Jugendliche im Fokus von Extremisten
Jugendliche im Fokus von Extremisten

29.01.2017

Forscher fordern mehr pädagogische Arbeit für junge Muslime Leichte Beute für Extremisten

Wer gutgläubig oder auf Sinnsuche ist, kann in einem schlichten Weltbild vermeintliche Antworten finden. Terroristen nutzen das aus - und werben zunehmend um Kinder. Die Gesellschaft muss gegensteuern, mahnen Experten.

Versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung sowie Unterstützung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) - dafür wurde Safia S. zu sechs Jahren Haft verurteilt. Am Donnerstag fiel am Oberlandesgericht Hannover das Urteil gegen die Schülerin. Im vergangenen Februar hatte die damals 15-Jährige einen Polizisten lebensgefährlich verletzt. Schon mit sieben Jahren trat sie gemeinsam mit dem Islamisten Pierre Vogel auf. Ihr Fall lenkt den Blick auch darauf, dass Extremisten um immer jüngere Mitglieder werben.

Jugendschützer beobachten dies seit längerem. In manchen Clips zeige der IS Zwölfjährige, die als "Henker und Kämpfer" inszeniert würden, sagte der stellvertretende Leiter der Zentralstelle der Länder jugendschutz.net, Stefan Glaser, Ende vergangenen Jahres auf einer Tagung. Zudem gebe es inzwischen mehrere Apps, die sich an die jüngsten Internet-Nutzer richten: in einfacher Sprache gehalten, bunt und bildreich, in jenem audiovisuellen Standard, den heutige User gewohnt sind. Die Betreiber von Download-Plattformen müssten aktiver gegen die teils verfassungswidrigen Inhalte vorgehen, mahnte Glaser.

Hoher Stellenwert von Prävention

Forscher betonen zudem den hohen Stellenwert von Prävention und interkulturellem Lernen an Schulen. So hat die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) eine Studie über "Muslimische Kinder und Jugendliche in Deutschland" aktualisiert, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorab vorliegt. Die Autoren fordern mehr Erziehungsarbeit an Schulen - insbesondere zugunsten von muslimischen Jugendlichen. "Im Bildungssystem muss zunehmend berücksichtigt werden, dass man es zu großen Teilen nicht mit fertig erzogenen Kindern zu tun hat, die nunmehr gebildet werden müssen", heißt es.

Pädagogen könnten so auch einem Abgleiten in radikale Szenen vorbeugen. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani und der Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak beschreiben in der Untersuchung konkurrierende Wertesysteme, denen muslimische Kinder und Jugendliche ausgesetzt seien: "Während in den traditionell-muslimischen Familien Autorität und Loyalität die dominierenden Werte darstellen, werden in der Schule Selbstständigkeit und Selbstdisziplin erwartet." Das deutsche Schulsystem könne darauf bislang kaum reagieren. "Zu stark sind historisch gewachsene Normalitätsannahmen", kritisieren die Experten.

Suche nach Identifikation und Zugehörigkeit

Viele betroffene Jugendliche suchten nach Identifikation und Zugehörigkeit, heißt es weiter. Sie definierten sich selbst als Türken, als Araber oder als Muslime - ohne viel über das Herkunftsland ihrer Eltern zu wissen und "ohne sich mit der Religion hinreichend auseinanderzusetzen". Genau hier setzten salafistische Prediger an: mit einfachen Antworten "auf die 'scheinbar' komplizierten und komplexen Fragen" der Jugendlichen. Sie teilten die Welt in Gut und Böse auf und präsentierten den Islam als klares Regelwerk, dem man nur folgen müsse.

Eine leichte Beute sind indes nicht nur junge Menschen aus schwierigen Lebensverhältnissen, betont der Geschäftsführer des deutschen "Violence Prevention Network", Thomas Mücke. Auch "die Tochter eines Polizeibeamten oder der Sohn einer Lehrerin" könne von der Gesellschaft, dem Elternhaus und dem Freundeskreis entfremdet werden, so der Pädagoge bei SWRinfo.

Konstruierte Situationen

Der radikale Salafismus, der als die am schnellsten wachsende extremistische Bewegung in Deutschland gilt, eignet sich laut der KAS-Studie auch als Ausdruck von Protest und Provokation. Er werde als Gegenbewegung zu Kommerz und Konsum wahrgenommen und widerspreche "zwei zentralen Errungenschaften der deutschen Gesellschaft und der aufgeklärten und progressiven muslimischen Milieus: Aufklärung/Zivilisation und emanzipierten Geschlechterbildern".

Ähnliches beschreibt die Ethnologin Susanne Schröter. Islamisten präsentierten zudem eine "geschlossene Geschichte", in der eine ausweglose Situation von unterdrückten Muslimen in der westlichen Welt suggeriert werde, sagte sie im Deutschlandfunk. "Man konstruiert eine Situation, in der der Dschihad als islamische Pflicht dargestellt wird." Solche Geschichten glaubten gerade junge Menschen - so wie Safia S.

Paula Konersmann
(KNA)

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