150 Jahre SPD - die Kirche gratuliert
150 Jahre SPD - die Kirche gratuliert
Folgenreich: Godesberger Programm
Folgenreich: Godesberger Programm

22.05.2013

Die schwierige Annäherung von SPD und katholischer Kirche "Wie Feuer und Wasser"

Es sei unmöglich, guter Katholik und wirklicher Sozialist zu sein, urteilte einst Papst Pius XI. Das Verhältnis von SPD und Kirche war lange schwierig. Ein Rückblick auf 150 Jahre SPD und den allmählichen Schulterschluss von Genossen und Kirche.

"Wie Feuer und Wasser", so formulierte es der sozialdemokratische Politiker August Bebel vor rund 140 Jahren, stehen sich Sozialismus und Christentum gegenüber. Auf der Seite der Kirche hob noch rund 60 Jahre später Papst Pius XI. hervor, es sei unmöglich, gleichzeitig guter Katholik und wirklicher Sozialist zu sein. Das Verhältnis zwischen SPD - lange Zeit auch gleichbedeutend mit dem Sozialismus - und katholischer Kirche hat sich längst gewandelt. Inzwischen sind Katholiken in der Partei zahlreich vertreten. Zum 150-jährigen Jubiläum der SPD, die Ferdinand Lasalle als Allgemeine Deutsche Arbeiterbewegung gründete, wird am 23. Mai in Leipzig der Leiter des Kommissariats der katholischen deutschen Bischöfe, Karl Jüsten, dabei sein.

An eine solche Begegnung war im 19. Jahrhundert nicht zu denken: Viel zu radikal waren den Kirchen die Ideen der Sozialisten, umgekehrt waren christliche Vertreter für die neue politische Bewegung viel zu sehr Teil der verhassten Obrigkeit.

Enzyklika "Rerum novarum" ebnete den Weg

Dabei begannen in der Zeit auch viele Kirchenvertreter, sich um die Arbeiter in den Städten zu kümmern. "Unsere Religion ist nicht wahrhaft katholisch, wenn sie nicht wahrhaft sozial ist", so brachte das etwa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert der Mainzer Arbeiterbischof Wilhelm Emanuel Freiherr von Kettler auf den Punkt, der selbst Mitglied der Zentrumspartei war. Schließlich machte gegen Ende des Jahrhunderts Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika "Rerum novarum" die soziale Frage zum Thema. Auf der anderen Seite waren Sozialisten trotz antiklerikaler Grundhaltung vom Urchristentum fasziniert. Jesus habe bei vielen Arbeitern als "Sozialrevolutionär" schlechthin gegolten, so schreibt der Historiker Stefan Ummenhofer.

Einige wenige Vertreter beider Seiten drängten zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Veränderung: Der - allerdings vorwiegend durch evangelische - Theologen geprägte Bund religiöser Sozialisten suchte das Gespräch mit bürgerlichen Sozialdemokraten. Und der schweizer reformierte Theologe Karl Barth trat 1915 der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz bei. Solche Begegnungen blieben aber die Ausnahme.

Erst die gemeinsamen bitteren Erfahrungen der Nazi-Herrschaft stellten die Verbindungen auf eine breitere Basis und spiegelten sich in Beschlüssen der Partei wider. So heißt es zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in einer Entschließung der kulturpolitischen Konferenz der SPD, dass sich kämpferisches Bewusstsein der unterdrückten Klassen sowie religiöse und sittliche Verpflichtung sich "in der Sozialdemokratie zu einer gemeinsamen Kraft, die Welt zu verändern, vereinigen".

Durchbruch brachte Godesberger Programm

In dieser Zeit wurde auch der frühere SPD-Parteivorsitzende und Katholik, Hans-Jochen Vogel, Mitglied der Partei. Die SPD habe ihn wegen ihres Einsatzes für die soziale Gerechtigkeit beeindruckt und «weil sie gegen den heraufziehenden Nationalsozialismus gekämpft hatte», so Vogel. Mit dem Godesberger Programm bekannte sich die SPD 1959 schließlich vollends zu Kirchen und Religionsgemeinschaften und betonte, ihren besonderen Auftrag und ihre Eigenständigkeit zu achten.

Dazu passen einige Begegnungen in dieser Zeit zwischen prominenten Kirchen- und SPD-Vertretern in der Katholischen Akademie München. So trafen dort der katholische Theologe Oswald von Nell-Breuning und der SPD-Politiker Carlo Schmidt aufeinander.

Mitte der 1960-er Jahre empfing zudem erstmals ein Papst einen führenden SPD-Politiker. Paul VI. traf mit Fritz Erler zusammen, der 1961 als Kanzlerkandidat im Gespräch war. Einige Jahre später wurde 1967 mit Georg Leber - damals Verkehrsminister - der erste Sozialdemokrat in das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gewählt.

Heute bezeichnen Partei und Kirche ihr Verhältnis als partnerschaftlich. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 sind ihre Mitglieder sogar überdurchschnittlich kirchlich organisiert. Rund 73 Prozent von ihnen gehören einer Kirche oder anderen Religionsgemeinschaft an. Prominenteste katholische Vertreter sind Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse und Generalsekretärin Andrea Nahles, die sich auch öffentlich zu ihrem Glauben bekennen.

Birgit Wilke
(KNA)

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