Fairtrade auf dem Friedhof
Fairtrade auf dem Friedhof

16.07.2015

Experten kritisieren Kinderarbeit bei Import von Grabmälern Faire Grabsteine

Die Globalisierung hat die deutschen Friedhöfe erreicht. Denn jeder zweite Grabstein stammt aus Indien. Doch Experten warnen vor Kinderarbeit und Ausbeutung. Neue Siegel sollen künftig "saubere" Grabmale garantieren.

Öko-Kaffee, Bio-T-Shirts oder das Fairphone-Handy - immer mehr Verbraucher entscheiden sich für fair hergestellte Produkte. Beim Thema Grabstein allerdings dürfte bislang kaum jemand größere Gedanken darauf verwandt haben, woher und wie die Grabmale auf deutsche Friedhöfe gelangen. Doch das soll sich nun ändern. Denn inzwischen stammt rund jeder zweite Grabstein auf dem deutschen Markt aus Indien oder China. Spottpreise beim Schiffstransport rund um den Globus sowie niedrigste Arbeitskosten in Entwicklungsländern machen es möglich. Neu entstandene Initiativen drängen nun darauf, bei den Arbeitsbedingungen genauer hinzuschauen, um "saubere" Grabsteine zu garantieren.

"Noch immer werden in Indien und China Kinder zu gesundheitsgefährdender oder gar lebensgefährlicher Arbeit in Steinbrüchen und Steinverarbeitungsbetrieben gezwungen. Dagegen kämpfen wir", sagt Benjamin Pütter von Xertifix, einem 2005 in Freiburg gegründeten Verein, der asiatische Steinproduzenten kontrolliert. Eigene Mitarbeiter sind mit unangekündigten Kontrollen vor Ort, ein Zertifikat gibt es nur beim Verzicht auf Kinderarbeit und bei Einhaltung internationaler Arbeitsschutzstandards. Indes will kaum ein deutscher Importeur von Natursteinen mit dem Freiburger Verein zusammenarbeiten - aus Angst vor höheren Einkaufspreisen.

Siegel für Grabsteine

Doch inzwischen ist das Thema faire Grabsteine auch in der deutschen Politik angekommen. So erlaubt es das neue baden-württembergische Bestattungsgesetz den Städten und Kommunen, in den örtlichen Friedhofssatzungen auf Grabsteinen ohne Kinderarbeit zu bestehen. Doch als Kehl und Stuttgart entsprechende Regeln verabschiedeten, wurden diese umgehend von den Verwaltungsgerichten kassiert: Die Richter betonten, noch gebe es kein funktionierendes, unabhängiges und staatlich kontrolliertes Siegel für Grabsteine.

Auch in Nordrhein-Westfalen arbeitet die Politik an einem Verbot für Grabsteine aus Kinderarbeit. Ein entsprechendes Gesetz ist verabschiedet. Die Regeln für die Praxis verzögern sich jedoch. "Das Verbot rechtssicher umzusetzen, ist sehr kompliziert. Dabei gilt Sorgfalt vor Schnelligkeit", betont eine Sprecherin des zuständigen NRW-Gesundheitsministeriums. Derzeit arbeite die Landesregierung daran, ein "Anerkennungsverfahren für Zertifizierungsstellen" zu erarbeiten. Soll heißen: Gesucht sind verlässliche Initiativen, die den rechtssicheren Nachweis bringen können, dass Steine kinderarbeitsfrei produziert wurden.

Initiativen wie Xertifix oder Fairstone betonen, sie könnten diese Nachweise liefern. Sie werfen den Steinimporteuren aber vor, eine Zusammenarbeit abzulehnen und sogar Steinmetze unter Druck zu setzen, wenn sie kooperieren wollten. "Stattdessen verweisen sie auf Selbstverpflichtungen der Produzenten. Aber die sind kaum belastbar. Es braucht unangekündigte Kontrollbesuche vor Ort", mahnt Pütter. Und dies gelte nicht nur bei Grabsteinen, sondern genauso bei allen Herstellern von Natursteinplatten für Terrasse und Garten oder von Kopfsteinpflaster.

Alternative bietet Europa

Reiner Krug, Geschäftsführer des Deutschen Naturwerkstein-Verbands, anerkennt die Arbeit von Fairstone und Co. als gut und wichtig. Er spricht sich aber für klare gesetzliche Regelungen und einheitliche Standards aus. "Derzeit kann jede beliebige Organisation oder Person ein Zertifikat anbieten, ohne dass eine Qualitätskontrolle stattfindet." Und Sybille Trawinski, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Steinmetze, warnt, die politisch diskutierte Zertifizierung dürfe nicht die unternehmerische Freiheit der Steinmetze einschränken. Sie fürchtet eine unsachliche öffentliche Debatte, die das deutsche Steinmetzhandwerk unter Generalverdacht stellt: "Das ist im Hinblick auf unsere Friedhofskultur mehr als bedauerlich."

Politik, Importeure, Produzenten und Handwerk ringen bei ungewissem Ausgang um das richtige Nachweisverfahren für saubere Grabsteine aus Indien und China. Eine sichere Alternative bleibt schon jetzt: in Deutschland und Europa abgebaute Natursteine. Und die müssten nicht zwangsläufig viel teurer als rund um die Welt verschiffte Importsteine sein, so Trawinski.

(KNA)

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