Papst Franziskus
Papst Franziskus

19.04.2015

Erneut Flüchtlingsboot im Mittelmeer gekentert Papst ruft zum Gebet auf

Nach dem Kentern eines Bootes mit 700 Flüchtlingen im Mittelmeer befürchtet das UN-Flüchtlingshilfswerk die schlimmste Flüchtlingskatastrophe der jüngeren Vergangenheit. Papst Franziskus forderte die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

Vor der libyschen Küste sind in der Nacht zum Sonntag offenbar erneut rund 700 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Wie der italienische Rundfunk berichtete, kenterte das 30 Meter lange Schiff, als sich ein portugiesischer Frachter zur Rettung der in Seenot geratenen Flüchtlinge näherte. 28 Menschen konnten gerettet werden. Bislang seien 23 Leichen geborgen worden. Überlebende berichteten, insgesamt hätten sich rund 700 Menschen an Bord des Schiffs befunden. Mit einem Hubschrauber, Booten der italienischen Küstenwache und mit Hilfe von Frachtern wurde südlich der Insel Lampedusa weiter nach Überlebenden gesucht. 

Angesichts des Flüchtlingsdramas hat Papst Franziskus eine "schnelle und entschiedene" Reaktion der internationalen Gemeinschaft verlangt, damit sich solche Tragödien nicht wiederholten. Die Opfer seien "Männer und Frauen wie wir, unsere Brüder", sagte Franziskus am Sonntag beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Sie seien Hungrige, Verfolgte, Verletzte, Ausgebeutete und Kriegsopfer, die ein besseres Leben und Glück suchten. Der Papst rief die mehreren Zehntausend Menschen auf dem Petersplatz zum stillen Gebet auf. 

UNHCR befürchtet Schlimmstes

Das Unglück ereignete sich den Angaben zufolge rund 70 Seemeilen von der libyschen Küste entfernt. Möglicherweise brachten die Flüchtlinge den überfüllten Kutter zum Kentern, indem sie sich auf die Seite begaben, aus der sich der Frachter näherte. Sollte sich die Bilanz bestätigen, würde sie das Ausmaß der Katastrophe von Lampedusa 2013 noch übertreffen, sagte die Sprecherin der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen, Carlotta Sami. Im Oktober 2013 waren vor der italienischen Mittelmeerinsel mindestens 366 vor allem aus Somalia und Eritrea stammende Flüchtlinge ertrunken, als ihr Boot Feuer fing und kenterte. 

Sami verlangte eine Wiederauflage des Seenotrettungsprogramms "Mare Nostrum" in gesamteuropäischer Verantwortung. Die von Italien getragene Operation war im Oktober ausgelaufen und wurde durch das EU-Grenzschutzprogramm "Triton" ersetzt. Der Menschenrechtskommissar des Europarates, Nils Muiznieks, forderte am Sonntag per Twitter, Europa müsse "dringend seine Einwanderungs- und Asylpolitik ändern" und "seinen Verpflichtungen zur Rettung von Menschenleben nachkommen".

Papst: "Mehr internationales Engagemenz"

Papst Franziskus hatte schon zuvor mehr Unterstützung für Italien gefordert, um den Ansturm von Bootsflüchtlingen zu bewältigen. "Wir dürfen nicht müde werden, auf ein umfassenderes Engagement auf europäischer und internationaler Ebene zu dringen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Samstag nach einer Audienz für den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella. "Es ist offensichtlich, dass die Ausmaße des Phänomens eine sehr viel weitreichendere Beteiligung erfordern."

Erst vor einer Woche waren bei einem Schiffsunglück im Mittelmeer nach UN-Angaben offenbar mehr als 400 Flüchtlinge aus Afrika ertrunken. Die Zahl der Menschen, die vor dem neuen Unglück seit Jahresbeginn bei der Flucht über das Mittelmeer den Tod fanden, wird auf rund 900 geschätzt. Der Papst dankte "für den Einsatz Italiens, um zahlreiche Flüchtlinge aufzunehmen, die unter Einsatz ihres Lebens um Aufnahme bitten". Italien fordert seit langem mehr Unterstützung der EU bei der Bewältigung des Ansturms. Der neue italienischen Staatspräsidenten Mattarella war zum Antrittsbesuch bei Franziskus zu Gast. Der praktizierende Katholik Matarella ist seit Februar Staatspräsident Italiens. Er trat die Nachfolge von Giorgio Napolitano(89) an.

Bischofskonferenz mahnt zur Besonnenheit

Die Italienische Bischofskonferenz hat angesichts von Augenzeugenberichten über eine angeblich religiös motivierte tödliche Auseinandersetzung zwischen Muslimen und Christen an Bord eines Flüchtlingsboots zur Besonnenheit aufgerufen. Man müsse erst den genauen Tathergang kennen, bevor man diese "schreckliche Tat" mit einem "Religionskrieg" in Zusammenhang bringe, sagte ihr Generalsekretär Bischof Nunzio Galantino in einem Interview der italienischen Tageszeitung "La Stampa".

Der Bischof warnte davor, dem Vorfall "Bedeutungen beizumessen, die er möglicherweise gar nicht hat". Wenn Menschen tagelang unter schwierigsten Bedingungen auf einem solchen Boot zusammengepfercht seien, reichte schon der kleinste Streit oder Groll aus, um unvorhersehbare Reaktionen auszulösen, so Galantino.

Ermittlungen wegen "religiösem Hass"

Die Staatsanwaltschaft in Palermo ermittelt seit Donnerstag gegen 15 muslimische Flüchtlinge aus dem Senegal, der Elfenbeinküste und Guinea Bissau, die 12 christliche Flüchtlinge aus Nigeria und Ghana während der Überfahrt nach Europa aus "religiösem Hass" über Bord geworfen haben sollen. In der italienischen Berichterstattung war eine religiöse Motivation des Gewaltexzesses in den vergangenen Tagen ungeachtet der laufenden Ermittlungen vielfach bereits als Tatsache dargestellt worden und hatte großen Raum eingenommen.

Der Vorfall ereignete sich nach Aussagen von Augenzeugen auf einem überladenen Flüchtlingsboot, das am Dienstag von Libyen aus in Richtung Europa aufgebrochen war. Die rund 100 überlebenden Flüchtlinge waren am Donnerstag von der italienischen Küstenwache in Sicherheit gebracht worden.

(dpa, KNA)

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