Kinder in der Ukraine
Kinder in der Ukraine

07.03.2017

In der Ostukraine sind unzählige Kinder vom Krieg traumatisiert Lernen zwischen Landminen und Granaten

Mehr als 90 Prozent der Kinder in der ukrainischen "Pufferzone" sind vom Krieg traumatisiert. In Schulen bemühen sich Lehrer und Therapeuten, ihnen zu helfen. Ein Ende des Konflikts scheint nicht in Sicht.

Ostukrainische Kinder wissen, wie Landminen aussehen: 10.000 Tote und mehr als 22.000 Verletzte hat der bewaffnete Konflikt seit 2014 bereits gefordert - trotz mehrerer verhandelter Waffenruhen. In Wohnsiedlungen entlang der sogenannten "Kontaktlinie", die die Separatistengebiete von den unter Regierungskontrolle stehenden Regionen trennt, sind die Verwüstungen besonders stark.

Vom Krieg traumatisiert

In dieser Zone leben etwa 200.000 Kinder, die täglich lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt sind. Viele von ihnen sind vom Krieg traumatisiert. In Schulen und Tageszentren bemühen sich Lehrer und Therapeuten, die Kinder psychologisch und sozialpädagogisch zu betreuen.

"Jede Nacht hört man draußen Schüsse", sagt Vaseljeva Galina. Die Direktorin der "Luhanske Comprehensive School" in Horliwka im Bezirk Donezk deutet auf ein Einschussloch im Fenster der Computerklasse.

Vom dritten Stock der Schule aus sieht man die Front - hinten, wo Strommasten auf kahlen Feldern stehen. Anderthalb Kilometer sind es bis zum letzten Checkpoint, dem "Point Zero".

Die meisten ihrer 86 Schüler seien traumatisiert, erzählt die 36-jährige Direktorin. Einen Psychologen habe es in der kleinen Schule zunächst nicht gegeben. Inzwischen arbeite jedoch ein psychosoziales Team der Caritas mit den Kindern an der Verarbeitung der Traumata. Auch Galinas eigener Sohn besucht die zwei Kilometer vor der Frontlinie entfernt gelegene Schule.

Granateneinschlag in Schule

Horliwka am Fluss Luhan ist seit 2014 zwischen Separatisten und ukrainischen Truppen umkämpft. 70 Prozent der "Luhanske Comprehensive School" wurden durch die Kämpfe im Januar 2015 schwer beschädigt. In der Computerklasse schlug eine Granate ein. Wochenlang blieb die Bildungsstätte geschlossen, teilweise wurden die daheimgebliebenen Kinder im Fernstudium unterrichtet. Insgesamt rund 200 Schulgebäude wurden im Zuge der Kämpfe in der Ukraine zerstört - etwa jedes fünfte.

Die "Luhanske Comprehensive School" wurde unter anderem mit Hilfe der Caritas wiederaufgebaut; seit Jahresbeginn 2016 findet hier wieder regulärer Unterricht statt. An den Wänden hängen Plakate, die vor Kampfmittelrückständen warnen. 2015 sei ein Kind verletzt worden, erzählt Direktorin Galina: Ein Granatsplitter schlug die Tür auf und verwundete Hand und Kopf. Der Junge wurde operiert und behielt keine bleibenden Schäden zurück - den Splitter trägt er jedoch noch heute im Arm.

Flucht in Luftschutzbunker

Kinder in der Ostukraine leben seit drei Jahren unter ständiger Kriegsbedrohung und Beschuss. Mehr als 1,7 Millionen sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef von dem unberechenbaren bewaffneten Konflikt betroffen. Tausende flüchten regelmäßig in improvisierte Luftschutzbunker. Die Konfliktparteien werfen sich gegenseitig vor, Kindersoldaten einzusetzen. Tatsächlich werden auf beiden Seiten der Front Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren militärisch ausgebildet. Stress, Alpträume, Aggressionen und Panikattacken sind Folgen des Krieges.

Im Turnsaal der "Luhanske Comprehensive School" folgen vier Kinder den Anweisungen des Lehrers. Der Nebenraum offenbart ein Bild der Verwüstung: Zwischen verkohlten Wänden ragen blanke Ziegel hervor. In der Mitte des Raumes klaffte bis vor kurzem ein Krater, berichtet die Direktorin. Der Boden wird gerade erneuert. Auch herausgefallene Glasscheiben mussten ausgetauscht werden. Früher waren an diesem Ort Umkleidekabinen.

Auch die Fenster des Theatersaals sind durch einen Granateneinschlag bei der nahegelegenen Tankstelle zersprungen. Über der leere Bühne sind hellblaue Luftballone arrangiert, daneben hängt die ukrainische Flagge. Die Szenerie hat etwas Gespenstisches. Auf die Frage, wann wieder Frieden in die Ukraine einkehren wird, schüttelt Galina ratlos den Kopf: "Ich habe das Gefühl, dass hier die Zeit eingefroren ist."

Thomas Frühwirth
(KNA)

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