19.12.2015

Leipziger Gewandhauskapellmeister stirbt im Alter von 88 Jahren Dirigent Kurt Masur ist tot

Der Dirigent Kurt Masur (88) ist tot. Masur war nicht nur Ausnahme-Musiker, sondern hatte auch an der Friedlichen Revolution in Leipzig mitgewirkt. Zuletzt litt der gebürtige Schlesier an der Parkinson-Krankheit. 

Der Dirigent Kurt Masur ist tot. Der langjährige Leipziger Gewandhauskapellmeister starb am Samstag im Alter von 88 Jahren, wie seine Sprecherin Anna-Barbara Schmidt der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Die New Yorker Philharmoniker, bei denen er von 1991 bis 2002 wirkte, würdigten in einer Stellungnahme Masurs Lebenswerk. Der Dirigent, der von 1970 bis 1996 Kapellmeister in Leipzig war, gehörte im Herbst 1989 zu den Unterzeichnern des Aufrufes "Keine Gewalt", mit dem Montagsdemonstranten und Staatsgewalt zum Dialog aufgefordert wurden.

Masur litt in fortgeschrittenem Alter an der Parkinson-Krankheit. Im Frühjahr 2012 brach er sich bei einem Auftritt in Paris das Schulterblatt. Ein Jahr später stürzte er in Tel Aviv und brach sich die Hüfte. Bis zu seinem Tod war er Ehrendirigent in Leipzig. Die Beisetzung soll nach Angaben der New Yorker Philharmoniker im privaten Kreis stattfinden. Zudem soll es eine öffentliche Gedenkveranstaltung geben.

Dirigent der größten Orchester 

Als Gewandhauskapellmeister in Leipzig wurde Kurt Masur schon in der DDR umjubelt. Nach 1989 machten ihm die großen internationalen Orchester den Hof. Er wurde Chef der New Yorker Philharmoniker (1991), des London Philharmonic Orchestra (2000) und des Orchestre National de France in Paris (2002). Mit seiner vielgepriesenen Hartnäckigkeit und Genauigkeit brachte er die Klangkörper zu bemerkenswerten Erfolgen. Weit mehr als 100 Aufnahmen mit zahlreichen Orchestern liegen von ihm vor.

Dass Masur 1993 auch als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt wurde, zeigt nicht zuletzt sein Ansehen in der Bevölkerung. Dabei galt er zu DDR-Zeiten durchaus auch als umstritten. Schließlich war er der weltweit beklatschte ostdeutsche Musiker vor und hinter dem Eisernen Vorhang. Als einer der Aufsteiger und Hoffnungsträger der DDR erhielt er Auszeichnungen wie etwa Kunstpreise und den Nationalpreis.

Auf der Seite der Bürger

Aber er ist auch einer, der sich auf die Seite der Bürger stellte. So im Herbst 1989, als er am 9. Oktober in Leipzig einen blutigen Aufstand verhindern half. Als einer von sechs Prominenten unterzeichnete er den Aufruf, in dem Regimegegner und die Polizei zum Gewaltverzicht zugunsten eines konstruktiven Dialogs aufgefordert wurden.

Über den Stadtfunk erreichte die mehr als 70.000 Montagsdemonstranten die Nachricht, die Masur vorher aufs Band gesprochen hatte: "Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit." Später kommentierte er die Szenerie: "Ich war nur einer der bekanntesten von denen, die ihre Angst überwunden hatten." Den Herbst 1989 beschreibt er für sich so: "In diesen Tagen bin ich Leipziger geworden."

Trotzdem glaubt er, dass er "kein typischer Deutscher" ist. Seine Heimat ist Schlesien. Dort wurde er am 18. Juli 1927 in Brieg geboren. Bis heute habe er in Polen Freunde und das "Zuhausegefühl", sagt er. Trotzdem kehrt der ruhelose Maestro mit Wohnsitz in New York immer wieder nach Deutschland zurück. Vor allem nach Leipzig, wo er von 1970 bis 1997 das Gewandhaus-Orchester leitete und den Bau eines neuen Gewandhauses durchsetzte. 1981 wurde es eröffnet.

Europäer des Jahres
Dabei absolvierte Masur zunächst eine Lehre als Elektriker. Sein Musikstudium begann er in Breslau und studierte nach dem Zweiten Weltkrieg an der Leipziger Musikhochschule weiter. Als Kapellmeister war er danach in fast allen großen ostdeutschen Städten tätig.

Die Liste der Auszeichnungen für Masur ist lang. Nach den DDR-Würdigungen folgten im vereinten Deutschland unter anderem das Bundesverdienstkreuz, der Deutsche Fernsehpreis, der Westfälische Friedenspreis und schließlich der Echo Klassik für sein Lebenswerk.
Die Stadt Leipzig ernannte ihn 1989 zum Ehrenbürger. Masur war "Europäer des Jahres 1990" und erhielt den Bambi. Und auch seine Geburtsstadt Brieg verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde.

 

(dpa, epd)

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