Bundespräsident Gauck und Militärbischof Overbeck
Bundespräsident Gauck und Militärbischof Overbeck
Großer Zapfenstreich
Großer Zapfenstreich

17.03.2017

Militärbischof zur Bundeswehr und zur Kritik am Zapfenstreich für Gauck "Traditionelles Element der Verabschiedung"

Sollte Bundespräsident Gauck bei seiner Verabschiedung heute Abend auf den Großen Zapfenstreich verzichten, wie Friedensverbände fordern? Militärbischof Overbeck hält nichts von diesem Vorschlag.

domradio.de: Der Vorwurf lautet konkret, angesichts einer wachsenden Militarisierung der europäischen und deutschen Außen- und Sicherheitspolitik wäre es ein deutliches Zeichen, den Zapfenstreich abzusagen. Was halten Sie davon?

Bischof Franz-Josef Overbeck (Bischof von Essen und Militärbischof): Wir wissen, dass Bundespräsident Gauck evangelischer Pastor ist. In unseren vielen Gesprächen ist mir sehr deutlich geworden, er schätzt die Bundeswehr sehr, er weiß, was es bedeutet, für den Frieden einzutreten und sagt, dass es das größte Geschenk seines Lebens gewesen sei, endlich in Freiheit leben zu können. Darum wisse er den Dienst der Bundeswehr sehr zu schätzen und wolle daher auch ein solches Abschiedszeremoniell haben. Ich kann das gut unterstützen, weil es genau zeigt, wofür die Bundeswehr da ist.

domradio.de: Können Sie die Kritik denn auch nachvollziehen?

Bischof Overbeck: Ich glaube, wir leben in einer Welt, in der es angesichts der vielen Aggressionen und der unendlichen Gewalt, die wir erleben, notwendig ist, dafür zu sorgen, dass mehr Frieden herrscht. Dafür brauchen wir auch Militär, es geht leider nicht ohne. Daher bin ich froh, dass wir durch die Tatsache, dass wir über eine Parlamentsarmee verfügen, immer klar ist, wofür die Bundeswehr eintritt. Das zu unterstützen kann nur eine Aufgabe sein, die wir alle gemeinsam wahrnehmen.

domradio.de: Wie kann man als Christ denn überhaupt zum Militär stehen?

Bischof Overbeck: Man muss wissen, dass das Ziel ist, den Frieden zu erhalten und für Sicherheit zu sorgen und Gewalt nur im äußersten Notfall  - als ultimo ratio - anzuwenden. Und solche Aufgaben müssen immer in einem breiten Konsens derer, die regieren und die demokratisch legitimiert sind, getragen werden. Das ist in unserem Land der Fall und vor diesem Hintergrund kann ich meine Aufgabe als Militärbischof gut wahrnehmen. Das ist übrigens eine seelsorgliche Aufgabe, in dem wir den Soldatinnen und Soldaten beistehen in oft sehr komplizierten Aufgaben und auch Lebensverhältnissen. Und wir stehen dafür ein, dass Sicherheit, Frieden und Freiheit viele Perspektiven braucht, um sichergestellt zu werden. Dazu gehört auch der Dienst, den die Soldaten tun in der Bundeswehr. Sie sind nicht ohne Grund in der Welt sehr geschätzt. Nicht umsonst gibt es immer mehr Anfragen, dass sie in Auslandseinsätzen tätig werden.

domradio.de: Der Zapfenstreich ist ja auch eine Tradition.

Bischof Overbeck: Es ist ein traditionelles Element einer Verabschiedung und auch einer Ehrung von wichtigen Persönlichkeiten. Es gibt das seit rund 200 Jahren und hat sich auch in der Bundeswehr etabliert. Es ist eine interessante Mischung aus verschiedenen Elementen, an deren Ende immer auch bekannte Melodien stehen und ein Gebet. Es gibt auch immer Stücke, die sich die zu ehrenden selbst aussuchen dürfen. Ich bin gespannt, was sich Bundespräsident Gauck ausgesucht hat.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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