Erstversorgung nach dem Erdbeben
Erstversorgung nach dem Erdbeben

29.04.2015

Caritas International will Bergdörfern nach Erdbeben Hilfe leisten "Die letzte Etappe wird abenteuerlich"

Nach dem Erdbeben in Nepal ist die internationale Hilfe angelaufen. Viele Bergdörfer sind jedoch noch nicht erreicht worden. Dahin werden nun Versorgungsteams aufbrechen, wie Stefan Teplan von Caritas International gegenüber domradio.de berichtete.

domradio:  Wie erleben Sie zurzeit die Situation in Kathmandu?

Stefan Teplan (Caritas International): In Kathmandu ist die Versorgung inzwischen besser geworden. Es ist sehr viel internationale Hilfe eingetroffen und die Regierung tut sehr viel. Ein Problem sind tatsächlich die unzugänglichen Bergregionen, die näher am Epizentrum des Erdbebens liegen. Von dort erhalten wir Berichte, dass den Menschen noch niemand geholfen hat. Und die Caritas sagt ja, "wir helfen dort, wo die Not am größten ist". Deshalb bricht die Caritas morgen mit vier Teams in vier verschiedene Bergregionen auf, die vom Erdbeben stark betroffen sind. Ziel ist es, Hilfsgüter zu verteilen und Bedarfsanalysen zu erstellen, wie wir für die mittel- und langfristige Hilfe vorgehen müssen.

domradio: In den Medien sehen wir Bilder von zerstörten Häusern und kaputten Straßen. Wie können Sie sich in der Stadt fortbewegen?

Stefan Teplan: Hier in Kathmandu sind punktuell viele Mauern und Häuser eingestürzt. In anderen Teilen der Stadt ist noch sehr viel intakt. Es ist so, dass nur die Gebäude eingestürzt sind, die eine sehr lose Baustruktur haben. Die Steine dieser Gebäude waren mit Lehm verbunden und nicht mit festem Zement. Alles, was besser konstruiert war, hat dem Erdbeben standgehalten. Und das ist erstaunlich viel. Es ist nicht so, dass ein ganzes Viertel in Schutt und Asche liegt. Das wird teilweise so in den Medien wiedergegeben, aber ich habe das nicht beobachten können.

domradio: Wie kommen Sie denn zu den entlegenen Dörfern, wenn die Straßen zerstört sind?

Stefan Teplan: Wir haben ja die "Caritas Nepal" vor Ort, die sehr ortskundig ist und diese Dörfer und Regionen kennt. Soweit wir das können, fahren wir das Team und das Material mit Fahrzeugen hin. Ab einem gewissen Punkt müssen wir dann sehr wahrscheinlich eine abenteuerliche Bergwanderung unternehmen. Zwei bis drei Stunden müssen wir über die Berge steigen. Die letzte Etappe ist nur zu Fuß erreichbar.

domradio: Sie fahren heute Nacht weiter nach Gorkha, in die Nähe des Epizentrums des Erdbebens. Mittlerweile sollen dort schon erste Hilfsteams angekommen sein. Wissen Sie schon, was Sie dort erwartet?

Stefan Teplan: Wir wissen nur sehr wenig. Wir haben einige Berichte von Menschen aus der Region erhalten. Soweit ich weiß, war jemand vom Roten Kreuz schon dort. Aber es gibt im näheren Umfeld noch Orte, wo noch keine Hilfe geleistet wurde. Aus diesem Grund fahren wir dorthin.

domradio: Was können Sie von Kathmandu aus mitnehmen? 

Stefan Teplan: Wir nehmen für die Menschen, die im Freien übernachten müssen, Decken, Zelte und Planen mit, damit sie eine Notunterkunft und ein Dach über dem Kopf haben. Es regnet auch immer wieder in diesen Bergregionen. Aber ein ganz großes Problem wird noch sein, dass Mitte bis Ende Juni die Regenzeit beginnt. Wir müssen die Menschen bis dahin alle mit Notunterkünften versorgen. Die Versorgung mit Nahrung ist, denke ich, derzeit gar nicht das große Problem, sondern wirklich, dass die Menschen ein Dach über dem Kopf haben. 

domradio: Inwieweit spielt es jetzt - so lange nach dem Beben - für Sie noch eine Rolle, Überlebende zu finden? 

Stefan Teplan: Jedes einzelne Menschenleben ist kostbar. Und wo immer man noch einen Menschen retten kann, der möglicherweise unter Trümmern liegt, sollte man das tun. Das spielt natürlich für uns eine sehr große Rolle. In jedem unserer Caritas-Teams gibt es auch erfahrene Katastrophenhelfer, die Erfahrungen mit solchen Situationen haben. In jedem Team sind auch medizinische Helfer dabei, psychosoziale Helfer und Fachleute für jeden Bereich der Hilfeleistung. Deswegen brechen wir mit relativ großen Teams, die sieben bis acht Leute umfassen, in die vier Regionen auf. 

domradio: Was denken Sie, wie lange Caritas vor Ort sein wird, um zu helfen?

Stefan Teplan: Nach meinen Erfahrungen sehr lange. Es werden sehr viele Jahre des Wiederaufbaus vor uns liegen. Wir unterteilen die Hilfe immer in mehrere Phasen. In der ersten Phase, in der wir uns jetzt befinden, geht es darum, dass die Menschen das Notwendigste zum Überleben erhalten: Nahrung, Wasser, Decken und Zelte. Mittelfristig hilft man weiter, dass Notunterkünfte errichtet werden. Wir wollen aber den Zustand wiederherstellen, in dem sie vorher gelebt haben bzw. ihn auch noch verbessern. Das heißt, Häuser wieder aufbauen. Das wird erfahrungsgemäß in einigen Regionen mehrere Jahre dauern. Wir werden dementsprechend die Menschen jahrelang begleiten. Die Caritas begleitet die Menschen ja speziell auch dann weiter, wenn die internationale Hilfe abgereist ist, durch die Caritas vor Ort. Wir haben hier die "Caritas Nepal", die unser lokaler Partner ist und die sich im Grunde ständig um die Menschen kümmert. Und über die einzelnen katholischen Pfarreien ist die Caritas immer und überall präsent.

domradio: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt

(dr)

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