Flüchtlingsunterkunft in Köln
Flüchtlingsunterkunft in Köln
Flüchtlinge in Deutschland
Flüchtlinge in Deutschland

25.10.2014

Verschiedene Ethnien im Flüchtlingsheim Wenn Feinde zu Mitbewohnern werden

In ihrer Heimat wurden viele Flüchtlinge aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt. In Wohnheimen in Deutschland treffen verfeindete Volksgruppen dann plötzlich wieder aufeinander. Das kann zu Problemen führen.

Sie fliehen vor Konflikten, Gewalt und Krieg - und stehen in Deutschland plötzlich wieder ihren Feinden aus der Heimat gegenüber: In Flüchtlingsheimen treffen Asylbewerber auch auf Angehörige von Volksgruppen, denen sie in ihrer Heimat nur mit größter Not entkommen sind. Verfeindete Volksgruppen wohnen dann auf engem Raum. In Nordrhein-Westfalen führte das zuletzt mehrmals zu Konflikten - und einfache Lösungen gibt es kaum.

Bischof Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, würde dieser Situation gern ein Ende bereiten. Er spricht sich dafür aus, Wohnheime für Flüchtlinge nach Religionen und Ethnien zu trennen. Viele der Menschen seien extrem sensibilisiert und teilweise traumatisiert. "Im Wohnheim gehören sie teilweise wieder einer Minderheit an. Sie machen die Erfahrungen, die sie schon aus ihrer Heimat kennen, erneut", sagt Damian.

Er berichtet von Kopten im Kreis Höxter. Sie seien verletzt worden und hätten aus dem Wohnheim fliehen müssen. Auch andere Konflikte etwa in Burbach im Siegerland haben sich den Behörden zufolge zwischen Angehörigen verschiedener Ethnien entzündet. Oft sind es Kleinigkeiten wie etwa die Frage, wer zuerst die Waschmaschine benutzen darf. Die Flüchtlingsheime stärker nach Religionen auszurichten, würde Konflikte und Einsätze von Sicherheitskräften und Polizei verringern, findet Damian.

Unterkünfte überfüllt

Doch die Kommunen schaffen es oftmals kaum, überhaupt genügend Wohnplätze zu schaffen. Eine ursprünglich als Notunterkunft für 80 Menschen gedachte Einrichtung in Köln beherbergte zwischenzeitlich rund 700 Flüchtlinge. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

Derartige Massenunterkünfte ohne Privatsphäre kritisieren sowohl katholische und evangelische Kirche als auch der Kölner Flüchtlingsrat. Das Erzbistum Köln will daher eigene Unterkünfte bereitstellen (siehe Infobox). Peter Krücker, Sprecher des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen, berichtet von einer äußerst angespannten Situation mit vielen Polizeieinsätzen in der Massenunterkunft im Stadtteil Ehrenfeld.

Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrates, hat unter anderem Konflikte zwischen jesidischen Gruppen aus dem Irak und irakisch-kurdischen Gruppen erlebt. "Auch dass es Pro- und Kontra-Assad-Anhänger unter den syrischen Flüchtlingen gibt, ist eine Realität", sagt Prölß.

Doch viele Städte legen ihr Hauptaugenmerk im Moment darauf, "überhaupt alle Flüchtlinge unterzubringen", wie eine Sprecherin der Stadt Duisburg sagte. Nach Möglichkeit achteten Sozialarbeiter aber darauf, verfeindete Ethnien auseinanderzuhalten, um das Konfliktpotenzial zu verringern.

Kultursensible Unterbringung

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das in NRW Wohnheime mit rund 2500 Plätzen betreibt, versucht die Belegung "so kultursensibel wie möglich zu gestalten", wie Hans-Jürgen Hecker vom DRK Landesverband Westfalen-Lippe sagt. Es würden Wohngruppen nach Herkunftsregionen gebildet. Sozialarbeiter vor Ort achteten darauf, dass keine verfeindeten Kulturkreise aufeinanderprallen. "Diese Mitarbeiter haben häufig selbst eine Zuwanderergeschichte und decken rund 20 verschiedene Sprachen ab", sagt Hecker. Der sprachliche Zugang sei wichtig für eine gute Zusammenstellung der Wohngruppen.

Dem Flüchtlingsrat geht das nicht weit genug. Er fordert, Wohnhäuser mit maximal 80 Menschen dezentral im Stadtgebiet zu verteilen. Diese Wohnhäuser sollten zwar international sein, doch sollte die Belegung auch Kriterien wie Nationalität oder Religion berücksichtigen.

In Aachen wird genau das bereits praktiziert. Bei der Zusammenstellung der Wohnhäuser werde darauf geachtet, welche Nationalitäten zusammenpassen, auch damit die Bewohner sich untereinander verständigen können, sagte eine Sprecherin. Auch Probleme durch verfeindete Ethnien werden so vermieden.
 

Kathy Stolzenbach
(dpa)

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