Pressefreiheit
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08.09.2014

Reporter ohne Grenzen zu Pressefreiheit in IS-Zeiten "Da fällt es schwer Appelle zu äußern"

Der Kampf für die Pressefreiheit ist in Zeiten von Terrororganisationen wie Islamischer Staat besonders schwer. Die Gruppe verhalte sich bewusst barbarisch, sagt Silke Ballweg von Reporter ohne Grenzen im domradio.de-Interview.

domradio.de: Wie hat sich die Lage der Pressefreiheit seit der Gründung der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen verändert?

Silke Ballweg (Reporter ohne Grenzen): Ein Konflikt, den wir aktuell wahrnehmen ist, dass Reporter zunehmend in Gefahr kommen auf Grund sogenannter asymmetrischer Kriege und dass sie in Gefahr kommen durch nicht-staatliche Akteure. Wenn man sich im Moment die Lage in Syrien ansieht oder auch im Irak, dann werden Journalisten in diese kriegerischen Konflikte hineingezogen und sie werden nicht nur von den Kriegsparteien direkt bedroht und beschossen, sondern sie geraten auch in Konflikte mit Terrorgruppen, mit nichtstaatlichen Gruppen. Es ist für Journalisten in so einem Gebiet ganz schwer zu erkennen, wo verlaufen eigentlich die Frontverläufe. Das ist im Vergleich zu früheren Kriegen mittlerweile völlig anders. Es ist auch unklar, wer ist Freund, wer ist Feind. Trennlinien verwischen immer mehr. Das macht es für Journalisten sehr schwierig, sich da einigermaßen sicher zu bewegen, weswegen wir sehr hohe Zahlen an getöteten Journalisten in diesen Konflikten sehen.

domradio.de: Für das laufende Jahr zählt ihre Organisation bereits 44 getötete Journalisten, 176 sind gerade wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. Sie machen auf diese Schicksale aufmerksam, hilft da tatsächlich der öffentliche Pranger?

Ballweg: In Einzelfällen in bestimmten Ländern, wo keine Kriege stattfinden, können wir wahrnehmen, dass es Journalisten geholfen hat, dass internationale Aufmerksamkeit da wahr und dass die Weltöffentlichkeit zumindest punktuell immer mal wieder auf jemanden geschaut hat. Von daher ist es schon so, dass es Journalisten schützt, wenn Organisationen wie unsere auf die Bedrohungen von Journalisten hinweisen. Es ist natürlich auch ein Druck auf Regierungen vorhanden, wenn wir repressive Pressegesetze kritisieren, wenn wir kritisieren, wenn Journalisten in Haft sind. Im Falle von Ägypten ist es beispielsweise ganz häufig so, wenn wir eine Pressemitteilung von Reporter ohne Grenzen verschickt haben, die die Lage der Medien kritisiert, dass die ägyptische Regierung wiederrum direkt eine Pressekonferenz einberuft, um diese "Behauptungen" aus der Welt zu schaffen. Wir merken schon, dass unsere Mitteilungen wahrgenommen werden, auch von internationalen Regierungen. Insgesamt führt es natürlich zu einer Sensibilisierung, dass Journalisten das Recht haben müssen, frei zu berichten. Schwierig ist es zurzeit in solchen Fällen wie mit dem Islamischen Staat, weil wir es da offenbar mit einer Terrororganisation zu tun haben, die sich ja ganz bewusst möglichst barbarisch verhält, also da fällt es eigentlich schwer Appelle zu äußern an so eine Stelle.

domradio.de: Gibt es denn ein Beispiel, wo sich die Lage der Pressefreiheit in einem Staat ganz besonders verbessert hat?

Ballweg: Ganz aktuell könnte man Birma nennen, das war ja ganz lange eine Militärdiktatur mit sehr strikter Zensur, wo auch viele kritische Journalisten inhaftiert waren, wo der Staat ganz streng im Prinzip kontrolliert hat, was geäußert werden durfte und was nicht. Im Zuge des politischen Reformprozesses in Birma hat sich auch die Lage der Medien dort stark verbessert. Allerdings in diesem Jahr gab es erste Rückschritte beziehungsweise man hat das Gefühl, dass die Regierung jetzt doch wieder etwas die Zügel anlegt und Journalisten wieder stärker an die Kandare nimmt. Da muss man gucken, wie sich das weiter entwickelt, aber grundsätzlich ist das ein Land, in dem es schon eine massive Verbesserung gab.

Das Interview führte Stephanie Gebert

(DR)

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