22.04.2013

Folgen der Ökonomisierung in der Altenpflege und Jugendhilfe Zeitnot, Kostendruck und Arbeitsverdichtung

Altenpfleger, Sozialarbeiter und Erzieherinnen sind einer neuen Studie zufolge durch die zunehmende Ökonomisierung mit Zeitnot, Spardruck und Arbeitsverdichtung konfrontiert.

In der Pflegeversicherung etwa habe die Einführung des Budgetprinzips dazu geführt, dass unabhängig vom tatsächlichen Hilfebedarf in der Pflege eine feste Grenze für finanzielle Leistungsansprüche bestehe, erklärten die Sozialforscher Volker Hielscher, Lukas Nock, Sabine Kirchen-Peters und Kerstin Blass. Gefördert von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf untersuchten die Wissenschaftler aus Saarbrücken und Heidelberg deutschlandweit die Folgen der Ökonomisierung für die Arbeitsbedingungen.

Die mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland, die in Gesundheits-, Sozial- und Erziehungsberufen arbeiten, seien in wachsendem Maße einer Markt- und Wettbewerbslogik ausgesetzt. Darunter litten die professionellen Ansprüche der Beschäftigten und ihre Gesundheit, erklären die Forscher, die in Fallstudien in der Altenpflege, Jugendhilfe und Kindertagesbetreuung insgesamt 82 Führungskräfte, Arbeitnehmervertreter und Beschäftigte von 16 Einrichtungen in Rheinland-Pfalz und Thüringen interviewten.

Zehn Tage Arbeit am Stück

Zusätzlich befragten sie standardisiert online fast 1.400 Arbeitnehmer. Den größten Ökonomisierungsdruck attestieren die Forscher vom Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft Saarbrücken sowie der SRH Hochschule Heidelberg der stationären Pflege. Strukturelle Erzeugung von Zeitnot führe dort zu steigender Arbeitsverdichtung.

Arbeitseinsätze von bis zu zehn Tagen hintereinander und massive Überstunden seien an der Tagesordnung. Aufgaben verschöben sich daher zunehmend in Richtung bloßer körperlicher Grundversorgung. So entstehe in Pflegeheimen eine Diskrepanz zwischen Sachzwängen in der Praxis und dem beruflichen Selbstverständnis der Beschäftigten, die eine gute und aktivierende Pflege leisten wollten, hieß es. Bei der Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen schneidet der Studie zufolge die stationäre Pflege am schlechtesten ab. Auch die relativ geringe Bezahlung qualifizierter Pflegekräfte dürfte den aufgrund der demografischen Entwicklung prognostizierten Pflegenotstand weiter verschärfen.

In der ambulanten Pflege etwa führten die wirtschaftlichen Zwänge zunehmenden dazu, dass sich die Leitungskräfte überwiegend mit der Kundenakquise und der Tourenoptimierung beschäftigten, hieß es. Das Zeitmanagement und die Abwägung, wie viel Zeit auf einen einzelnen Patienten verwendet werden soll, verlagere sich auf die Mitarbeiter. Hier kommen im Vergleich zu den anderen Branchen besonders viele Teilzeitkräfte zum Einsatz.

 

(epd)

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