Im Seventh-Ward-Viertel von New Orleans
Im Seventh-Ward-Viertel von New Orleans

29.08.2015

Nach "Katrina" kämpfte das Erzbistum New Orleans mit den Folgen Die Katastrophe nach der Katastrophe

Naturkatastrophen und Armut, eine fatale Kombination. Betroffen von Katrina waren besonders die Armen - zehn Jahre später spüren sie die Folgen am stärksten. Dagegen kämpft die Corpus-Christi-Epiphany-Gemeinde an.

Gleich hinter der Corpus-Christi-Kirche scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Neben einem knallgelb gestrichenen Haus steht eine abbruchreife Bude, an deren Fassade die technischen Markierungen der Katastrophenhelfer noch zu sehen sind. Fenster und Türen sind mit Brettern vernagelt und von Efeu umrankt. Kein seltener Anblick im schwarzen Seventh-Ward-Viertel von New Orleans, das während des Jahrhundertsturms Katrina im August 2005 zu den am stärksten betroffenen Stadtteilen zählte.

Fernand Cheri (63) zeigt mit der Hand Richtung Norden, wo er unweit von hier zusammen mit vier Schwestern und zwei Brüdern in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. "Hier sind wir herumgestrolcht", erzählt der Franziskaner-Pater über das Viertel, das zwischen Treme und dem Lower-Ninth-Ward liegt. Seine Angehörigen leben über New Orleans verteilt - während Katrina verloren sie 30 Häuser. "Am härtesten traf es die Ärmsten in unserer Familie", erinnert sich Cheri, den Papst Franziskus im Januar zum Weihbischof seiner Heimatdiözese New Orleans berief.

Katastrophe traf vor allem Arme

Das gilt nicht nur für Cheris Familie, sondern für die gesamte Stadt: Zehn Jahre nach Katrina sind vor allem in armen Vierteln wie dem Seventh-Ward viele Häuser weiter unbewohnbar. "Die verlassenen Häuser erzählen die Geschichte", sagt der Weihbischof, der in den USA einer von acht Afro-Amerikanern im Bischofsamt ist. Die verwaisten Bauten seien die stummen Zeugen einer Naturkatastrophe, die gleichzeitig als größtes menschengemachtes Desaster in die Geschichte der USA einging.

Mehr als 1.830 Menschen kamen in dem Jahrhundertsturm ums Leben, der Deiche brechen ließ und große Teile der Stadt überflutete. Die meisten davon starben, weil sie keine Chance hatten, die Stadt zu verlassen. Experten hatten eine solche Katastrophe aufgrund der geografischen Lage der Stadt seit langem befürchtet. Dass die Verantwortlichen keine Vorkehrungen getroffen hatten, bleibt für Cheri umso unverständlicher. "Sie haben nicht an Leute gedacht, die kein Auto hatten, um aus der Stadt zu fliehen".

Aus der eigenen Familie kennt der Bischof die Geschichten aus der Zeit nach der Katastrophe. Wie Firmen staatliche Gelder einstrichen und nie zu Reparaturarbeiten auftauchten, Versicherungen darüber stritten, ob es sich um Wasser- oder Windschäden handelte, und Nachbarn fortzogen, weil sie weder ein Dach über dem Kopf noch einen Job hatten.

Fast alle kirchlichen Gebäude zerstört

Katrina stellte auch das Erzbistum New Orleans vor massive Herausforderungen. Von 1.200 Gebäuden in Kirchenbesitz waren 1.100 zerstört. Besonders betroffen waren schwarze Gemeinden wie die, in der Cheri aufwuchs und zur Schule ging. Die Gegend rund um die Epiphany-Kirche im Seventh-Ward war so zerstört, dass die Erzdiözese 2008 die Entscheidung traf, die Gemeinde mit Corpus-Christi zusammenzulegen. Eine von 27 Pfarreien, die Katrina zum Opfer fielen.

Auf der Strecke blieb auch die katholische Schule der Corpus-Christi-Gemeinde, in der vor Katrina rund 1.000 Schüler lernten. Mit Hilfe der staatlichen Katastrophenhilfe-Organisation FEMA verwandelte die Kirche den verwaisten Bau in ein Nachbarschaftszentrum. Herzstück des Zentrums ist ein Ausbildungsprogramm, das jungen Menschen eine Chance gibt, solide Handwerksberufe zu erlernen.

Für Bischof Cheri, der vor seiner Rückkehr nach New Orleans unter anderem als Seelsorger in dem später von Rassenunruhen geplagten Ferguson tätig war, ist das im Juni eröffnete Nachbarschaftszentrum ein Zeichen der Hoffnung; doch bei Weitem nicht genug. Mit leiser Stimme beklagt er strukturellen Rassismus in den USA und meint, die Kirche müsse sich dazu mindestens so deutlich äußern wie gegen Abtreibung. "Die Schwarzen sind nach dem Ende der Sklaverei systematisch in die Armut gedrängt worden und haben keinen Weg, da herauszukommen."

Katrina habe die Konsequenzen zutage befördert. Die Corpus-Christi-Epiphany-Gemeinde versucht dies unter anderem mit ihrem Nachbarschaftszentrum aktiv zu verändern. "Gut so", sagt Cheri. "Wir können das Thema Rassismus nicht länger ignorieren; als Gesellschaft nicht und erst recht nicht als Kirche."

Thomas Spang
(KNA)

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