Dirk Bingener
Dirk Bingener

20.04.2015

BDKJ: Flüchtlingshilfe ist Frage der Menschlichkeit Nicht noch mehr Schuld aufbürden

Das Schicksal der Flüchtlinge im Mittelmeer bewegt auch die katholischen Jugendverbände sehr. Der frischgewählte BDKJ-Bundespräses Pfarrer Dirk Bingener fordert eine Rückkehr zur Rettung auf dem Mittelmeer.

domradio.de: Was hat ein Bundespräses des BDKJ denn eigentlich für Aufgaben?

Pfarrer Dirk Bingener (neuer Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend): Die Aufgabe des Bundesvorstandes und damit auch des Bundespräses ist, die Interessen von Kindern und Jugendlichen in Kirche, Politik und Gesellschaft zu vertreten. Wir sind ein bisschen Lobbyisten für Kinder und Jugendliche in Deutschland. In besonderer Weise natürlich für die katholischen, aber auch darüber hinaus.

domradio.de: Sie waren bisher im Erzbistum Köln der Präses für den BDKJ - nun also auch bundesweit. Welche Fragen stellen Jugendliche?

Pfarrer Dirk Bingener (neuer Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend): Zum Beispiel ganz konkret das Schicksal der Flüchtlinge, das bewegt zurzeit viele Menschen und auch uns bei der BDKJ-Versammlung auf Burg Rothenfels. Das ist ein Skandal, dass da Menschen auf diese Art und Weise ums Leben kommen. Da braucht es eine andere Art von Politik. Wie wollen Sie Kindern und Jugendlichen erklären, dass wir die europäischen Schiffe sozusagen zurückgezogen haben und den Menschen nicht mehr geholfen haben? Als erstes braucht es hier sofort wieder eine Aufnahme des Seenotrettungsprogrammes und als zweites muss man natürlich Fluchtursachen bekämpfen. Die größten Fluchtursachen sind Krieg und Klimakatastrophe. Und der BDKJ fordert schon lange, dass wir aufhören mit dem Waffenhandel. Das sind ganz brennende Themen. Jugendlichen geht es natürlich immer um das Thema Gerechtigkeit: geht es in unserer Gesellschaft, geht es im Staat, geht es in der Kirche gerecht zu? Jugendliche haben da einen sehr feinen Sensus für.

domradio.de: Werden Jugendliche in den katholischen Verbänden dann auch politisch aktiv?

Pfarrer Bingener: Das konnte ich in den letzten Monaten nun wirklich erfahren. Ich würde jedem einmal wünschen, die Tour durch die 26 Diözesen zu machen, zu den Mitgliedsverbänden des BDKJ. Dort sehen Sie, wie politisch engagiert, wie gut aufgestellt Jugendverbände eigentlich sind - auch personell. 600.000 Jugendliche in Deutschland engagieren sich politisch.

domradio.de: Nach dem jüngsten Flüchtlingsdrama erklären viele Politiker, dass sie die Rückkehr zum Mare Nostrum Programm fordern. Als Hörer kommt es einem so vor als gebe es die Forderung schon seit Monaten und in Bewegung kommt so recht nichts. Warum haben Sie Hoffnung als BDKJ mit ihrer Stimme Bewegung in die ganze Sache zu bringen?

Pfarrer Bingener: Ich habe deswegen Hoffnung, weil es eine Frage der Menschlichkeit ist. Kardinal Joseph Cardijn, der sehr verbunden ist mit der Christlichen Arbeiter Jugend sagt, jeder Mensch ist mehr wert als alles Gold der Welt. Das ist unser Menschenbild und meine Hoffnung ist zutiefst als Mensch, dass sich kein Politiker dieser Forderung und dieses Menschenbildes verschließen kann. Das ist so eine absehbare Katastrophe gewesen. Ich hoffe, dass jeder Politiker jetzt verstanden hat, dass er nicht noch mehr Schuld auf sich lädt. Das ist meine Hoffnung.

domradio.de: Das heißt der Empfänger ihrer BDKJ-Botschaften sind Politiker oder sind es auch die Würdenträger, die in der Kirche auf Sie hören sollen?

Pfarrer Bingener: Ich habe den Eindruck, dass zum Beispiel der Kölner Erzbischof, Kardinal Woelki, sich sehr für Flüchtlinge einsetzt, auch Papst Franziskus. Da sehe ich keinen Nachholbedarf bei der Kirche.

Wir müssen jetzt natürlich überlegen, wenn Flüchtlinge hierher kommen, dass wir für sie bereit stehen. Ich bin Pfarrvikar in Höhenberg/Vingst. Natürlich haben wir dort im Pfarrhaus eine Wohnung freigemacht und dort eine zehnköpfige Familie aufgenommen. Also natürlich kann man nicht nur auf der einen Seite fordern, die Menschen aufzunehmen und dann nicht selber etwas zu tun. Das ist ja überhaupt keine Frage, das ist eine Selbstverständlichkeit.

domradio.de: Der Einsatz für Flüchtlinge ist ein Thema, dem Sie sich angenommen haben. Was haben Sie sich außerdem vorgenommen für das nächste Jahr?

Pfarrer Bingener: Themen, die mir noch auf dem Herzen liegen, sind Nachwuchs und Vorbild. Ich selber habe den Glauben von Vorbildern gelernt. Es geht darum, die Attraktivität kirchlicher Berufe zu steigern und hier zu schauen, dass mehr Menschen wieder ermutigt werden, ihre Berufung wahrzunehmen - ehrenamtlich und hauptamtlich und natürlich auch in besonderer Weise Frauen. Wir fordern vom BDKJ, dass in den nächsten Jahren in den Ordinariaten 50 Prozent der Leitungsstellen mit Frauen besetzt werden. Das ist mir zum Beispiel ein wichtiges Anliegen.

Und wir haben die Theologie der Verbände jetzt verabschiedet. Das heißt, wir definieren noch einmal, dass Jugendliche und Jugendverbände Kirche sind und dass sie so Kirche sind, wie sie Kirche leben: Nämlich demokratisch, partizipativ, ehrenamtlich. Diese Rahmenbedingungen hier zu stärken, ist auch ein wichtiges Thema.

Das Interview führte Daniel Hauser.

(dr)

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