Schule im Blickpunkt
Schule im Blickpunkt
Stefan Koch
Stefan Koch

20.08.2016

Leiter der Schulabteilung des Erzbistums plädiert für Abi nach acht Jahren "Da muss Ruhe reinkommen"

Der Streit um das Abitur nach 8 oder 9 Jahren ebbt nicht ab - auch in NRW gibt es ein Volksbegehren. An den erzbischöflichen Schulen bleibt es erstmal bei G8, sagt Stefan Koch, Leiter der Schulabteilung im Erzbistum Köln. 

domradio.de: Sollte es in NRW eines Tages wieder eine Wahlfreiheit für die Schulen geben, wie sähe es dann an den erzbischöflichen Schulen aus?

Stefan Koch (Leiter der Schulabteilung im Erzbistum Köln): Das ist eine spannende Frage. Wir wissen natürlich nicht, ob es diese Wahlfreiheit geben wird. Es kann sein, dass sich etwas tun wird. Wir gehen aber davon aus, dass das System mit G8, also dem Abitur nach 8 Jahren, so bestehen bleibt. Wir haben nämlich viel investiert und geändert.

Sie haben auch gefragt, was besser ist: G8 oder G9. Eine absolute Antwort kann ich ihnen darauf nicht geben. Ich viel recherchiert, ich habe in verschiedenen Bundesländern gelebt, habe sechs verschiedene Systeme erlebt - nach 13 Jahren Schule Abitur, nach 12,5 Jahren Abitur, nach12 Jahren Abitur. Alle Systeme sind machbar und umsetzbar. Aber keins ist unfehlbar.

domradio.de: Aber Sie sagen: Hier im Erzbistum bleiben wir jetzt erstmal bei G8. Ein Grund ist, weil wir es gerade umgestellt haben?

Koch: Wir haben umgestellt, weil das Land umgestellt hat. Unsere Schulen sind Ersatzschulen und insofern sind gebunden an das, was das Land macht.

Solange es G8 hier gibt, gibt es unsere Schulen auch mit G8. Es gibt keinen aktuellen Anlass über einen Wechsel nachzudenken.

domradio.de: Viele Eltern und Schüler klagen über zu straffe Lehrpläne bei G8. Hören Sie das auch aus Ihren Schulen?

Koch: Ja, das hört man. Aber das hört man auch von Kollegen, die an Schulen sind, die nach 13 Jahren Abitur anbieten, also aus anderen Bundesländern. Wir haben wirklich Probleme, die damit zu tun haben, dass es zuviel Stress in der Schule gibt und mit einer schwierigen Gestaltung des Nachmittags. Aber ich glaube nicht, dass es in erster Linie und hauptsächlich mit G8 oder G9 zusammen hängt.

domradio.de: In NRW gab es im Frühjahr dieses Jahres eine Umfrage der Landeselternschaft. 79 Prozent der Eltern sagen, wir wollen G9 zurück. Wenn Sie sagen - wir bleiben bei G8, komme es wie es wolle - planen Sie da nicht gegen den Willen der Eltern?

Koch: Nicht komme, wie es wolle. Da sind wir schon differenzierter. Wir wollen natürlich nicht gegen den Willen der Eltern planen. Wir verstehen die Schulen als Erziehungsgemeinschaft mit den Eltern. Ich habe natürlich Verständnis für die Sorgen der Eltern. Ich kann auch verstehen, wenn man feststellt: Der Stress ist größer geworden und jetzt ist G8 und früher war G9. Dann kann es nahe liegend sein zu denken, dass es an dieser Umstellung liegt. Aber man muss genauer hinsehen.

Viele Probleme kommen woanders her. Ein Beispiel: Die Zunahme an Reife der Schüler im Alter von 17,18 Jahren ist heute nichte mehr so deutlich zu sehen, wie noch vor 10, 20 Jahren. Da tut sich einiges gesellschaftlich gesehen. Der bloße Hinweis auf G8 oder G9 führt nicht weiter.

domradio.de: Ein Argument besagt, dass die straffen Lehrpläne gerade auch Schüler aus benachteiligten Schichten die Chancengleichheit nochmal mehr verwehrt. Ist G8 noch mehr eine Schule für Eliten als es normale Gymnasien sowieso schon sind?

Koch: Was die Lehrpläne angeht - da haben Sie Recht. Am Anfang wurde versprochen, dass die Lehrpläne entrümpelt werden sollen. Aber da liegen noch viele Aufgaben vor uns.

Was die Benachteiligung angeht: Das kann ich in Bezug auf G8 oder G9 nicht so sehen. Meistens wird das in Bezug aufs Gymnasium generell diskutiert. Aber darüber dass G8 nur von bildungsnäheren Familien nachgefragt wird, darüber gibt es keine validen Daten. Wenn wir die Daten hätten, würden natürlich darüber nachdenken.

domradio.de: Finden Sie das hilfreich, dass diese Diskussion wieder aufflammt?

Koch: Ganz klar: Ich würde es mir für alle Schulen und Verantwortlichen wünschen, dass da jetzt Ruhe reinkommt. Das führt sonst zur einer starken Verunsicherung, die nachher nur wieder schwer einzufangen ist.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

 

 

 

 

(dr)

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