Archivbild: Bundeswehr in Afghanistan
Archivbild: Bundeswehr in Afghanistan

21.09.2021

Militärbischof Overbeck hilft Afghanistan-Soldaten bei Verarbeitung "Niemanden allein lassen"

Der katholische Militärbischof für die Bundeswehr, Franz-Josef Overbeck will mit der Urbotschaft des Christentums den Soldatinnen und Soldaten des Afghanistan-Einsatzes bei der Verarbeitung helfen. Ein Interview über die Arbeit für den Frieden.

DOMRADIO.DE: Was hat die Kirche, was hat der Militärbischof aus Afghanistan gelernt?

Franz-Josef Overbeck (Bischof von Essen, katholischer Militärbischof und Adveniat-Bischof): In Afghanistan haben wir gelernt, wie wichtig Seelsorge für Menschen in unendlich herausforderungsvollen Situationen ist. Dazu gehört der Einsatz der Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan in den letzten gut 20 Jahren.

Das zweite ist ein offenes Herz und ein ganz offenes Ohr für alle Menschen zu haben, weil weit über den Raum des Glaubens und der Religion hinaus Menschen zu uns gekommen sind und wir auch bei ihnen waren. Hinzu kommt eine große Sensibilität für die inneren Nöte. Die posttraumatischen Belastungsstörungen sind uns ziemlich schnell bei den Soldaten und Soldatinnen im Einsatz aufgefallen.

Gleiches gilt auch für die Frage nach dem Sinn dieses Tuns. Wenn wir dann immer darauf hinweisen, Friede entsteht durch die Herstellung von gerechten Zu- und Umständen, wenn Soldaten mit ihrem Einsatz etwas dafür leisten können, ist viel getan. Dann haben wir eine gute Perspektive für unseren Dienst erfüllt.

DOMRADIO.DE: Wie geht man mit Soldaten um, die wiederkommen und sagen, es war doch eigentlich alles irgendwie umsonst?

Overbeck: Es ist, finde ich, wichtig, die Geister zu unterscheiden, einmal zu zeigen, was ist politisch geschehen und zweitens, was ist militärisch geschehen. Und drittens ihre menschlichen Nöte wirklich ernst zu nehmen.

Das betrifft ja sowohl ihre, vielleicht auch selber belastenden Erfahrungen, durch die Anwendung von Gewalt, durch das bedroht werden oder auch durch den Fall von Trauer um gefallene Kameraden. Das bedeutet, dass wir mit der Urbotschaft des Christentums kommen können, dass Gott bei jedem Menschen ist und wir dafür Sorge tragen wollen, niemanden allein zu lassen.

DOMRADIO.DE: Eine Urbotschaft des Christentums ist auch die des Friedensfürsten Jesus Christus, der mit der Bergpredigt daherkommt. Zeigt so ein Einsatz wie in Afghanistan, wo militärische Mittel in hohem Maße eingesetzt wurden, aber doch keine Lösung am Ende da war, nicht vielleicht auch, dass Kirche viel stärker noch ihre prophetische Kraft ausüben sollte?

Overbeck: In der Tat darf sie diese prophetische Kraft nie vergessen, indem sie überall da ist und alles tut. Das beste Beispiel für mich ist Papst Johannes Paul II. im Blick auf den Irak-Krieg, was getan werden kann, um solche gewaltsamen Einsätze zu verhindern.

Darum sind auch solche politischen und militärischen Strukturen zu unterstützen, die genau darauf abzielen, im Vorfeld alles zu klären, um unnötige oder fast kolonialwirkende Einsätze, wie wir sie gehabt haben, gar nicht mehr stattfinden zu lassen.

Gleichzeitig bleibt auch die Pflicht, als Militärbischof bei denen zu sein, für die ich gesandt bin. Und ich bin eben für die Soldaten und ihre Familien zuständig. Und das heißt auch, keinen allein zu lassen, damit möglichst wenig Gewalt geschieht.

DOMRADIO.DE: Sie sind gleichzeitig auch Bischof für Adveniat. In diesem Zusammenhang vielleicht nochmal die Frage: Inwiefern bekommen gerade auch Hilfsdienste, Friedensdienste durch Afghanistan nochmal eine ganz neue Perspektive und vielleicht eine ganz neue Kraft?

Overbeck: Ich glaube, dass gerade wenn Friedensdienste und Hilfsdienste durch junge Leute getan werden, dass das eine immense Wirkung hat. Erstens auf diejenigen, die sehen, die junge Generation setzt sich für den Frieden ein. Und zum anderen, weil das eine Nachhaltigkeit bringt.

Wer einmal so etwas erlebt und getan hat, ist in der Regel in seinem Leben immun gegen Gewalt und wird sich hoffentlich für den Frieden immer wieder einsetzen. Und von daher ist das sowohl in Lateinamerika, der Karibik, wo ich das ja selber auch als Adveniat-Bischof erlebe, wie auch in Asien oder Afrika und auch in Europa von großer Bedeutung.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

(DR)

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