende Arbeitslosigkeit und löchriger werdende soziale Netzwerke.

Rezessive Glückswerte sieht die Studie trotz steigender Durchschnittseinkommen und eines wachsenden Bruttosozialprodukts auch in den USA: Das Land richte seinen Blick zu sehr auf Wirtschaftszahlen, heißt es in dem Bericht. Abnehmende Solidarität, Korruption, Misstrauen und ethnische Gegensätze wiesen auf eine wachsende soziale Krise.

Afrikanische Länder auf hinteren Plätzen

Am wenigsten Glück empfinden laut dem Bericht die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik, Burundi und Tansania. Überhaupt liegen die meisten Länder der 30 hinteren Ränge in Afrika. Dazu kommen Bürgerkriegsländer wie Syrien, Afghanistan, Ukraine und Jemen sowie Haiti.

Das Afrika-Kapitel haben die Autoren mit dem bezeichnenden Titel "Warten auf das Glück" überschrieben. Grundsätzlicher Optimismus und hohe Belastbarkeit auf der einen Seite, Korruption und ein ausuferndes Bevölkerungswachstum auf der anderen: Es gebe eine verbreitete Enttäuschung vieler Afrikaner darüber, dass sich die Lage nicht grundsätzlich verbessert habe.

(KNA)

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