Soldaten in der Bundeswehr
Soldatin in der Bundeswehr

28.05.2020

Nach rund 100 Jahren soll es wieder Militärrabbiner geben Der Bundestag hat das Wort

Eine Tradition soll wiederbelebt werden. Im Ersten Weltkrieg dienten schon einmal Rabbiner in der deutschen Armee. Noch in diesem Jahr könnte es erneut so weit sein. Darüber hat nun der Bundestag zu entscheiden.

Ein historischer Beschluss steht an diesem Donnerstag im Bundestag an, darin sind sich alle einig: Neben die evangelische und katholische soll eine jüdische Militärseelsorge treten. Es wäre die erste Erweiterung des Seelsorgeangebots in der Bundeswehr seit 1957, als der Staatsvertrag mit der evangelischen Kirche geschlossen wurde.

Erstmals nach rund 100 Jahren Pause und 75 Jahre nach dem Holocaust könnten jüdische Soldaten im Dienste Deutschlands schon bald wieder durch Rabbiner betreut werden.

Bis dahin war es ein langer Weg. Nach dem Zivilisationsbruch der Schoah und der Nazi-Diktatur konnte es sich auch angesichts der Verbrechen der Wehrmacht "kaum ein Jude vorstellen, in einer deutschen Armee Dienst zu tun", wie es der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, einmal formulierte.

Trotz aller auch anerkannter Unterschiede zwischen Bundeswehr und Wehrmacht blieben jüdische Soldaten lange nahezu undenkbar - und damit auch Militärrabbiner. Inzwischen sind es schätzungsweise rund 300 Juden, die unter den 180.000 Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr dienen. Genau erfasst wird die Religionszugehörigkeit nicht.

Staatsvertrag im vergangenen Dezember unterzeichnet

Mit der Einführung einer eigenen Militärseelsorge solle jüdischem Leben in der Bundeswehr wieder der Raum und der Platz eingeräumt werden, den es verdient habe, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) Mitte Mai bei der ersten Lesung des nun zur Abstimmung stehenden Gesetzes. Damals zeichnete sich bereits eine fraktionsübergreifend große Zustimmung ab.

Grundlage der jüdischen Militärseelsorge ist ein im vergangenen Dezember von Kramp-Karrenbauer und dem Zentralrat unterzeichneter Staatsvertrag, der denen ähnelt, die mit der evangelischen und der katholischen Kirche geschlossen wurden. Noch in diesem Jahr soll in Berlin ein Militärrabbinat - analog zu den christlichen Militärbischofsämtern - eingerichtet werden. Es wird von einem vom Zentralrat zu bestimmenden Militärbundesrabbiner geleitet.

Auswahl der Militärrabbiner voraussichtlich im Herbst

Bis zu zehn Militärrabbiner sind dann zunächst vorgesehen. Diese Zahl solle gewährleisten, dass Seelsorge im In- und Ausland geleistet und Auslandseinsätze auch zeitweise begleitet werden können, heißt es aus dem Ministerium. Die Auswahl der jüdischen Geistlichen werde voraussichtlich im Herbst beginnen. In Hamburg und München, später auch in Frankfurt/Main und Leipzig sind Außenstellen des Rabbinats geplant.

Wie ihre christlichen Pendants sollen die jüdischen Seelsorger die Soldaten und ihre Angehörigen begleiten, Trost spenden und Kraft geben. Ebenso werden sie am sogenannten lebenskundlichen Unterricht zur ethischen Bildung mitwirken. Daneben können sie laut Kramp-Karrenbauer aber auch "Verständnis schaffen", zum Beispiel mit gemeinsamen Gebeten und Gottesdiensten, und auch "einen praktischen Beitrag zum Kampf gegen Antisemitismus leisten".

Hoffnung auf Abbau von judenfeindlichen Vorurteilen

Zentralratspräsident Schuster hatte bei der Unterzeichnung des Staatsvertrags ebenfalls die Hoffnung geäußert, dass Soldaten, die sich mit einem Rabbiner austauschen und jüdische Feiertage miterleben, weniger anfällig seien für judenfeindliche Vorurteile. "Den Horizont der Soldaten zu erweitern, trägt zum inneren Frieden in der Bundeswehr ebenso bei wie zum Frieden in unserer Gesellschaft", sagte Schuster.

Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung von Antisemitismus, Felix Klein, begrüßt ebenso, dass die Militärrabbiner dazu beitragen könnten, "das Wissen über jüdisches Leben und jüdische Positionen zu Ethikfragen zu vergrößern und damit Vorurteile abzubauen".

Unterdessen hat die Verteidigungsministerin bereits weitere mögliche Angebote der Seelsorge im Blick: Im Bundestag nannte sie die wachsenden Gruppen der orthodoxen Christen und Muslime. Gerade die Einführung einer Seelsorge für die geschätzt rund 3.000 muslimischen Soldaten gestaltet sich aber laut Kramp-Karrenbauer weiterhin kompliziert. Grund: Im Gegensatz zu den beiden großen Kirchen und den jüdischen Gemeinden fehlt es an einem zentralen Ansprechpartner, mit dem sich ein Staatsvertrag schließen ließe. Auch dieser Weg könnte - wenn auch aus ganz anderen Gründen - noch länger werden.

Alexander Riedel
(KNA)

Sommeraktion: Meine Heimatkirche

Die Sommeraktion von DOMRADIO.DE: Wir suchen Ihre Heimatkirche. Laden Sie ein Bild hoch und erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Wichtig: Kein DAB+ mehr in NRW ab Juli

Leider sendet DOMRADIO ab Juli nicht mehr über DAB+ in NRW. Laden Sie sich doch unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 11.07.2020
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Stadionpfarrer auf Spiekeroog - ohne Gesang und Emotionen?
  • Anno Domini: Der Schutzpatron Europas
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Colonia Latina Tour: Interview mit Kim Moralles
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Colonia Latina Tour: Interview mit Kim Moralles
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…