19.11.2013

Eine Kampagne wirbt für die Auseinandersetzung mit Organspende "Habt Ihr Euch eigentlich schon entschieden?"

Die Zahl der Organspender geht weiter zurück. Ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) möchte Jugendliche ermutigen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Daniela Watzke von der BzgA im domradio.de-Interview.

domradio.de: Wie bringen Sie das Thema Organspende den Schülern näher?

Watzke: Wir versuchen es mit einem Filmprojekt. Das ist ein Medium, das gerne von Schülern angenommen wird und wir wissen auch aus unseren Befragungen, dass sich junge Menschen ausgesprochen gerne mit diesem Thema auseinandersetzen. Natürlich befassen sich junge Menschen nicht gerne mit dem Thema Tod, aber sie haben im Bereich der Organspende andere Fragen, Fragen, die Erwachsene gar nicht stellen. Sie denken darüber nach, ist die Organvergabe gerecht? Wie sieht das eigentlich aus? Wie fühlt ein herztransplantierter Mensch, geht er jetzt anders mit seinem Leben um? Ist das jetzt sein Herz oder hat er vielleicht Eigenschaften des Organspenders angenommen? Das sind Fragen, die wir vor allen Dingen bei Jugendlichen finden. Und die Jugendlichen sagen, ja, wir möchten diese Informationen haben und deswegen bieten wir sie ihnen im Film und auch in einem Begleitmaterial an.

domradio.de: Das heißt, positive Reaktionen bekommen Sie. Gibt es denn auch Jugendliche, die ein bisschen verschreckt reagieren, die sagen, das macht mir Angst, mir darüber Gedanken zu machen?

Watzke: Darüber haben wir bisher aus unseren Befragungen keine Erkenntnisse. Wir wissen aber allgemein, dass Menschen, die sich mit dem Prozess auseinandersetzen, durchaus in der Lage sind, diese Ängste abzubauen. Wir wissen, dass diejenigen Menschen, die gut über das Thema informiert sind, die also wissen: wie läuft eigentlich so ein Prozess ab, wann komm ich überhaupt als Organspender in Frage, was bedeutet eigentlich der Hirntod und wie laufen die Prozesse ab - wenn die Menschen darüber gut informiert sind, haben sie auch weniger Ängste. Das heißt, die Bereitstellung von Informationen ist ein ganz wichtiger Schritt, um die Menschen überhaupt dahin zu bringen, eine Entscheidung treffen zu können, egal welche.

domradio.de: Immer wieder gibt es ja auch Skandale. Nach dem Organspende-Skandal im vergangenen Jahr ist die Spendenbereitschaft gesunken. Hat sich das inzwischen wieder reguliert?

Watzke: Nein, es hat sich leider nicht reguliert. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation hat gerade die neuesten Zahlen veröffentlicht und wir haben leider für den Zeitraum Januar bis Oktober dieses Jahres einen erneuten Rückgang, der postmortal gespendeten Organe um 11,8 Prozent. Das bedeutet, dass diejenigen Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen, jetzt noch länger warten müssen, Manche von ihnen vielleicht sogar vergeblich.

domradio.de: Die Leute haben das also mittlerweile gar nicht vergessen, Aufklärung tut Not. Was würden Sie sich wünschen, was das Filmprojekt mit den Jugendlichen macht?

Watzke: Ich würde mir wünschen, dass es die Jugendlichen auf den Weg bringt, über das Thema nachzudenken, dass sie eine eigene Entscheidung treffen und was wir ganz wichtig finden, ist, dass Jugendliche auch dieses Thema in die Familien bringen. Das sind ganz wichtige Multiplikatoren für uns, die können ihre Eltern fragen, Mensch, habt ihr eigentlich schon eine Entscheidung zur Organspende getroffen? Und damit das Thema Organspende nahezu zu einem Thema des täglichen Lebens zu machen. Wir wollen erreichen, dass sich wirklich jeder Mensch einmal im Leben mit dem Thema auseinandersetzt und dann seine Entscheidung treffen kann. Und das wäre toll, wenn Jugendliche uns eben dabei unterstützen.

(dr)

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