Frauen in einem Transitlager im griechischen Idomeni
Frauen in einem Transitlager im griechischen Idomeni
Barbara Küppers, Kinderhilfswerk terre des hommes
Barbara Küppers, Kinderhilfswerk terre des hommes

08.03.2016

terre des hommes zu Frauen auf der Flucht "Eine sehr, sehr belastende Situation"

Frauen auf der Flucht sind großem Stress, Angst um ihre Kinder und oft auch sexueller Gewalt ausgesetzt. Darüber berichtet Barbara Küppers vom Kinderhilfswerk terre des hommes. Ein domradio.de-Interview zum Internationalen Frauentag.

domradio.de: Am Anfang waren es ja überwiegend junge Männer auf der Flucht, dann kamen mehr und mehr Frauen und Kinder dazu. Gibt es Schätzungen, wie viele zur Zeit unterwegs sind?

Barbara Küppers (Leiterin Referat Kinderrechte, terre des hommes Deutschland): Wir schätzen, dass im Moment auf der Balkanroute ungefähr 80 Prozent der Flüchtenden Frauen und Kinder sind. Weltweit ist ein Viertel der 60 Millionen Flüchtlinge Frauen. Die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit sind Kinder, als Mädchen und Jungen unter 18 Jahren.

domradio.de: Schlepper und Schleuser verlangen ja viel Geld für die Flucht, das wissen wir. Machen die aber einen Unterschied, ob es sich um Männer handelt, oder um Frauen und Kinder?

Küppers: In den Preisen offensichtlich nicht. Was wir aber immer wieder hören, in den vielen Projekten, die wir entlang der Fluchtrouten und in Krisenregionen haben, ist eine ganz große Gefahr: Wenn Schlepper Menschen in ihrer Gewalt haben - sie müssen sich ja komplett auf den Schlepper verlassen, wissen manchmal gar nicht, wo sie sind - vergewaltigen sie manchmal Frauen, Mädchen und übrigens auch Jungen. Das ist ein ganz großes Tabu. Sie sind also als Flüchtender wirklich auf den Goodwill dieser Schlepper angewiesen, und der ist leider oft nicht da.

domradio.de: ...und dann sind die Frauen möglicherweise an Land, sind in der vermeintlichen Sicherheit, aber dann drohen weitere Gefahren... 

Küppers: Die Flucht ist für Frauen belastend, weil sie natürlich Übergriffe fürchten müssen, auch von Mitflüchtenden oder von Einheimischen, sie sind mehr oder weniger schutzlos. In der Regel sind Frauen für die Betreuung der Kinder zuständig, auch das ist eine Belastungssituation. Da geht es weniger um sexuelle Gewalt, sondern es geht einfach darum, dass Frauen, die so Schlimmes hinter sich haben, wenn sie schwanger sind oder kleine Babys haben, wirklich enorm unter Stress stehen und sich auch noch um diese Kinder sorgen. Wir haben viele Fälle in unseren Projekten, wo zum Beispiel jungen Müttern einfach die Milch wegbleibt. Die können ihre Kinder nicht mehr stillen, weil einfach der Stress so groß ist. Oder sie haben einfach überhaupt keine Nerven mehr, um sich mit den Kindern auseinanderzusetzen. Das ist eine sehr, sehr belastende Situation.

domradio.de: Jetzt ist die Fluchtbewegung natürlich nicht sonderlich neu: Seit Jahren kommen Bootsflüchtlinge auf Lampedusa, auf Malta oder den Kanaren an. Nicht so geballt wie aktuell, aber Sie haben die Erfahrung mit den Flüchtlingen - auch von damals. Was macht so eine Flucht langfristig mit den Frauen?

Küppers: Das ist eine ganz große Frage auch an die aufnehmenden Länder und Gemeinden. Wenn Frauen die Möglichkeit haben, über ihre Erfahrungen zu sprechen, gibt es die Möglichkeit, Traumatisierungen, Angst und Grausamkeiten auch zu bearbeiten und damit zu leben. Wenn es so ist, dass Frauen überhaupt nicht darüber sprechen dürfen, wenn ihnen zum Beispiel auf der Flucht Gewalt angetan wurde, ist es natürlich eine ganz große Belastung, auch für das weitere Leben, für Integration und dafür, sich dann irgendwann wieder irgendwo sicher und wohl zu fühlen.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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