13.06.2013

Sr. Ackermann kritisiert ARD-Doku über Prostituierte "Werbesendung für Bordelle"

Heftige Kritik an einer ARD-Dokumentation über Prostitution in Deutschland übt die Frauenschutzorganisation Solwodi. Die Sendung sei eine "Dauerwerbesendung" für einzelne Bordelle gewesen, erklärt Schwester Lea Ackermann.

Die Reportage mit dem Titel "Sex - Made in Germany" habe den Eindruck vermittelt, Prostitution sei in Deutschland mittlerweile ein sauberes Geschäft geworden. "Eine Dokumentation zu einem so heiklen Thema kann sich nicht darauf zurückziehen, journalistisch neutral schildern zu wollen, nicht anzuklagen, nicht zu verurteilen", sagte Ackermann. Die Ordensschwester ist die Vereinsvorsitzende von "Solidarität mit Frauen in Not" (Solwodi). Der Verein setzt sich gegen Menschenhandel ein und bietet Frauen, die Opfer von Zwangsprostitution geworden sind, Schutz und Hilfe im Umgang mit den Behörden.

"Ausmaß an Menschenrechtsverletzungen verharmlost"

Zwar hätten die beiden Journalistinnen in ihrer Reportage durchaus kritische Töne angeschlagen und auf die Zwangsprostitution ausländischer Frauen in Deutschland hingewiesen. Dennoch hätten sie das Ausmaß von Menschenrechtsverletzungen an den Frauen verharmlost. Schließlich machten Zwangsprostituierte zwei Drittel der Gesamtzahl Prostituierter in Deutschland aus.

Die Reportage mit dem Titel "Sex - Made in Germany" über das Geschäft mit der käuflichen Liebe in Deutschland sahen ab 22.50 Uhr im Ersten 2,49 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil betrug 15,2 Prozent, für die späte Zeit ein ungewöhnlich hoher Wert.

"40 Freier in 24 Stunden"

Den Journalistinnen sei es nicht gelungen, aufzuklären, urteilte Ackermann. Ein öffentlich-rechtlicher Sender müsse sich für eine solche Dokumentation schämen. "Die Missstände, die uns in unserer täglichen Arbeit begegnen, wurden nicht thematisiert." Die meisten interviewten Frauen in der Doku seien als selbstbestimmte Sexarbeiterinnen, die stolz auf ihre Arbeit sind, gezeigt worden. Ackermann kritisiert, die meisten Prostituierten seien nach Deutschland mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt worden. Sie "sehen nicht die saubere Glitzerwelt eines Lifestyletempels, sondern 40 Freier in 24 Stunden". Die Reportage gebe lediglich dafür ein Beispiel mit dem Schicksal einer jungen Rumänin.

Die Autorinnen Tina Soliman und Sonia Kennebeck hatten zwei Jahre im Milieu recherchiert, sprachen mit Frauen, die dort freiwillig als Prostituierte, Pornostar oder Webcam-Hure arbeiten. Sie trafen Zuhälter und einen Bordellbetreiber, den sie auch zu Hause im Kreise der Familie besuchen durften. Außerdem filmten sie in Stuttgart Europas größten Puff, der 55.000 Freier im Jahr zählt.

Flatrates für Sex

Deutschland hat eines der liberalsten Prostitutionsgesetze Europas erlassen. Die Politik hatte 2002 noble Absichten, man wollte Prostituierte aus der Illegalität holen. Den großen Reibach, den nun die Bordellbetreiber machen, hat man vermutlich nicht vorhergesehen. Alles ist möglich - bis hin zu menschenverachtenden Flatrate-Tarife für Sex. 1,2 Millionen Männer kaufen täglich Sex in der Bundesrepublik. Männer fliegen aus Amerika und Asien als Sextouristen zu Sechs-Tage-Reisen nach Deutschland ein. Flatrates gibt es schon ab 49 Euro.
 

(KNA, dpa, dr)

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