Sterbebegleitung
Sterbebegleitung

19.12.2016

Verein unterstützt Menschen in Krisensituationen Wenn Hilfe nötig ist

Menschen helfen, die in akuten Lebenskrisen stecken - das hat sich der Verein "Was wirklich zählt im Leben" zur Aufgabe gemacht. Gründerin Sandra Maxeiner über ihre Motivation, persönliche Erfahrungen und die Arbeit des Vereins.

domradio.de: Was macht Ihr Verein genau?

Dr. Sandra Maxeiner (Politik- und Sozialwissenschaftlerin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Gründerin von "Was wirklich zählt im Leben"): Der Verein ist entstanden aus drei Geschichten, die ich selbst erlebt oder erfahren habe. Zum einen ist 2013 mein bester Freund gestorben. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, wie schrecklich es ist, wenn jemand am Ende ganz alleine ist. Das war die Motivation dafür, dass ich angefangen habe, als Hospizhelferin zu arbeiten. In der zweiten Geschichte geht es um meinen Vater, der sich als Grenzsoldat in der DDR dem Schießbefehl widersetzt hat und damit Republikflüchtigen das Leben gerettet hat. Die dritte Geschichte habe ich erlebt, als ich in New York durch die Einkaufsstraßen gegangen bin. Dort saß ein Mann auf dem Boden mit verbrannter Haut, der mit seinen Händen gar nicht mehr greifen konnte, an dem die Menschen aber achtlos vorübergelaufen sind.

domradio.de: Und das hat Sie geprägt? Inwieweit?

Maxeiner: Diese drei Ereignisse zusammengenommen waren der Grund dafür, dass ich gesagt habe: Wir müssen was tun, um uns wieder für Mitmenschlichkeit, für Nächstenliebe einzusetzen und das wieder ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. So ist auch die Idee zu dem dazugehörigen Buch entstanden. Ich habe dann mit Menschen gesprochen, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen, die soziales Engagement zeigen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Das sind ganz verschiedene Menschen - Schauspieler, Moderatoren, Schlagersänger, ganz "normale" Menschen - die es als ihre Aufgabe ansehen, nicht zuzuschauen, sondern etwas weiterzugeben.

domradio.de: Was geben Sie denn in Ihrem Verein genau weiter?

Maxeiner: Wir wollen Menschen helfen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, die ich jetzt auch gemacht habe. Menschen, die einen Angehörigen haben, der etwa lebensbedrohlich erkrankt ist. Mein Mann ist vor einigen Tagen verstorben. Da macht man einfach die Erfahrung, dass man sich oft hilflos fühlt. Man fühlt sich überfordert, man fühlt sich alleine, oft auch ohnmächtig. Man weiß gar nicht, wie man mit der Situation umgehen soll. Daraus ist die Idee geboren worden, dass wir uns um Angehörige kümmern wollen und etwas für sie tun wollen. Für Angehörige von Menschen, die schwer krank sind oder Angehörige, die vielleicht mit einem plötzlichen, unerwarteten Todesfall in der Familie konfrontiert sind.

domradio.de: Wie sieht das konkret aus?

Maxeiner: Wir leisten eigentlich 'Erste Hilfe für die Seele', geben aber auch praktische Unterstützung. Wir haben ein Netzwerk aufgebaut von Helfern, die diese Menschen begleitend unterstützen und erst mal schauen: Was braucht denn der Mensch überhaupt? Das ist ja immer unterschiedlich. Der Verein sieht sich als Freund und Begleiter, der den Angehörigen in dieser schweren Zeit zur Seite steht. Das Ganze ist als Kurzzeit-Begleitung gedacht, die langfristig Hilfe zur Selbsthilfe ist. 

domradio.de: Also ein Verein, der die Aufgaben übernimmt, die in der Gesellschaft oft hinten überkippen. Haben wir irgendwann innerhalb der Gesellschaft verloren, dass uns Menschen beistehen?

Maxeiner: Das kann ich jetzt so nicht beurteilen, aber ich habe selbst die Erfahrung gemacht, wie schwierig das ist - durch die Erkrankung meines Mannes. Wenn man die Diagnose bekommt und es heißt Krebs und nicht mehr heilbar, steht man erst mal unter Schock und weiß gar nicht, wie es weiter gehen soll. Aber viel schlimmer fand ich die Situation, als dann die Behandlung begonnen hatte und die Ärzte mit den Chemotherapien starteten; dass man als Angehöriger zum Beispiel nicht darüber aufgeklärt wird, was dann eigentlich im schlimmsten Fall passieren kann. Was sind die Folgen der Therapien?

Dass zum Beispiel Wahn oder Halluzination auftreten können. Plötzlich sitzt man dem Menschen gegenüber, den man eigentlich kennt und es ist alles ganz anders. Das war für mich eine der schockierendsten Erfahrungen - dass man da so wenig Aufklärung und Unterstützung erfährt. Es gab auch noch viele andere Situationen, wo ich mich einfach auch alleingelassen gefühlt habe. Beispielsweise, wenn es um die Versorgung ging. Ich dachte oft: Da wäre ein bisschen mehr Unterstützung nötig gewesen. Jemand, der mir zum Beispiel erklärt, wie man richtig eine Spritze aufzieht. Man hat plötzlich so viel Verantwortung für den Menschen, den man liebt. Das ist auch eine Riesen-Belastung.

domradio.de: Das bedeutet, man kann sich bei Ihnen zum Beispiel melden und sagen: Hilfe, ich bin mit meiner Situation komplett überfordert. Ich brauche jemanden, der mich unterstützt. Wie meldet man sich?

Maxeiner: Per Telefon oder per Mail; man kann uns auch über Facebook erreichen. Jemand von uns spricht dann mit dem Menschen, um zu erfahren, welche Unterstützung genau notwendig ist.

domradio.de: Sie vermitteln zum Beispiel auch spirituelle Unterstützung - etwa durch einen Pastor. Wird das in Anspruch genommen?

Maxeiner: Das wird schon in Anspruch genommen. Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, ich habe es auch in Anspruch genommen und ich fand es großartig. Ob das jetzt eine buddhistische Unterstützung ist, katholische oder evangelische Seelsorge - ich finde, es ist sehr wichtig, dass man die Menschen so begleitet, wie es sich für sie gut anfühlt.

Als mein Mann im Sterben lag auf der Intensivstation, habe ich nachts die Krankenhausseelsorgerin angerufen. Wir haben dann Kerzen angezündet und haben für ihn gebetet und gesungen. Es war einfach schön, dass in der Situation jemand da war. Das würde ich mir auch für andere Menschen wünschen. Weil es eine Erfahrung ist, die positiv ist und die hilft, positive Erinnerungen in den Vordergrund zu rücken. 

domradio.de: Wie finanziert sich der Verein?

Maxeiner: Wie die meisten Vereine finanziert sich auch unserer durch Spenden. Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass Menschen sagen: Ich möchte Euch gerne unterstützen - idealerweise über eine längere Zeit. Damit wir auch in die Lage versetzt werden, unser Netzwerk auszubauen und vielleicht dann auch irgendwann bundesweit tätig sein zu können.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(DR)

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