Lisi Maier, Bundesvorsitzende des BDKJ
Lisi Maier, Bundesvorsitzende des BDKJ

09.12.2013

Die BDKJ-Vorsitzende über Generationengerechtigkeit im Koalitionsvertrag "Politik darf nicht zu Lasten der Jungen gehen"

Junge Union und Jusos kritisieren, dass die junge Generation im Koalitionsvertrag nicht genug berücksichtigt wird. Lisi Maier, BDKJ-Bundesvorsitzende, bemängelt ähnliche Punkte. Ein domradio.de-Interview.

domradio.de: Fühlen Sie sich auch einseitig belastet durch den neuen Koalitionsvertrag?

Maier: Es ist auf alle Fälle so, dass wir sehen, dass in einigen Feldern man vielleicht zu Lasten der jüngeren Generation sich zu wenig Gedanken gemacht hat, wie man Geschenke an die ältere Generation verteilt - das war das, was wir auch im Wahlkampf schon kritisiert haben. Wir haben gesehen, dass im Nachgang die Arbeitsgruppen organisiert worden sind und der Bereich Jugend erstmal völlig unten runtergefallen ist bei der Benennung der Arbeitsgruppen. Dann haben wir uns da nochmal stark gemacht, dass Jugendpolitik und die Perspektive von jungen Menschen auch eine starke Rolle spielen muss. Wir konnten zumindest erreichen, dass man sich auch nochmal intensiv mit dem Bereich Jugendpolitik und Jugendorganisationen auseinandergesetzt hat. Deshalb sehen wir das etwas differenziert. Aber in einigen Bereichen ist es auf alle Fälle so, dass die junge Generation stärker belastet werden wird in den kommenden Jahren.

domradio.de: Es gibt ja auch den Protest der Jungen Union und auch die Ablehnung bei den Jusos. Kann man also sagen, die junge Generation hat ein Problem mit vielleicht zu alter Politik, die da gemacht wird?

Maier: Ja, wir glauben, dass die Perspektive von jungen Menschen sich ja eben nicht nur in Bereichen widerspiegeln darf wie Jugendpolitik oder Jugendorganisationen und Jugendverbänden, wo ein sehr guter Passus im Koalitionsvertrag vorhanden ist, sondern dass es Querschnittspolitik sein muss in allen Themenbereichen. Dass die Perspektive von jungen Menschen, von Kindern und Jugendlichen eben auch auf Finanzpolitik, Sozialpolitik, Bildungspolitik geworfen werden muss, auf die Arbeitsmarktpolitik. Und in diesen Feldern sehen wir das nicht durchgehend, dass das der Fall ist.

domradio.de: Dann schauen wir vielleicht nochmal in die Inhalte des Vertrags. Viel wird jetzt kritisiert, vor allem bei der Jungen Union, an der Rentenpolitik. Wörtlich heißt es in diesem Manifest, was da am Wochenende veröffentlicht wurde: "Unsere Sorge, dass die Erfolge der letzten 15 Jahre in der Rentenpolitik gefährdet werden, bleibt." Ist es also die Sorge bei der jungen Generation um die finanzielle Absicherung der Zukunft

Maier: Wir glauben schon, dass die jungen Menschen genau diese Zukunftsängste auch haben. Und wir haben im Mai letzten Jahres ein Papier entwickelt, gemeinsam mit unseren jungen Delegierten, auf der BDKJ-Hauptversammlung, wo es nochmal darum geht: Wie kann eine sichere Rente in Zukunft gestaltet werden? Und aus der Perspektive von jungen Menschen auch ein neues Rentenmodell, eine Grundrente, ins Spiel gebracht, damit nicht zu Lasten der Jungen Rentenpolitik gemacht wird, aber auch nicht zu Lasten der Alten, sondern dass man auch nochmal stärker schaut, wie kann eine Verteilung vor allem zwischen Arm und Reich gelingen in unserer Gesellschaft?

domradio.de: Heißt das, Sie wollen als BDKJ auch nochmal Ihre Stimme erheben gegen diesen Koalitionsvertrag? Vielleicht gemeinsam dann mit Jusos oder Junger Union?

Maier: Wir haben diesen Koalitionsvertrag gescannt in der letzten Woche. Aus unserer Perspektive,  der Perspektive der BDKJ-Beschlusslagen, werden wir auch nochmal einen Überblick leisten.  Wir als BDKJ möchten auch überparteilich da nochmal die Chance ergreifen. Aufgrund der Beschlüsse unserer Mitglieder sehen wir, dass der Koalitionsvertrag an der einen oder anderen Stelle eben Jugend nicht im Blick hat und vielleicht auch, wo die Lichtblicke sind und eher Jugend im Blick hat.

domradio.de: Jetzt wurden von Junger Union und Jusos immer das Wort "Generationengerechtigkeit" in den Mund genommen. Es geht darum, es wird gefordert, dass mehr in Bildung und Forschung und Infrastruktur investiert wird und gleichzeitig das Augenmerk viel zu sehr auf Sozialleistungen gelegt wurde. Aber ist das dann trotzdem im Endeffekt gerecht, wenn man vielleicht nochmal an die Sozialleistungen drangeht?

Maier: Also, wir sehen auf der einen Seite, gerade im Bildungsbereich sind wir schon ein Stück weit tiefer reingegangen und sehen da natürlich, dass man bestimmte Bildungsbereiche bevorzugt behandelt hat. Zum Beispiel die außerschulische Bildungsarbeit wird hier nicht nochmal explizit erwähnt, obwohl sie für die Persönlichkeitsbildung von Menschen, jungen und alten, bestimmt genauso relevant und wichtig erscheint. Auf der anderen Seite, gerade im sozialpolitischen Bereich, sehen wir, dass hier auf die Belange von jungen Menschen nicht so intensiv eingegangen wurde wie wir uns das erhofft hätten, insbesondere wenn es darum geht, prekäre Beschäftigung von jungen Menschen, auch nochmal von Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern abzubauen. In dem Zusammenhang hätten wir uns gewünscht, gerade wenn es darum geht, man bleibt bei dem bestehenden Rentenmodell, dann muss man sehen, dass die junge Generation es mittlerweile viel schwerer hat, bestimmte Rentenpunkte zu erreichen, wenn sie gezwungen wird, in den Anfangsjahren ihrer Berufslaufbahn Beschäftigungen zu haben, die befristet und schlecht bezahlt sind - die "Generation Praktikum", von der man spricht. Und insofern sind diese Probleme bislang unangetastet.

Das Gespräch führte Matthias Friebe.

(DR)

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