Seniorin am Computer
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22.08.2016

Internetinitiative hilft bei Renteneintritt Wenn freie Zeit traurig macht

Viele Menschen fühlen sich nach ihrem Renteneintritt ausgebremst. Sie haben Probleme, ihrem Leben einen Sinn zu geben, und fallen in ein Loch. Eine Internet-Initiative will den Senioren helfen.

Fast sein ganzes Arbeitsleben war Gert Richter Texter in einer Agentur. Als er 65 Jahre alt wurde, hörte er nicht etwa auf, sondern hing noch einmal fünf Jahre als Deutschlehrer dran. Er war glücklich. Bis er 70 Jahre alt war. Dann ging Richter in Rente und hatte von einem Tag auf den anderen keine Aufgabe mehr - kein Einzelfall.

"Ich habe dann alles Mögliche angefangen, zum Beispiel ein Psychologiestudium oder Tennisspielen. Aber eigentlich hat mich das alles nicht interessiert", sagt Richter heute. Er wusste nicht, was er mit sich anfangen soll, und jeden Tag versank er ein Stückchen tiefer in Depressionen. "Irgendwann habe ich dann gelesen, dass es vielen Senioren so geht. Ab dann konnte ich auch mit dem Problem arbeiten", sagt er. Schnell ging es ihm besser.

Internetinitiative "herbstmorgen.de"

Richter ist heute 72 Jahre alt. Er hat in dem, woran er einmal litt, eine neue Aufgabe gefunden: Seit wenigen Wochen ist er mit seiner Initiative "herbstmorgen.de" im Internet präsent. Er versucht, Menschen, die in Rente gehen, bei diesem Schritt zu helfen, denn das Loch, in das man fallen kann, ist tiefer, als so mancher denkt.

"Das Problem vieler Rentner ist, dass sie oft ganz plötzlich keine Aufgabe mehr haben. Es hilft dann oft nicht, sich einfach irgendwie zu beschäftigen. Viele Menschen brauchen etwas, das sie trägt", sagt Richter, der im schweizerischen Kreuzlingen an der Grenze zu Deutschland lebt.

"Rentenschock"

Was Gert Richter durchgemacht hat und viele andere Menschen jenseits der 65, nennt man salopp "Rentenschock". Viele Senioren dürften betroffen sein, doch gibt es nur wenige Studien. Nach Untersuchungen der Deutschen Depressionshilfe in Leipzig sind manifeste Depressionen bei Menschen über 70 Jahren nicht häufiger als bei jüngeren. Zwei- bis dreimal häufiger als in der übrigen Bevölkerung sind der Stiftung zufolge allerdings leichtere Depressionen oder solche, bei denen nicht alle Symptome vorliegen.

Alarmierend sei der äußerst geringe Anteil von Patienten über 60 Jahren an der Psychotherapie mit gerade einmal sechs Prozent.

So viele Menschen es gibt, so viele Wege existieren auch, um glücklich zu werden. Also spricht Gert Richter mit seinen Klienten regelmäßig über Skype. Er will sie kennenlernen, erfahren, wo ihre Probleme und ihre Potenziale liegen. Es ist eine Art angeleitetes Altwerden, das er Menschen anbietet, die noch ein paar Jahre im Leben stehen wollen.

Bis zu sechs Monate Begleitung

Bis zu sechs Monate dauert eine Begleitung. Wichtig sei weniger das einzelne Gespräch als der Reflektionsprozess, der auf diese Weise angestoßen werden soll. "Das Wichtigste ist, Kontakt zu halten und den Menschen dabei zu helfen, eine Tagesstruktur zu entwickeln." Denn die müsse man komplett neu lernen.

Viele Rentner würden mit ihren Problemen einfach aus dem Raster fallen, sagt Gert Richter: "Die Menschen haben ihr Arbeitsleben lang das Gefühl gebraucht zu werden. Und dann bekommen sie mit, wie ihre Arbeit von heute auf morgen von jemand anderem übernommen oder gleich ganz wegrationalisiert wird. Auf einmal werden sie nicht mehr gebraucht."

Da sei es verständlich, wenn ein Mensch Probleme habe, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. "Aber das wird nicht als Problem unserer Gesellschaft begriffen, sondern als das des Einzelnen. Es wird Zeit, dass es zu einer öffentlichen Debatte kommt."

Sebastian Stoll
(epd)

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