Aids-Schleife als Symbol der Solidarität
Aids-Schleife als Symbol der Solidarität
Pfarrer Stefan Hippler
Pfarrer Stefan Hippler

19.07.2016

Pfarrer und Aids-Aktivist Hippler zur Welt-Aids-Konferenz Der Optimismus schwindet

Es ist ein ehrgeiziges Ziel der internationalen Gemeinschaft – bis 2030 Aids zu besiegen. Doch der Optimismus schwindet. Auch bei Pfarrer Stefan Hippler, der sich in Südafrika für den Kampf gegen Aids einsetzt.

domradio.de: Auf der Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban beraten bis zum 22. Juli knapp 18.000 Forscher, Aktivisten und Regierungsvertreter, wie sich die Krankheit besiegen lässt. Sie selbst unterstützen seit vielen Jahren HIV- und Aids-kranke Kinder in Kapstadt. Sie kennen das staatliche Gesundheitssystem, auch in den Townships, den Elendsvierteln. Halten Sie es für möglich, AIDS bis 2030 auszurotten?

Pfarrer Stefan Hippler (Pfarrer in Südafrika und Aids-Aktivist): Bei allem Optimismus, den ich habe, glaube ich nicht, dass es möglich ist. Dazu spricht zu viel dagegen. Unter anderem haben wir noch zu wenige Menschen in der Behandlung. Leider wird zudem zu viel Geld für andere Dinge ausgegeben, wie den Kampf gegen den Terror.

domradio.de: Die Diagnose HIV ist inzwischen kein Todesurteil mehr, zumindest wenn man in Deutschland lebt. Eine Tablette pro Tag genügt statt eines Medikamenten-Cocktails. Es klingt relativ einfach. Aber ist das auch so?

Hippler: Nein, es ist nicht einfach. Selbst die eine Tablette pro Tag muss regelmäßig an jedem Tag zur selben Zeit eingenommen werden. In Afrika, das dürfte über die Grenzen bekannt sein, ist Zeit ein relativer Begriff. Wir haben schon massive Probleme, Menschen dazu zu bewegen, jeden Tag zur selben Zeit eine Pille einzunehmen. Wenn man die Tablette nicht regelmäßig einnimmt, führt es dazu, dass sich Resistenzen bilden und dass Medikamente nicht mehr wirken. Das sehen wir hier in Afrika leider regelmäßig.

domradio.de: Wenn man es schafft, die Leute dazu zu bewegen, einmal täglich diese Tablette zu sich zu nehmen, lässt es einen dann nicht auch leichtsinnig werden? Es verleitet doch sicherlich zu sagen, eine Tablette am Tag sei möglich und HIV damit kein Todesurteil mehr?

Hippler: Wenn das so einfach wäre. Es geht ja nicht um HIV. HIV hat ja auch Konsequenzen, es hat Co-Infektionen. Hier in Südafrika gibt es die Tuberkulose und auch Malaria kommt wieder. Das bedeutet für Menschen, die HIV-positiv sind und ohnehin ein geschwächtes Immunsystem haben, dass sie besonders anfällig für andere Krankheiten sind. Von daher ist das ganze nicht so einfach, wie es immer dargestellt wird mit der einen Pille.

domradio.de: Auf der Konferenz sind viele gleichgesinnte AIDS-Aktivisten, die ihre Strategie im Kampf gegen die Krankheit vorstellen. Können Sie davon profitieren?

Hippler: Wir tauschen uns aus und lernen voneinander. Es ging zum Beispiel schon um die Frage, wie wir Jugendliche und junge Menschen, die mit HIV geboren sind, dazu bekommen, diese Tablette jeden Tag einzunehmen. Wir fragen uns, wie wir es in Jugendgruppen spannend machen können, dass die Einnahmetreue gelingt.

domradio.de: Großbritannien ist wohl eine der größten Gebernationen und wichtigsten Forschungsstandorte für den Kampf gegen HIV und Aids. Auf der anderen Seite steht das Land gerade vor dem Ausstieg aus der Europäischen Union. Könnte der Brexit den Fortschritt ausbremsen?

Hippler: Es wird auf jeden fall ein Fortschritt kommen. Alles, was momentan auf der Welt passiert, bremst den Fortschritt, weil im Endeffekt weniger Geld da ist. Ohne Geld geht gar nichts. In Afrika geht nichts, in Europa geht nichts und weltweit geht auch nichts. Wenn man die weltweite Entwicklung betrachtet, so sind 37 Millionen Menschen HIV-positiv. davon sind 16 Millionen nur in Behandlung. Eine Million stirbt pro Jahr an den Folgen von HIV und Aids. Die Gelder fließen weniger in die Aids-Fonds. Der Ausstieg Großbritanniens, das eines der wichtigsten Partner von Südafrika ist, aus der EU, hat Konsequenzen, die wir momentan noch gar nicht überblicken können.

domradio.de: Ist das ein Thema, das auch auf der Konferenz diskutiert wird?

Hippler: Das wird mit diskutiert. Es geht um den Brexit, es geht um die Geschehnisse, die in den USA gerade passieren, auch um die Wahlen und natürlich um den Kampf gegen den Terror, der sehr viel Geld wegzieht von wichtigen anderen Themen. Wir versuchen natürlich optimistisch zu bleiben. Aber wir müssen auch realistisch sein. Das Jahr 2030 ist ein nettes Ziel, aber wir werden es nicht erreichen.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(DR)

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