Arbeiter in Katar
Arbeiter in Katar
Ex-FIFA-Präsident Blatter und der katarische Chef des WM-Komitees
Ex-FIFA-Präsident Blatter und der katarische Chef des WM-Komitees

31.03.2016

Amnesty berichtet über Ausbeutung auf WM-Baustellen in Katar Die hässliche Seite des schönen Spiels

"Mein Leben ist hier wie ein Gefängnis", klagen Arbeiter auf einer WM-Baustelle in Katar. Amnesty International prangert in einer Studie die Arbeitsbedingungen in dem Wüstenstaat an. Nicht zum ersten Mal.

Saftiger Rasen, strahlende Tribünen und Millionen freuen sich auf ein packendes Spiel - die schöne Seite des Fußballs. Doch dafür wird laut Amnesty auch eine hässliche Seite in Kauf genommen. Die Menschenrechtsorganisation prangert in einem aktuellen Bericht die systematische Ausbeutung von Arbeitsmigranten in Katar an, dem Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2022. In einigen Fällen könne man von Zwangsarbeit sprechen, sagte Regina Spöttl von Amnesty International am Donnerstag in Berlin.

Systematische Ausbeutung von Arbeitsmigranten

"Mein Leben hier ist wie ein Gefängnis", erzählte ein Bauarbeiter den Amnesty-Mitarbeitern im Mai 2015. Stundenlang arbeite er in der heißen Sonne und als er sich das erste Mal beschwerte, habe der Vorgesetzte zu ihm gesagt: "Wenn du in Katar bleiben möchtest, sei still und arbeite weiter." 234 Bauarbeiter und Gärtner am Khalifa-Stadion und im Sport- und Leistungszentrum wurden für den aktuellen Bericht interviewt - keiner der Befragten war laut Amnesty im Besitz seines Passes. Die Arbeitgeber wollten so verhindern, dass die Migranten Katar vor Ablauf des Arbeitsvertrags verlassen könnten.

Wiederholt hatten Menschenrechtler die Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar kritisiert. Seitdem habe die dortige Regierung wenig für eine Verbesserung der Arbeitssituation getan. "Einige der Firmen haben ihren Arbeitern die Pässe zurückgegeben und siedelten sie in bessere Wohnquartiere um", erklärt Spöttl der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Neuerungen der Firmen geplant

Außerdem gebe es seit November ein elektronisches Bezahlungssystem, bei dem jeder Arbeiter sein Gehalt auf ein eigenes Konto überwiesen bekomme. Ob diese Neuerung funktioniert und sich bewährt, sei noch nicht bekannt. "Immerhin könnte dieses System mehr Transparenz schaffen und ist ein Schritt in die richtige Richtung", so die Expertin. Im Amnesty-Bericht schilderten die Arbeiter noch, dass Löhne mit bis zu sieben Monaten Verspätung ausgezahlt worden seien.

Amnesty konfrontierte die katarische Regierung, die Fifa und die beteiligten Firmen mit den Vorwürfen. Alle Parteien sicherten zu, die Hinweise ernst zu nehmen, verwiesen jedoch zugleich auf ihr jeweiliges Engagement zur Verbesserung der Situation.

Männer aus Bangladesch, Indien oder Nepal

Das Grundübel wurde laut Amnesty bisher nicht in Angriff genommen: die Ausbeutung durch das katarische Sponsorensystem Kafala. "Jeder Arbeitsmigrant in Katar braucht einen Arbeitgeber als Sponsor. Ohne dessen Erlaubnis darf der Arbeiter weder seinen Job wechseln noch das Land verlassen", erläutert Spöttl.

Die Lage könnte sich weiter verschärfen. Amnesty rechnet damit, dass sich die Zahl der Arbeitsmigranten auf den Baustellen in Katar in den nächsten zwei Jahren auf etwa 36.000 verzehnfacht. Bei etwa 90 Prozent soll es sich derzeit um Männer aus südasiatischen Ländern wie Bangladesch, Indien oder Nepal handeln. "Zwielichtige Arbeitsvermittler machen den Arbeitsmigranten in deren Heimatländern falsche Lohn-Versprechungen und verlangen hohe Gebühren von 500 bis 4.300 US-Dollar für eine Arbeitsstelle in Katar", so Spöttl.

"Die Fifa muss Druck auf die Regierung erhöhen"

Amnesty fordert den Weltfußballverband Fifa auf, jetzt etwas gegen die Ausbeutung von Arbeitsmigranten zu unternehmen. "Die Fifa muss sofort den Druck auf die katarische Regierung erhöhen, damit diese Reformen einleitet, um eine weitere Ausbeutung von Arbeitsmigranten zu verhindern. So muss das Sponsorensystem in seiner aktuellen Form abgeschafft werden", sagt die Expertin. Seit der Vergabe der Fußball-WM an Katar 2010 habe die Fifa nicht genug gegen die menschenunwürdigen Bedingungen getan.

Der Fußball-Weltverband unterstreicht nach der Veröffentlichung des Berichts seinen Einsatz in Sachen Menschenrechte. Man habe zusammen mit anderen Interessensgruppen die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im Land unterstützt. Immer wieder habe man auch Vertreter von Amnesty International getroffen und über mögliche Reformen diskutiert, teilte die Fifa auf KNA-Anfrage mit. Es handle sich um einen laufenden Prozess. Man wolle auch weiterhin die Verantwortlichen in Katar dazu drängen, die gewünschten Standards einzuhalten.

Rainer Nolte
(KNA)

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