Mehr als 400 Tote nach Erdbeben in Ecuador
Mehr als 400 Tote nach Erdbeben in Ecuador
Vor allem die Küstenstadt Pedernales ist betroffen
Vor allem die Küstenstadt Pedernales ist betroffen

19.04.2016

Caritas International hilft nach dem Erdbeben in Ecuador Unterkünfte, Essen und Trinkwasser

Nach dem Erdbeben in Ecuador wird langsam das Ausmaß der Katastrophe deutlich - mehr als 400 Tote, fast 2.700 Verletzte. Doch ohne Präventionsmaßnahmen wäre die Zahl der Opfer noch deutlich höher, meint Phillipp Lang von Caritas International.

domradio.de: Besonders betroffen ist ja ein etwa hundert Kilometer breiter Küstenstreifen westlich der Hauptstadt Quito. Was sagen ihre Partner vor Ort - kommen die Helfer überhaupt in die Unglücksgebiete?

Philipp Lang (Ecuador-Referent bei Caritas International): Die größeren städtischen Zentren hat man mittlerweile erreicht. Das sind vor allem die Touristenorte Portoviejo, Pedernales und Muisne. Schwierig ist der Zugang allerdings immer noch in die entlegeneren Regionen, wo es kleinere Siedlungen gibt. Da ist es teilweise zu Erdrutschen gekommen, weshalb die Zufahrtsstraßen noch geräumt werden müssen.

domradio.de: Das heißt, man kann noch gar nicht über das Ausmaß der Zerstörung sprechen. Man muss erst abwarten, bis auch diese Regionen zugänglich sind.

Lang: Bis ins letzte Detail hat man die Informationen noch nicht. Aber mittlerweile hat man schon einen gewissen Überblick über die Stärke des Bebens. Wenn es ein städtisches Zentrum direkt betroffen hätte, wäre das Ausmaß nochmal deutlich größer gewesen. In der betroffenen Region sind derzeit 20.000 Menschen in Notunterkünften untergebracht. Es laufen immer noch die Bergungsmaßnahmen. Nationale und internationale Hilfe sind mittlerweile angelaufen. 

domradio.de: Welche Hilfe ist da am meisten gefordert - was brauchen die Menschen vor Ort?

Lang: Im Moment liegt der Schwerpunkt auf der Unterbringung von Familien, die ihre Unterkünfte komplett verloren haben. Die Menschen müssen natürlich dann mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln versorgt werden, was auch mit zunehmender Dauer schwieriger wird. Und dann geht es im Moment auch schon darum zu gucken, wie sich die Situation mittelfristig entwickeln wird. Im Moment ist in Ecuador Regenzeit. Deshalb müssen schnell dauerhafte Unterkünfte geschaffen werden. Der Schutz gegen Moskitos wird wichtig sein, gerade in der Regenzeit. Denn es besteht die Gefahr, dass Moskitos auch Krankheiten übertragen. Das sind im Moment die Schwerpunkte.

Demnächst wird es dann darum gehen, wie Familien begleitet werden, die ihre Unterkünfte und auch ihre Einkommensquellen verloren haben. Die Region ist stark vom Tourismus abhängig. Man wird sicherlich auch merken, dass auch Einkommensmöglichkeiten in dieser Richtung wegfallen. Im Moment ist auch die Abstimmung mit den staatlichen Akteuren wichtig, die in der Region präsent sind. Unter anderem ist viel Militär entsandt worden. Zur Zeit sind circa 600 Personen in kirchlichen Einrichtungen untergebracht, die als Notunterkünfte genutzt werden. 

domradio.de: Wenn wir in die Zukunft schauen - was muss passieren, um Menschen langfristig zu schützen. Geht es da auch um bauliche Maßnahmen?

Lang: Ich denke, in Ecuador ist schon sehr viel gemacht worden - gerade im baulichen Bereich. Bezogen auf die Stärke des Erdbebens ist die Anzahl der eingestürzten Gebäude relativ gering. Das hat sich auch auf die Zahl der Todesopfer ausgewirkt: Es hätten deutlich mehr als 400 sein können. Bei baulichen Maßnahmen hat man in den letzten Jahren durchaus berücksichtigt, dass Ecuador in dieser Hochrisikozone liegt. Gleichzeitig wurden auch viele Präventionsmaßnahmen durchgeführt: Die Evakuierung von Gebäuden wurde eintrainiert, man hat Strukturen, wie erste Hilfe zu leisten ist. Die Leute sind darauf vorbereitet. Wir als Caritas haben in diesem Bereich in dreizehn Gemeinden Präventionsmaßnahmen durchgeführt.

Allerdings haben wir auf Fernsehbildern gesehen, dass gerade modernere Gebäude eingestürzt sind, weil bauliche Vorschriften einfach nicht eingehalten wurden. Denn das ist in der Regel mit höheren Kosten verbunden. Beim Wiederaufbau ist es wichtig, stärker darauf zu gucken, dass die Vorschriften auch wirklich eingehalten werden.

Das Interview führte Silvia Ochlast. 

(DR)

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