Syrische Flüchtlinge an der griechischen Küste am 6.5.15
Syrische Flüchtlinge an der griechischen Küste
Syrische Flüchtlingsfrau gibt am 6.5.15 auf Kos ihren Personalausweis einem Beamten des griechischen Küstenschutzes
Syrische Flüchtlingsfrau auf Kos

10.07.2015

Pro Asyl für Nothilfe für Flüchtlinge in der Ägäis "Es sind unsere Flüchtlinge - nicht die Griechenlands"

Die griechische Krise bringt auch die Flüchtlinge auf den Inseln in Bedrängnis. Unter desaströsen Bedingungen leben sie in den Häfen. Es müsse dringend Katastrophenhilfe aus ganz Europa kommen, sagt Karl Kopp von Pro Asyl im domradio.de-Interview.

domradio.de: Wie geht es den Flüchtlingen, mit denen Sie zu tun haben?

Karl Kopp (Europa-Referent bei Pro Asyl, zurzeit auf Lesbos): Es ist eine sehr dramatische Situation. Hier sind aktuell 5.000 Flüchtlinge. In der gesamten Ägäis sind in diesem Jahr knapp 80.000 angekommen. Sie kommen überwiegend aus Syrien und Afghanistan. Es gibt keine staatliche Struktur, die ihnen ein menschenwürdiges Leben oder auch nur eine Aufnahme hier eröffnet. Sie leben auf der Straße, sie versuchen ihr Überleben zu organisieren, sie warten auf eine Registrierung. Auf einem Feld im Hafen sind tausende Menschen - auch viele Kinder und alte Menschen. Sie warten auf ihre Papiere, um weiterreisen zu können. Es ist eine desaströse Situation. Griechenland braucht europäische Hilfe, um das Überleben dieser Menschen sichern zu können.

domradio.de: Griechenland ist pleite. Aber schon vor der Bankenschließung hat man die Flüchtlinge nicht gerade zuvorkommend behandelt. Wie konnte es jetzt soweit kommen?

Kopp: Das ist eine lange Geschichte. Griechenland hatte de facto nie ein funktionierendes Asyl- und Aufnahmesystem. Der neuen Regierung muss man aber zugute halten, dass sie die Flüchtlinge nicht mehr in die Ägäis zurückprügelt. Das Zurückschieben von Flüchtlingsbooten finden momentan überhaupt nicht mehr statt. Dementsprechend kommen mehr Flüchtlinge an. Wir haben eine große Krise auf der anderen Seite des Gewässers. Es kommen syrische, afghanische, eritreische Flüchtlinge an. Griechenland ist der Hauptzugangsort nach Europa. Es sind nicht die Flüchtlinge Griechenland, es sind unsere Flüchtlinge. 

domradio.de: Der Staat ist nicht fähig den Flüchtlingen zu helfen. Wer hilft den Flüchtlingen jetzt - abgesehen von Pro Asyl?

Kopp: Momentan ist ganz wichtig, was das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen macht. Das hat überall Teams, die den Leuten Starter-Kits geben - Schlafsäcke und so weiter. Die Ärzte ohne Grenzen versuchen in den Notquartieren zumindest sanitäre Anlagen zu installieren. Wir selbst haben Leute vor Ort: Rechtsanwälte und Sozialarbeiter zum Beispiel. Und Menschen, die unmittelbare humanitäre Hilfe leisten. Jetzt brauchen wir die Organisationen, die Ahnung haben von Katastrophenhilfe. Es geht so nicht mehr weiter. Sie sehen ja, dass Europa sich gar nicht mehr bewegt, wegschaut, Griechenland hängen und die Flüchtlinge im Stich lässt. Dementsprechend müssen zivilgesellschaftliche Akteure reinkommen - auch große Katastrophenhilfe-Organisationen aus Deutschland und anderen Teilen Europas.

domradio.de: Viele Caterer können kein Essen mehr liefern, weil sie nicht mehr bezahlt werden. Erwarten Sie Aufstände in den Lagern oder in den Hafenregionen, wo die Flüchtlinge jetzt sind?

Kopp: Die Leute kollabieren. Sie müssen einfach sehen, es gibt hier auf der Insel Lesbos noch eine funktionierende Ambulanz. Es funktioniert überhaupt nichts mehr. Und auch die griechische Bevölkerung ist ja von der Austeritätspolitik betroffen. Und jetzt kommen die Flüchtlinge noch dazu. Es werden bis Ende des Jahres weit über 150.000 sein. Das muss europäisch gestemmt werden. Wir brauchen jetzt Nothilfefonds - nicht in drei Tagen, sondern heute. Essen, Medizin, Schlafplätze müssen ermöglicht werden. Und dann brauchen wir legale Weiterreisemöglichkeiten aus Griechenland heraus. Und da wurde gestern bei der Konferenz der Innenminister ja nichts beschlossen. Die Flüchtlinge müssen weiterhin über Serbien, Mazedonien und Ungarn irgendwie versuchen nach Zentraleuropa zu kommen. Das kann es nicht sein.

 

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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