Taifun trifft auf die Philippinen
Taifun trifft auf die Philippinen
Taifun trifft auf die Philippinen
Taifun trifft auf die Philippinen

07.12.2014

Philippinen: Taifun glimpflich verlaufen Aufräumen nach "Hagupit"

Die Taifun-Nacht war schrecklich, die Schäden sind groß, aber die Philippiner lassen sich nicht unterkriegen. Am Tag danach wurde schon wieder repariert und aufgeräumt. Ein Neugeborenes soll wie der Taifun heißen.

Die Ortschaft Borongan City sieht nach dem Taifun wie ein Schlachtfeld aus. Fassadenteile, Bretter, Balken, Rohre, Eimer, Äste, Kokosnüsse - alles liegt in den Straßen wild verstreut. Wie ein Strohhalm geknickt hängt ein Strommast mit seinen Drähten gefährlich über einer Straße. Hier hat Taifun "Hagupit" in der Nacht zum Sonntag stundenlang gewütet. 

Anders als vor einem Jahr, als Taifun "Haiyan" diese Region heimsuchte, waren viele Einwohner entweder ins Landesinnere geflohen oder hatten sich in sicheren Räumen verbarrikadiert und ausgeharrt. Kaum bricht aber der Tag an, sind die ersten schon beim Aufräumen und Reparieren. Ein Mann zersägt den Baum, der auf sein Dach gestürzt ist. Ein junger Mann balanciert auf der Seitenwand seiner fast flach gedrückten Hütte und schaut, ob etwas Verwertbares zurückgeblieben ist. "Wir lassen uns nicht unterkriegen", ist ihre Botschaft.

Erneut obdachlos

100 Kilometer weiter in Lawaan kam ein Baby in der Chaos-Nacht auf die Welt. In einem überfüllten Notlager ohne Strom besorgte sich eine Hebamme Nylonfaden und Schere und half dem Baby zusammen mit Bürgermeisterin Candida Gabornes ins Leben, wie der Sender ABC-CBN berichtete. Das kleine Mädchen sei wohlauf und sollte Ruby heißen - das ist der lokale Name des Taifuns.

Schlafen, daran war in der Nacht nicht zu denken, erzählt Shirly Abud (18), in einem Notlager in der damals durch "Haiyan" schwer verwüsteten Stadt Tacloban. "Der schreckliche Wind, und wir haben immer wieder scheppernde Geräusche von draußen gehört", sagt die junge Mutter. Stundenlang habe es geschüttet. "Man konnte praktisch nichts sehen", sagt sie. Abud ist zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres obdachlos. "Mein Vater hat nach unserer Hütte geschaut - alles kaputt", sagt sie. "Wir waren gerade dabei, uns zu berappeln. Jetzt fangen wir wieder von vorne an."

Frühe Evakuierung rettete Menschenleben

Ein anderer Bewohner, Bennie, ist durch knietiefes Wasser gewatet, um sein Haus zu inspizieren. "Das Dach und die Wände sind fort", sagt er im Rundfunk. "Wir müssen wohl in Zelte ziehen." Er hatte seine Familie vor zwei Tagen in einer Schule in Sicherheit gebracht.

Bevölkerung und Behörden haben Lehren aus dem verheerenden Taifun "Haiyan" gezogen: Die frühe Evakuierung dürfte Tausenden Menschen das Leben gerettet haben. Denn in Küstennähe ist zu sehen: Auch "Hagupit" peitsche das Meer gefährlich auf, Hütten am Strand sind platt. Anders als im letzten Jahr waren die Menschen aber geflohen.

"Das wichtigste ist: Wir leben noch."

"Wir waren deutlich besser vorbereitet", sagt Bürgermeister Alfred Romualdez. Mehr als 40 000 Menschen wurden schon Tage vor Ankunft von "Hagupit" umgesiedelt. "Wir haben gar nicht auf die Sturmwarnung gewartet." Vor einem Jahr warteten Einwohner hier tagelang vergeblich auf Hilfe. Es fehlten Rettungskräfte, Leichen verwesten in den Straßen, und Menschen plünderten vor Hunger verzweifelt die Geschäfte. Am Sonntag rollte dagegen in der Stadt wenige Stunden nach dem Durchzug des Taifuns der öffentliche Nahverkehr schon wieder.

Sharee Ann Tan, die Gouverneurin der Provinz Samar, zeigt sich erleichtert. Sie erhielt am Sonntag vor allem Schadensberichte, keine alarmierenden Opfermeldungen. "Einige Ortschaften haben um Hilfsgüter gebeten, aber das ist kein Problem, das können wir schnell ausliefern", sagt sie im Fernsehen. "Die Schäden, das Materielle, das verloren ging, das können wir ersetzen. Wir haben zwar kaputte Häuser, aber das wichtigste ist: Wir leben noch."

 

(dpa)

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