Flüchtlinge auf Lampedusa
Flüchtlinge auf Lampedusa
Franziskus auf Lampedusa
Franziskus auf Lampedusa

09.07.2013

CDU-Politikerin Ute Granold über die Situation auf Lampedusa Hilfe - egal, wo sie herkommen

"Ich bin stolz auf diesen Papst" - sagt CDU-Politikerin Ute Granold im domradio.de-Interview. Sie sieht die Lampedusa-Reise des Pontifex als "starkes Zeichen" und meint: "In Deutschland jammern wir auf hohem Niveau."

Ute Granold von der CDU ist Bundestagsabgeordnete und arbeitet mit im Menschenrechtsausschuss.

domradio.de: Haben Sie den Besuch des Papstes gestern verfolgt?

Granold: Ich habe den Besuch verfolgt und ich werte es auch als ein sehr starkes Zeichen. Es ist wirklich wohltuend gewesen, dass der Papst seine erste Auslandsreise seine erste Reise außerhalb des Vatikans nach Lampedusa macht - ein sehr starkes Zeichen. Ich bin stolz auf diesen Papst und sehr glücklich darüber.

domradio.de: Franziskus appellierte an die Politik am Leid der Menschen etwas zu ändern. Wie dringend muss die Flüchtlingssituation im Süden Europas angegangen werden?

Granold: Die Flüchtlingssituation ist nicht nur im Süden Europas ein Problem, sondern wir haben weltweit ein großes Problem, was Flüchtlinge angeht. Über 65 Millionen Menschen sind auf der Flucht, dazu gehören auch viele Menschen, die aus dem Raum Syrien, Irak, Libanon, Jordanien unterwegs sind. Wir haben eine Pflicht als Christen, uns um unsere Nächsten zu kümmern, aber  auch als Politiker - zu schauen, wie wir mit den Menschen umgehen. Die Menschen, die flüchten, und nach Europa kommen, an die Außengrenzen von Europa - ob das Italien ist oder Griechenland - müssen wir die Menschen menschenwürdig behandeln, in ein geordnetes Verfahren gehen und schauen, wie wir die Menschen, wenn sie hier in Deutschland bleiben, dann auch versorgen. Wir haben eine Grenzsicherung - Frontex - und wenn wir Menschen unterwegs auf der Flucht sehen, finden - es sind ja auch viele Menschenhändler unterwegs - auf den Schiffen im Mittelmeer, dann besteht eine Verpflichtung, diesen Menschen zu helfen, diese Menschen zu retten.

Es sind ja viele Tausende in den letzten Jahrzehnten im Mittelmeer ertrunken, und das ist ein unerträglicher Zustand. Die Menschen, die mit ihren Booten ankommen, die überhaupt nicht seetüchtig sind, halb verdurstet, halb verhungert, und krank - denen muss sofort geholfen werden. Dann ist es egal, wo sie herkommen. Das sind Menschen, um die wir uns kümmern müssen, und dann, wenn sie da sind - ob das Lampedusa ist, ob das Griechenland ist - dafür sorgen, dass die Menschen sozusagen erst mal "aufgepäppelt" werden, und dass sie dann in einem geordneten Verfahren eine Regelung finden, wie es mit ihnen weitergeht. Das sind Wirtschaftsflüchtlinge, sind aber auch Flüchtlinge, die verfolgt wurden oder werden, die einfach weg wollen. Ich denke jetzt an die vielen Flüchtlinge, die aus Syrien kommen. 

domradio.de: Einen Kranz hat der Papst ins Meer geworfen für die ungezählten Opfer, die auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer den Tod fanden. Wie kann auch die EU an ihren Außengrenzen dafür sorgen, dass es nicht immer wieder zu so vielen Toten kommt?

Granold: Es geht darum, dass man vielleicht mal drüber nachdenkt, dass man das System von Frontex überarbeitet. Da sind ja verschiedene europäische Staaten drin umfasst, und da sind natürlich auch die humanitären Grundsätze zu wahren. Ich denke, Frontex macht auch eine gute Arbeit, da gibt es eigentlich nichts zu kritisieren. Wir haben aber immer wieder im Ausschuss die Arbeit von Frontex hinterfragt, auch uns unterrichten lassen über die Situation der Flüchtlinge, die an den EU-Außengrenzen ankommen. Da müssen wir ständig nachjustieren, das ist überhaupt kein Thema. Aber grundsätzlich funktioniert das System von Frontex. Und es ist auch die Frage: Warum flüchten die Menschen? Weil sie Not haben in ihrer Heimat, weil sie verfolgt werden. Wir müssen auch als Europäer, auch als Deutsche - uns geht es gut - schauen, dass in den Heimatländern der Menschen eine Option besteht, dort zu leben.

Und da ist noch einiges im Argen, und uns, auf der Nordhalbkugel, sagen wir mal, uns geht es gut. Das ist auch das, was der Papst angesprochen hat: Dass wir eben im Wohlstand leben, und eigentlich abgestumpft sind zu einem großen Teil, was die Situation von Menschen angeht, die in größter Not sind. Dass wir da unseren Blick etwas schärfen und mehr schauen auf die Menschen, denen es schlechter geht und dort Hilfe leisten. Große Hilfe wird geleistet, auch von Deutschland, ob das Afrika ist, ob das im Nahen Osten, Mittleren Osten ist. Da müssen alle verstärkt was tun, weil: Bei meinen vielen Reisen ins Ausland hab ich festgestellt, die Menschen wollen zunächst einmal zuhause bleiben, in ihrer Heimat, und dort in Frieden leben, und ihr Essen und Trinken haben. Und nur, wenn das keine Option ist, dann kommen sie in andere Länder, weil jeder Mensch möchte zunächst einmal in der Heimat bleiben und da müssen wir ein Stückweit erst einmal unser Augenmerk drauf richten.

domradio.de: Aber kann man denn effektiv helfen, wenn man nicht auch hier in Europa seinen Lebensstil überprüft und möglicherweise auch anpasst?

Granold: Ja. Ich mache das, wenn ich aus dem Ausland komme. Ich war gerade in einem Flüchtlingslager in Jordanien gewesen und in der Türkei, wo die syrischen Flüchtlinge sind. Und wenn ich das Leid sehe, und komme dann nach Deutschland zurück, zum Beispiel, und höre dann eine Beschwerde über das Ein oder das Andere, oder es müsste das noch verbessert werden, dann sage ich sehr oft "Ich schildere mal das Leben von Menschen woanders" und wir sollen so was von zufrieden sein, wie gut es uns geht. Und ich appelliere immer wieder daran, dass man mit dem zufrieden ist, was wir hier haben. Auf einem hohen Niveau wird bei uns gejammert - dass wir wirklich mal dafür sorgen, dass wir uns rückbesinnen.

Ich hoffe sehr, dass diese Reise des Papstes, die Worte, die er gesprochen hat., und der Gottesdienst, den er gehalten hat - der wurde ja weltweit übertragen - und sein Appell an die Mitmenschlichkeit, gerade an Christen. aber es betrifft jeden Menschen, dass er sich um den anderen kümmert, dass das ein Aufrütteln derer war, die sich vielleicht gar nicht mehr so groß gekümmert haben und denken, ja, man müsste was tun.

Ich erfahre das, wenn ich mit Schulklassen unterwegs bin; die sind sehr interessiert an den Menschen, denen es schlecht geht, an der Flüchtlingsarbeit, an der Situation in anderen Staaten. Die jungen Leute sind offen, und diskutieren gerne und möchten helfen, und das ist für mich ein Stück beruhigend. Unsere nachwachsende Generation hat ein großes Herz und wenn die Papstreise gestern ein Stück dazu beigetragen hat, dann war das ein guter Tag, eine gute Entscheidung. Ein ganz, ganz starkes Signal aus dem Vatikan und als Katholikin muss ich sagen, ich bin sehr, sehr froh darüber.

 

(Das Interview führte Matthias Friebe)

(dr)

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