"Zuhause" bedeutet für jedes Kind etwas anderes
"Zuhause" bedeutet für jedes Kind etwas anderes
Simone Morawitz
Simone Morawitz

18.09.2016

Rund um den 25. Weltkindertag Ein Zuhause für Kinder

Ein gutes Zuhause für Kinder ist nicht selbstverständlich. Daher machen rund um den Weltkindertag am kommenden Dienstag bundesweit Initiativen auf Kinderrechte aufmerksam. Warum es einen solchen Tag braucht, erklärt Simone Morawitz von UNICEF.

domradio.de: Wir denken ja, dass hier jedes Kind ein "Zuhause" hat. Inwiefern müssen wir denn den Kindern ein Zuhause geben?

Simone Morawitz (UNICEF Köln): Ein Zuhause ist ein Ort, an dem sich Kinder geschützt fühlen können, an dem sie behütet sind und an dem sie gefördert werden. Vor allem ist das Zuhause für Kinder so wichtig, damit sie sich entwickeln können und eine gute Zukunft haben. Eltern in Deutschland müssen einfach ihren Kindern ein Zuhause geben können, das ihre Fähigkeiten und Begabungen fördert und das gibt nicht nur für alle Kinder in Deutschland.

domradio.de: Warum haben UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk das Motto "Kindern ein Zuhause geben" gewählt?

Morawitz: Wir haben gerade mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingskrise das Motto gewählt, weil es eine Gruppe gibt, an die wir ganz besonders denken müssen. Das sind eben die Kinder, die vor Krieg und Gewalt nach Deutschland geflohen sind. Viele davon sind traumatisiert, sie haben Dinge gesehen, die sie nicht hätten sehen sollen. Jetzt stehen die Gemeinden und Kommunen vor einer großen Herausforderung. Es gibt aber auch ein großartiges zivilgesellschaftliches Engagement.

domradio.de: Was erleben Sie da?

Morawitz: Schulen, Kindergärten und Privatpersonen leisten enorme Arbeit, um diesen Kindern einen Neuanfang zu ermöglichen. Trotzdem ist es natürlich so, dass die Lebenssituation für diese Kinder schwierig bleibt. Das heißt, dass sie viele Monate in Not- und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind, die wenig kindgerecht sind. Sie haben da keine Spiel- und Lernmöglichkeiten und keine Rückzugsmöglichkeiten. Integration bedeutet auch ein Stück "Zuhause".

domradio.de: Was wollen Sie bewirken?

Morawitz: Wir wollen aufwecken und dazu anregen, Verwaltungen, Schulen und Kindergärten, Räume und Lebenssituationen zu schaffen, damit Kinder, die vor Krieg geflohen sind, bei uns in Deutschland ankommen können.

domradio.de: In Berlin und in Köln finden an diesem Sonntag die größten Feste zum Weltkindertag statt. Wie wird "Kindern ein Zuhause geben" umgesetzt?

Morawitz: Beim Weltkindertagsfest in Köln ist das so, dass Kinder auf einer großen Collage zeigen werden, was sie unter einem guten Zuhause verstehen. Das Schöne ist, dass die Kinder ganz verschieden sind. Es sind Kinder mit und ohne Fluchterfahrungen, Kinder mit und ohne Behinderung dabei und sie kommen aus ganz unterschiedlichen familiären Verhältnissen. Das sieht man auch auf der Collage. Diese Collage werden sie dann der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft und Kölns Oberbürgermeisterin, Henriette Reker am Sonntag beim Weltkindertagsfest präsentieren.

domradio.de: Sie haben schon darauf schauen dürfen, oder? Was ist dort zu sehen?

Morawitz: Momentan sieht die Collage so aus: Man hat eine Stehwand, die mit einem blauen Hintergrund versehen ist und auf diese Wand haben Kinder Fotografien oder Papierstücke geklebt. Darauf zu sehen ist alles mögliche, was für sie ein Zuhause bedeutet. Zwei Geschwister aus Köln haben eine Doppelhaushälfte mit einem Auto davor auf die Collage geklebt. Ein anderes Mädchen, das aus Syrien geflohen ist, und gegenwärtig in einer Turnhalle in Lindweiler wohnt, hat einen Baum, Blumen und Sonnenschein auf die Wand geklebt. Sie hat erklärt, dass sie das an "Heimat" erinnert. So unterschiedlich kann "Zuhause" sein. Die Collage wird bei dem Fest vorgestellt, ist aber noch nicht fertig. Denn sie soll alle Kinder, die zum Fest kommen, einladen, sie weiter zu gestalten und zu basteln.

domradio.de: Was bringt denn der Weltkindertag?

Morawitz: Das Gute an diesem Tag ist, dass die Kinder einfach im Mittelpunkt stehen. Das heißt, man hört ihnen zu, man nimmt sie mit ihren Wünschen und Hoffnungen Ernst. Politiker und Medien schauen auf die Kinder und ihre Bedürfnisse, sie werden wahrgenommen. Deswegen braucht es diesen Tag. Und diesen Tag brauchen wir auch, weil Kinder keine "kleinen Erwachsenen" sind, sondern ganz eigene Bedürfnisse und Rechte haben. Und die beinhalten alles, was Kinder benötigen, um gesund und sicher groß zu werden und sich zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln. Und da ist ein gutes "Zuhause" dringend notwendig. Eigentlich müsste jeder Tag ein "Weltkindertag" sein.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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