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Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe
Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe

13.10.2014

Bärbel Dieckmann zum Welthungerindex 2014 "Wir müssen bereit sein, Reichtum zu verteilen"

Bundespräsident Gauck hat die Woche der Welthungerhilfe eröffnet. Dazu ist der Welthungerindex 2014 vorgestellt worden. Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, im domradio.de-Interview.

domradio.de: Der Welthungerindex gilt als wichtige Messgröße, um die aktuelle Hungersituation auf der Welt zu erfassen. Was sagen die Ergebnisse in diesem Jahr?

Dieckmann: Ich beginne mit der positiven Nachricht: Die Zahl der Menschen, die hungern, ist in vielen Entwicklungsländern zurückgegangen. Es sind 805 Millionen. Das ist immer noch eine hohe Zahl, aber es ist trotzdem auch ein Stück Erfolg, dass die absoluten Zahlen gesunken sind. Es gibt viele Länder, die riesige Fortschritte gemacht haben - ob es Thailand, Kambodscha, Bangladesch, Angola, Ghana, Ruanda sind. Gleichzeitig haben wir durch neue, komplexe Krisen unmittelbare Auswirkungen auch auf die Ernährungssituation. Beispiele dafür sind der Südsudan, Irak, Syrien, aber jetzt auch Liberia und Sierra Leone durch Ebola.

domradio.de: Verantwortlich für Hunger sind auch Klimakatastrophen. Wo war da im vergangenen Jahr der Schwerpunkt der Arbeit der Welthungerhilfe?

Dieckmann: Wir engagieren uns ja schon lange auch im Klimaschutz. Das ist eine Katastrophe, die durch uns verursacht worden ist, durch die Industrieländer. Es gibt die Dürregebiete in Afrika, wo stärkere Dürren sind, aber es gibt eben gerade in Asien auch immer wieder Länder, die an Überflutungen leiden. In der Regel ist es eine Infrastruktur, die da die nicht ausreicht, um damit fertig zu werden. Insofern ist Klimawandel auch eine der Ursachen für Katastrophen und damit auch Hunger.

domradio.de: Schwerpunkt beim Kampf gegen den Hunger ist ja auch der afrikanische Kontinent. Vor allem in Ländern, die unter einer hohen Zahl von HIV-Infektionen leiden, und jetzt eben akut in den Ländern, die am schwersten an Ebola leiden. Wie sieht dort die Hilfe aus?

Dieckmann: In Sierra Leone und Liberia leisten wir im Moment Nothilfe. Das heißt, es ist eine humanitäre Unterstützung durch Einrichtungen wie Ärzte ohne Grenzen, die medizinische Versorgung gewährleisten. Wir versuchen zu unterstützen, dass die Menschen Lebensmittel bekommen, aber auch Kommunen zu beraten, welche Vorsichtsmaßnahmen man ergreifen muss, damit sich die Krankheit nicht ausbreitet. Das große Problem in Liberia und Sierra Leone ist, dass praktisch die Märkte zusammengebrochen sind. Das heißt, es gibt keine Ware mehr auf den Märkten, aber die Menschen gehen auch nicht hin, um was zu kaufen, weil sie ihre Häuser nicht verlassen. Sie gehen nicht auf ihre Felder, weil sie Angst vor Ansteckung haben. Insofern wird sich die humanitäre Situation, auch wenn die Krankheit besiegt ist, noch sehr verschärfen.

domradio.de: Diese Woche ist die Woche der Welthungerhilfe. Bundespräsident Gauck hat sie eröffnet und gesagt, jeder Einzelne kann etwas gegen den Welthunger tun. Was kann denn jeder Einzelne tun?

Dieckmann: Wir haben eben schon über Klimawandel gesprochen. Aber es ist auch die Frage, ob wir Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen und sie vielleicht auch unterstützen in unseren Gemeinden, in unseren Stadtteilen. Wir haben Einfluss durch unser Essensverhalten, wir können den Fleischkonsum reduzieren, stärker regional kaufen. Aber es geht auch um eine Grundeinstellung, dass man bereit ist, Reichtum zu verteilen. Das geht über Steuern zum Beispiel. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit oder das Auswärtige Amt kann etwas tun. Aber natürlich auch durch Spenden Einzelner ist Veränderung möglich. Wir haben Stiftungen in Deutschland, die Entwicklungszusammenarbeit unterstützen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten.

Das Gespräch führte Christian Schlegel.

(dr)

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