Abschied von Afghanistan
Abschied von Afghanistan
Soldaten vor dem Abflug
Soldaten vor dem Abflug
Chor der Bundeswehrsoldaten
Chor der Bundeswehrsoldaten
Das Namensschild
Das Namensschild
Interview mit Stabsfeldwebel Frank
Interview mit Stabsfeldwebel Frank
Kickern in Afghanistan
Kickern in Afghanistan
Zur Abwechslung Bingo
Zur Abwechslung Bingo
Silvias Essenskarte
Silvias Essenskarte
Brief an einen Toten im Ehrenhain
Brief an einen Toten im Ehrenhain
Ehrenhain
Ehrenhain
Projekt Skateistan
Projekt Skateistan
Soldat Habil
Soldat Habil
Interview im Camp Shaheen
Interview im Camp Shaheen
Ausbildung für Afghanen
Ausbildung für Afghanen
Helikopterflug
Helikopterflug
Helikopterflug
Helikopterflug
Feldpostamt
Feldpostamt
Feldpostamt
Feldpostamt
Silvia bei Radio Andernach
Silvia bei Radio Andernach
Truppenpsychologin in Camp Marmal
Truppenpsychologin in Camp Marmal
Silvia mit Truppenpsychologin Angela
Silvia mit Truppenpsychologin Angela
Haus Benedikt
Haus Benedikt
Weihwasser in Haus Benedikt
Weihwasser in Haus Benedikt
Schilder im Camp in Mazar-e-Sharif
Schilder im Camp in Mazar-e-Sharif
Soldatin Stefanie aus Köln in Mazar-e-Sharif
Soldatin Stefanie aus Köln
Militärpfarrerin Claudia Kiehn
Militärpfarrerin Claudia Kiehn
Haus Benedikt
Haus Benedikt
Mililtärpfarrer Prosche
Mililtärpfarrer Prosche
Haus Benedikt
Haus Benedikt
Silvia im Camp
Silvia im Camp
Leere im Camp
Leere im Camp
Leere im Camp
Leere im Camp
Silvia Ochlast in Afghanistan
Silvia Ochlast in Afghanistan
Auf dem Flug
Auf dem Flug
Abschied
Abschied
Gepackte Koffer
Gepackte Koffer
Flugticket
Flugticket

30.06.2015

domradio.de-Reporterin berichtet aus Mazar-e-Sharif "Und, mit welchem Gefühl geht es jetzt nach Hause?"

Silvia Ochlast reist für domradio.de nach Afghanistan und berichtet hier täglich von ihren Erfahrungen in Mazar-e-Sharif und dem Leben der deutschen Soldaten.

5. Juli: "Und, mit welchem Gefühl geht es jetzt nach Hause?"

Das werde ich merken, wenn ich im Flieger sitze. Viele Gedanken und Erlebnisse müssen sich erst einmal setzen. Der letzte Tag, bevor es los geht, ist ein besonderer. Gedanklich steige ich in den Flieger und sammle gleichzeitig die letzten Impressionen des Lebens hier. So geht es auch 2 Soldaten, die kurz davor sind nach Hause zu fliegen und mit denen ich noch spreche. Sie haben direkt mit den Afghanen zusammengearbeitet und einen Einblick in Afghanistans Zukunft gewonnen. Auf sie warten die Lieben zu Hause, der Sohn, der sich erst einmal wieder an den Papa gewöhnen muss, denn dieser war lange weg.

Dieser Einblick, den die Soldaten bekommen haben, ist wertvoll. Die meisten deutschen Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr sind hier und verlassen das Camp nicht. Sie arbeiten, damit es ein Camp gibt. Ich selbst habe einen kleinen Einblick gewonnen und ein winziges Stück Afghanistan kennengelernt. Größtenteils ist das durch Gespräche mit Afghanen, Zivilisten und Soldaten und Soldatinnen geschehen.

In die Zukunft Afghanistans zu blicken, ist unmöglich, aber es gibt einen Teil des Weges, den ich sehen kann und für den ich Hoffnung habe. Hoffnung, dass das Land seinen Weg geht. Viele arbeiten daran und ich darf nicht vergessen, die Zukunft Afghanistans ist jung. Über 70% der Bevölkerung sind unter 30. Die Armee hat sich in 5 Jahren gebildet, was schon in der Geschichte einzigartig ist. Sie konnte sich nicht im Frieden zusammenfinden, sondern im Krieg.

Ich setze Hoffnung in viele Erfolge, die es in dem Land schon gibt. Die Lebenserwartung der Bevölkerung ist in den letzten Jahren von 40 auf 60 gestiegen. Das ist ein Erfolg. Es ist wichtig, diese positive Entwicklung, neben den Opfern, die es hier natürlich gibt, zu erkennen. Viele Polizisten sterben, Kinder leben in Armut und Zivilisten fallen Anschlägen zum Opfer. Keine Frage, das ist ein Zustand, der grausam ist.

Aber Afghanistan hat viele Seiten. Junge Männer und Frauen studieren und arbeiten daran, das Land nach vorne zu bringen. Afghanistan ist auf einem Weg, egal ob der uns hier im Westen letztlich gefallen wird oder nicht.

Immer wenn ich Afghanistan verlasse, nehme ich mehr Fragen mit, als ich anfangs hatte. Wenn ich diesmal in den Flieger steige, dann nehme ich auch Hoffnung mit. Auch diese Nachricht sollte es nach Deutschland schaffen, denn damit unterstützen  wir diejenigen, die für eine friedliche Zukunft Afghanistans arbeiten. Wir erkennen dadurch ihre Arbeit an. Was Afghanistan braucht? Nicht nur die "Bad News", sondern auch eine menschliche Anerkennung.

Hier Silvias Beitrag zum Nachhören

5. Juli: Den Alltag unterbrechen

Auch wenn wir das vielleicht nicht erwarten, sind die Routinen im Auslandseinsatz strikt festgelegt. Morgens geht man mit dem Tablett zum Frühstück, dann zum Mittagessen und schließlich zum Abendessen. Danach trinkt man eventuell noch ein Bier zusammen und geht dann schlafen. Dazwischen wird gearbeitet. Die Freizeit in Afghanistan ist begrenzt, allein schon durch die Mauer, die einen im Camp hält. Klar, es ist ein Auslandseinsatz der Bundeswehr und kein Freizeitlager, aber auch da muss der Soldat mal kurz den Kopf frei kriegen.

Eine Möglichkeit ist der Chor, der sich jeden Dienstag in der Kapelle trifft. Dort findet eine Stunde gemeinsames Singen statt. In dieser Zeit können die Soldaten den Alltag kurz vergessen. Es ist eine muntere Runde, die sich im Haus Benedikt trifft und bei Kerzenschein und leichtem Licht zusammen singt. Auch die Militärpfarrerin Claudia K. ist dabei. Dienstgrade spielen an diesem Abend keine Rolle, sondern das gemeinsame Singen und das kurze Entspannen hier in Nordafghanistan.

Hier Silvias Beitrag zum Nachhören

4. Juli: Die Mutti der Kompanie

Scherzhaft nennen ihn alle "Mutti", den Spieß. Das ist in Mazar-e-Sharif so, und das ist auch in Kabul schon so gewesen. Als ich dort einen Spieß besuchte, zeigte er mir sein Namensschild, das seine Kameraden für ihn gemacht hatten. In schwarzen Lettern stand das Wort "Mutti" darauf. Mit diesem Scherz sagen die Kameraden schon viel aus.

Auch Stabsfeldwebel Frank erklärt mir, dass er als Spieß für die Soldaten da ist, sie im Auge hat und sieht, wenn es jemandem nicht gut geht. Dann nimmt er sich die Zeit, um mit ihm zu sprechen. Dafür macht er das, was man hier selten sieht, er zieht seine Uniformjacke aus. Manchmal brauchen die Soldaten und Soldatinnen hier eben das Einfache: Ein Gespräch von Mensch zu Mensch, ohne jegliche Dienstgrade und Obrigkeiten. 

Seine Aufgaben fangen bei kleinen Dingen an, wie Post holen für die Kompanie, aber gehen dann auch weiter: Wer bekommt vielleicht keine Post? Wenn alle Soldaten Briefe bekommen, nur einer nicht, dann kümmert er sich um die betreffende Person. Er hat ein offenes Ohr für die Menschen. Ich würde den Spieß als die gute Seele der Kompanie bezeichnen.

Hier Silvias Treffen mit dem Stabsfeldwebel zum Nachhören

3. Juli: Vom Osterei bis zum Kickertisch

Wie leben die Soldaten und Soldatinnen eigentlich im Auslandseinsatz? Während wir in Deutschland schon über die Hitze ächzen, würden sich die Menschen in Afghanistan wohl über 38 Grad im Schatten freuen, denn tagsüber können es locker 60 Grad und mehr in der Sonne sein. Aber nicht alles ist anstrengend im Einsatz, es wird auch dafür gesorgt, dass die Menschen Abwechslung haben. Es gibt im Camp Marmal ein Betreuungsbüro mit dem Ziel, das Leben der Menschen zu erleichtern.

Denn der Alltag ist nicht immer einfach, er ist fast jeden Tag gleich, Aufstehen, Essen, Arbeit, Essen, Arbeit...wieder auf den Schlafcontainer...vielleicht noch ein, zwei Bier, aber das war es. Gearbeitet wird 12 Stunden pro Tag. Wobei die Arbeit von vielen nicht übermäßig anstrengend ist, der Zustand des "Eingesperrtsein im Camp" und "Bereit sein, falls was passiert" ist der zermürbende Faktor.

Manches ist auch leicht: die Wäsche erledigt das örtliche Unternehmen im Camp, das Essen wird gekocht und muss nur auf das Tablett genommen werden, das heißt die kleinen Alltagslasten, die wir in Deutschland haben, gibt es nicht.

Allerdings gibt es auch keine Freizeit, die in einem Biergarten oder bei Freunden und der Familie stattfindet. 

Um diesem Trott kurz zu entfliehen, gibt es die Betreuungsoffiziere. Sie organisieren Veranstaltungen, die Abwechslung geben: Kickerturniere, Ostermärkte, Weihnachtsmärkte oder auch Konzerte mit Künstlern aus Deutschland. Und ganz nebenbei sieht das Betreuungsbüro aus, wie eine kleine Bibliothek. Es gibt Bücher, Filme und Spiele, die sich die Menschen ausleihen können.

Eins habe ich gelernt: Kicker nicht gegen Soldaten, die im Auslandseinsatz waren, denn die hatten jede Menge Zeit zu üben!

Kickerturnier mit Silvia und den Soldaten zum Nachhören

2. Juli: Brief an einen Toten

"Am allermeisten hätte ich mir aber einen Brief von Dir gewünscht, etwas was ich in den Händen halten kann und immer wieder vor Augen habe!!!"

Diese bewegenden Worte richtet eine Frau, wahrscheinlich die Ehefrau eines getöteten Soldaten an ihren Mann, indem sie ihm einen Brief schreibt. Fünf Jahre nachdem er gestorben ist, schreibt sie ihre Gefühle nieder und dieser Brief taucht im Ehrenhain in Mazar-e-Sharif auf. Wie er in den Hain gekommen ist, weiß keiner. Vielleicht durch einen befreundeten Soldaten?

Der Ehrenhain im Camp ist der Ort, an dem einem bewusst wird, dass Menschen in diesem Krieg in Afghanistan getötet wurden und werden. 100 Gedenktafeln aus aller Welt hängen an der Mauer, über 50 davon aus Deutschland. Medaillen, Namensschilder, Erinnerungsstücke und auch Gedenktafeln von Angehörigen stehen hier.

Unter einem Stein entdeckte Oberstleutnant Detlef  Schachel durch Zufall den Brief, der eine menschliche Tragödie beinhaltet. Eine Frau mit zwei Kindern schreibt ihrem toten Mann. Der Brief ist von diesem Jahr, der Tod des Soldaten war  wohl vor fünf Jahren. 

"Ich hätte gerne ein paar Zeilen von Dir..." Die Bitte nach Worten, die nie gekommen sind, Briefe, die nie geschrieben wurde.

Neben dem Wunsch nach Briefen räumt die Schreiberin auch ein, dass sie beide verdrängt hatten, wie gefährlich der Einsatz für ihren Mann war:  "Ich bereue es, dass wir diese Gefahr einer Katastrophe wie jetzt nicht etwas ernster genommen und bestimmte Dinge geregelt haben..."

Das ist etwas, das auf die meisten der Soldaten und Soldatinnen im Einsatz zutrifft, sagt Detlef Schachel. Alles zu Hause geregelt zu haben, bedeutet auch, dass man sich bewusst macht, dass die Möglichkeit besteht, hier getötet zu werden. Da greift ein natürlicher Reflex des Menschen, Dinge zu verdrängen, in diesem Fall: Den eigenen Tod zu verdrängen.

Oberstleutnant Schachel sagt selbst, dass er Briefe an seine Kinder geschrieben habe, vieles geregelt habe, aber alle diese Dinge sind veraltet. Es ist sein sechster Einsatz. Und er findet sich in dem Brief der Frau an ihren toten Mann wieder. Wenn ihm jetzt etwas zustößt, dann gibt es keine Chance mehr neue Briefe an die Kinder zu schreiben. Das zu sagen, was er ihnen eigentlich mit auf den Weg geben möchte, falls er nicht zurückkommt.

Diese Worte, die sich die Frau von ihrem Mann wünscht, aber niemals erhalten wird.

Hier Silvias Beitrag zum Nachhören.

2. Juli: Skateistan - Hilfe für Kinder

Der Auslandseinsatz in Afghanistan bringt die Menschen nicht nur an ihre eigenen Grenzen, sondern zeigt ihnen auch, wie es ist, wenn man nicht in eine Gesellschaft, wie die in Deutschland hineingeboren wurde. Stabunteroffizier Habil war schon mehrfach in Afghanistan und hat selber eine Tochter. Er war viel draußen im Land unterwegs und hat gesehen, dass viele Kinder unter widrigen Bedingungen aufwachsen.

Gerade erst hat UNICEF veröffentlicht, dass jedes 10. Kind auf der Welt in einem Kriegsgebiet aufwächst. Für Afghanistan kann ich da nur mutmaßen, wie viele es sind. Zu viele. Die Bevölkerung in Afghanistan ist jung, es gibt viele Kinder, und die wachsen in Krieg und teilweise Armut auf. Habil hatte einen Moment, der ihn dazu brachte, zu sagen: Ich möchte etwas tun. Er saß in seinem Panzer, im tiefsten Winter, war dick angezogen, aber fror trotzdem. Dann blickte er nach draußen. Dort spielte ein Kind, komplett ohne Kleidung, keine Socken, nichts...aber das Kind lachte und spielte Fußball. Für ihn war klar: ich möchte helfen, und er fing an Spenden zu sammeln. Die Spenden wurden jetzt im Juni an das Projekt Skateistan übergeben. Durch das Skateboardfahren werden Kinder und Jugendliche an Bildung herangeführt. Warum Skateboarden? Ein Grund ist zum Beispiel, dass Mädchen in Afghanistan nicht Fahrrad fahren dürfen, aber sie dürfen skaten. Das ist sehr wichtig, denn fast 40% der Schüler sind weiblich.

"Durch Skateboarding habe ich wieder angefangen zu träumen. Zu wissen, dass ich gut in etwas bin und Lehrer zu haben die mich stets unterstützen, hat mir geholfen an mich zu glauben."

Madina, 14, Skateistan Schülerin und Lehrerin

Ein Großteil der Schüler arbeitet in Afghanistan auf der Straße und hat mit diesem Projekt die Möglichkeit, Selbstvertrauen zu entwickeln und Bildung zu bekommen. Habil ist glücklich, dass die Spendenaktion gut gelaufen ist, denn die Kinder sind die Zukunft von Afghanistan.

Mehr Informationen.

Hier Silvias Beitrag zum Nachhören.

1. Juli: Mit dem Helikopter zur Arbeit

Nicht für alle deutschen Soldaten in Mazar-e-Sharif besteht die Hauptzeit aus Warten. Einige sind hier, um die afghanische Armee oder andere afghanische Stellen zu beraten und zu begleiten. Nachdem der Kampfeinsatz der NATO 2014 zu Ende ging, nennt sich der neue NATO geführte Einsatz hier in Afghanistan  Resolute Support, kurz RS. Ausbildung, Unterstützung und Begleitung stehen im Vordergrund, und das ist auch der Job von Oberstleutnant Michael F. Für ihn bedeutet der Weg zur Arbeit, in den Helikopter zu steigen, denn das ist eines der sichersten Transportmöglichkeiten im Krisengebiet Afghanistan. Sein Weg führt ihn in den "Save Haven", den sicheren Hafen im Camp Shaheen. Es ist der Ort, der von internationalen Spezialkräften gesichert wird, so dass die Hubschrauber dort landen und starten können. Von dort fahren wir mit einem extra gepanzerten Auto zur Pionierschule der Afghanischen Armee. Alle in schwerer Schutzweste und mit Helm.

Ein Dolmetscher ist immer an unserer Seite, während wir durch die Schule gehen. Den hohen Stellenwert der Beratung merke ich hier sehr deutlich, es ist mal ein Hinweis hier oder ein kleiner Tipp, aber das System an sich scheint zu funktionieren. Wenn es nach Oberstleutnant Michael F. geht, dann steht die Schule schon auf eigenen Beinen, wenn ich den afghanischen Kommandeur der Schule frage, dann wünscht er sich noch für mindestens fünf Jahre die Unterstützung der Deutschen.

Zu einem großen Teil ist es auch die psychologische Begleitung, das Wissen, da ist noch jemand, der mir im Zweifel meine Frage beantworten kann. Die Soldaten, die ich in der Schule treffe, sind wissbegierig, trotz Ramadan arbeiten sie daran, neue Fertigkeiten zu erlernen und umzusetzen. 

Oberstleutnant Michael fliegt bald nach Hause, er hat die Schule schon begleitet, als sie errichtet wurde und ist jetzt wieder für ein paar Monate ihr Berater gewesen. Sein Fazit: "Die Schule ist gut aufgestellt, die schaffen das auch ohne uns."

Und damit geht es "nach Hause" wieder ins gepanzerte Auto, in den Helikopter und dann ins Camp Marmal.

Hier Silvias Helikopterflug zum Nachhören.

30. Juni: Wann kommt endlich die Post?

Feldpost, ja, die gibt es noch. Der Begriff erinnert mich an Erzählungen meiner Oma, damals... Hier hat der Brief oder das Paket eine besondere Bedeutung, denn es ist etwas, das angefasst wurde in der Heimat. Es ist wohl der einzige "körperliche" Kontakt zu den lieben Menschen, die zu Hause in Deutschland leben. Kaum eine Stelle wird so hoffnungsvoll angelaufen, wie das Feldpostamt in Afghanistan. "Ist die Post schon da?" mit erwartungsvollem Blick wird hier diese Frage gestellt, und auch derjenige, der in der Truppe dafür zuständig ist, die Post zu holen. trifft auf diese Erwartungshaltung. Briefe und Postkarten werden oft mit auf die Stube genommen, um Abends ins Ruhe genießen zu können, dass es Nachrichten von zu Hause gibt. Natürlich gibt es auch hier die Frage: "Was ist mit dem Poststreik?" Bisher kommen viele Pakete an, aber die Sorge, keine Post zu bekommen, ist greifbar.

Das Schreiben hat einen hohen Stellenwert, für beide Seiten des Einsatzes, für die Soldaten hier im Ausland oder für die Daheimgebliebenen. Am Ehrenhain im Camp Marmal lag lange Zeit ein Brief an einen getöteten Soldaten. Ein Satz sticht hervor: "Du hast mir nie geschrieben". Mancher Soldat mag sich hier wiederfinden, denn reicht es nicht, eine Mail zu schicken und zu skypen?

Nein, so sehr sich das Camp auch weiterentwickelt haben mag: Trotz SMS, Skype, Mails und Nachrichten über soziale Medien, die handschriftliche Zeilen haben immer noch einen anderen Stellenwert. Ein Brief kann Gerüche transportieren und die Vorstellung, der Mensch hat ihn in der Hand gehabt. Dabei ist die Post, die im Camp ankommt, nicht unbedingt die Entscheidende, sondern auch die Post, die nach Hause geht zu dem Menschen, der den Einsatz mitträgt.

Hier Silvias Besuch bei der Feldpost zum Nachhören.

30. Juni: "Guten Morgen Afghanistan!"

So klingt es morgens aus dem Studio von Radio Andernach in Mazar-e-Sharif. Ein Radiostudio mitten im Camp Marmal? Technisch ja, ansonsten unterscheidet sich vieles von einem Studio, wie wir es in Deutschland kennen. Wie fast alles andere ist es auch in einem Container untergebracht, außerdem sendet es in die unterschiedlichen Regionen, in denen die Bundeswehr stationiert ist. Zum Beispiel auch nach Mali und in den Kosovo. Hier in Afghanistan ist die Morgensendung, weil das Land einfach zeitlich vorne liegt. Das, für mich sicher ungewöhnlichste, ist der Moderator, die Redakteure und der Techniker, denn sie tragen alle Waffen. Sie sind Soldaten, wie alle anderen und leben den Slogan des Senders: "Soldaten senden für Soldaten".

Was für Ansprüche stellen sich an ein Einsatzradio, das von Menschen im Auslandseinsatz gehört wird? Das Radio muss die Menschen da erreichen, wo sie sind, auch emotional. Klar, auch in Deutschland gibt es Wunschsendungen, aber welche Bedeutung bekommt plötzlich so eine Sendung, wenn es die Grüße aus der Heimat sind, die den Menschen hier im Einsatz erreichen...

"Jetzt weiss ich, für wen wir senden" sagt mir Robin der Morgenmoderator. Aus Deutschland wird auch gesendet, aber es ist etwas völlig anderes, wenn man im Einsatz ankommt, in ein Auto steigt oder seine Waffe abholt und dann läuft da der Sender für die Soldaten.

In einigen Punkten ist es neben dem Informationsmedium aber auch eine Abwechslung zum Alltag. Aktuell gibt es die "Camp Challenge". Soldaten summen ein Lied und wer anruft und es errät, bekommt ein kleines Geschenk. Es ist einfach nur lustig und diese Dinge muss es hier auch geben, etwas, das einfach Spaß macht und einen kurz aus dem Camp Trott rausholt.

Jeden Tag, wenn die Menschen zum Frühstück und zur Arbeit gehen, werden sie von etwas Bekanntem begleitet: Radio. Und dann heißt es "Guten Morgen Afghanistan"

Hier Silvias Besuch bei Radio Andernach zum Nachhören.

29. Juni: Warten, warten, warten

Viele Soldaten könnten den Anschein erwecken, dass sie einfach nur warten und Zeit haben, aber ist so eine Bereitschaft angenehm? Warten ist ein großer Bestandteil des Einsatzes in Afghanistan, aber auch ein zermürbender Faktor. Nur weil es grade ruhig ist, heißt das nicht, dass es auch friedlich ist und bleibt. Mit dieser Spannung lebt der Mensch hier, kurz kann man sie vergessen, vielleicht grade am Abend, wenn Unterhaltungsprogramme stattfinden. Aber im Hinterkopf bleibt das Wissen. Vielleicht vergleichbar mit einem Computer, der grade nicht genutzt wird, aber im Hintergrund läuft 24 Stunden lang ein Programm.

Bei diesem "Bereitschaftsdienst" gibt es außerdem kein Ende, man wird nicht abgelöst und kann sagen: "Ich mach dann mal Feierabend", denn einen Feierabend gibt es nicht. Jeder arbeitet sieben Tage und die Bedrohungslage bleibt konstant. Beim Gespräch mit der Truppenpsychologin geht es genau um diese Stressfaktoren, die alltäglich sind.

Warten ist nicht angenehm, denn die Menschen wollen ja auch etwas leisten. Da gibt es Unterschiede: diejenigen die täglich in den Helikopter steigen und das Camp verlassen sind anders gefordert, als diejenigen die einen "Bürojob" im Lager haben.

Das alles, gemeinsam mit dem extremen Wetter, sind Stressfaktoren, die zum Alltag gehören. Außerdem sind die Menschen "gefangen", denn an der Mauer ist Schluss, "dieses Camp könnte auf Jamaica stehe und man würde den Unterschied nicht merken", sagt die Psychologin und das belastet auch. Normalerweise möchte man auch etwas von dem Land sehen, in dem man Besucher ist. Aber genau das ist in Afghanistan nicht möglich.

28. Juni: Das Weihwasser ist alle ...

Ja, dieses Problem gibt es hier in Afghanistan! Momentan ist die Militärseelsorgerin Claudia Kiehn im Camp Marmal und längere Zeit war kein katholischer Pfarrer in Mazar-e-Sharif, weshalb irgendwann das große silberne Gefäß leer war. Das sind die kleinen Feinheiten, über die ich noch nie nachgedacht habe, denn zu Hause ist einfach immer Weihwasser da. Dass dieser Strom versiegen könnte, erlebe ich zum ersten Mal.

Doch dann kam Militärseelsorger Alexander Prosche zu Besuch. Er wird Frau Kiehn ablösen und macht sich zuvor ein Bild von der Lage und schaut, was ihn erwartet, wenn er nach Afghanistan reist. So konnte ich miterleben, wie der katholische Priester das Wasser segnet und die silberne Kanne wieder voll ist.

Und auch wenn hier einiges sicherlich anders ist als in Deutschland, so gibt es doch Routinen die ähnlich sind. Am heutigen Sonntag findet in der kleinen Kapelle der Gottesdienst statt. Gemeinsam sind wir dann in "Haus Benedikt" und genießen die Ruhe und die Gemeinschaft in der kühlen Kapelle. Die Kapelle liegt im Herzen des Camps und jedes Mal, wenn ich aus der staubigen Hitze durch das Tor schreite, genieße ich die anderen Gerüche, die Kühle und die brennenden Kerzen, die ein warmes Licht verbreiten.

Gemeinsam werden wir diesen Sonntag den Gottsdienst nicht erleben, denn zeitlich sind wir hier in Afghanistan 2 1/2 Stunden vor Deutschland, aber denkt an uns, wenn ihr euch fertig macht, um in die Kirche zu gehen, dann werden wir hier in Afghanistan aus der Kapelle in die Mittagshitze treten.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag und liebe Grüße aus Mazar-e-Sharif.

27. Juni: Heimat in der Ferne

So ein kleines Stückchen Heimat entdecke ich immer wieder, wenn ich durch das Camp in Mazar-e-Sharif laufe. Am auffälligsten sind die Ortsschilder: Koblenz, Berlin, Wittmund, Cochem, Kerpen, Nörvenich und viele andere hängen außen an den Gebäuden der verschiedenen Kompanien und erinnern an zu Hause. Selbst ein Maibaum aus Bayern steht neben den Antennen und Schüsseln im Lager. Etwas versteckter sind die kleinen Hinweise und Erinnerungen an zu Hause, so habe ich zufällig das kleine Wappen der Stadt Köln an der Uniform einer Soldatin entdeckt. Stefanie kommt aus Köln und ist gerade wieder im Camp Marmal gelandet.

Sie war schon häufiger im Einsatz und auch ihr Partner ist immer wieder im Ausland. Für sie ist es leichter diejenige zu sein, die im Einsatz ist, als zuhause zu sein während der Partner im Einsatz ist. Hier in Afghanistan hat sie Routinen, es ist immer Arbeit vorhanden und weniger Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Zuhause denkt man dann eher daran, wie es dem anderen in der Ferne geht, was ihn beschäftigt und denkt auch über die Sicherheitslage nach. Allerdings ist es im Einsatz schwerer am Leben in der Heimat teilzuhaben. Ein Soldat sagte mir mal: "Das Leben zuhause geht weiter, es findet nur ohne einen statt."

Mittlerweile gibt es zwar genug Kommunikationswege, Internet ist vorhanden, auch skypen ist möglich, aber manche Kleinigkeiten bekommt man dann doch nicht mit, wie etwa die Schulnote des Neffen oder ein neues Haus, das im Umfeld gebaut wurde.

Dann sind es doch wieder die Erinnerungen, die hier wichtig sind: das Kölner Wappen neben dem Namen auf der Uniform oder ein Bild vom Dom.

Dass wir Kölner den Dom ganz besonders lieben, zeigt sich immer wieder: ein katholischer Militärpfarrer hat einmal ein Bild vom Kölner Dom vor dem Marmal Gebirge hier im Camp gemacht. Dieses Bild hängt immer noch im Büro der Militörseelsorge hier in Mazar-e-Sharif, denn: "Wo mir sin is Kölle".

26. Juni: Militärpfarrerin im Einsatz

"Möchten Sie etwas Kühles trinken?" mit diesen warmen Worten werde nicht nur ich begrüßt, sondern auch die Soldaten, die am Büro von Militärpfarrerin Claudia vorbeikommen. Etwas Kühles zu trinken und einfach mal jemand, bei dem der eigene Rang keine Rolle spielt, sind im Auslandseinsatz Gold wert.

Das Büro der Militärseelsorgerin liegt gegenüber von "Haus Benedikt", der Kapelle im Camp Marmal. Hier feiert sie Gottesdienste, Andachten oder auch Chorproben. Es ist ein Ort, an dem der Mensch Ruhe findet und vom Alltag im Camp abschalten kann. Ich merke das schon beim Betreten der Kapelle, es ist wohl der einzige Ort, an dem es nicht nach dem typischen Gemisch aus Sand, Dreck, Staub und anderem riecht. Es duftet nach Kerzenwachs und angenehmen Gerüchen. Statt Neonlampen gibt es dezente Beleuchtung und vor der Kirche steht die Glocke. Ein Klang, der den Menschen kurz innehalten läßt. Ich freue mich über das Geräusch, denn es ist wohltuend. Nicht das Brummen der Generatoren, das Lärmen der Fahrzeuge oder Starten der Helikopter. Es ist ein Klang, der an zu Hause erinnert, an die Heimat.

Militärpfarrerin Claudia lädt nicht nur zum Kinoabend oder Gebetsfrühstück ein, auch Gedenkgottesdienste an die gefallenen Soldaten gehören dazu.

Sie lebt das gleiche Leben wie die anderen Menschen im Camp, sie arbeitet jeden Tag und seht sich danach, endlich wieder Ausschlafen zu können. Mitte Juli geht es für sie zurück nach Deutschland und das bedeutet auch wieder den direkten Kontakt mit Familie und Freunden. Eine Entbehrung, die das Leben hier in Afghanistan oft schwer macht. Interview mit Militärpfarrerin Claudia Kiehn

25. Juni: Was wird aus Haus Benedikt?

Das "Haus Benedikt" ist die Kapelle in Mazar-e-Sharif, ein Ort, der nicht nur für die Gläubigen unter den Soldaten eine besondere Bedeutung hat. Es ist ein Ort der Stille und die Möglichkeit, sich aus dem Lärm und dem Alltag des Camps hier in Nordafghanistan zurückzuziehen. Ich selbst habe das 2011 erlebt, als das Camp noch so voll war, dass ich kaum einen Ort gefunden habe, der nicht laut ist, an dem nicht dauernd Menschen sind und das Geräusch der Fahrzeuge, Hubschrauber und Flugzeuge einen begleitet. Haus Benedikt ist - anders als die Stube in der man schläft - kein Container, sondern aus Stein gebaut.

In diesen Mauern werden Gottesdienste gefeiert, Andachten abgehalten und auch Gedenkfeiern für die in Afghanistan gefallenen Soldaten. Es ist ein Ort, an dem die Menschen eine Kerze anzünden und dabei an ihre Familien und Freunde zu Hause denken oder an die Menschen, die sie verloren haben. Kurz, es ist ein Ort mit Geschichte und voller Emotionen, den es hier seit 2007 gibt.

Nun gibt es eine Petition und den Wunsch, dass die Kapelle nach einem Abzug der deutschen Truppe nach Deutschland überführt wird: "Das "Haus Benedikt" ist uns als Ort des Gebetes zur geistlichen Heimat geworden: Hier haben wir Ruhe und Stille vom Alltag des Einsatzes gesucht. Hier haben wir Trost in schweren Stunden gefunden. Hier haben wir Weihnachten und Ostern gefeiert. Hier haben wir am Sonntag und Wochentag Orientierung aus und Gemeinschaft in unserem Glauben gefunden. In diesem Raum haben wir von unseren gefallenen Kameraden Abschied genommen und ihrer immer wieder im Gottesdienst und privaten Gebet gedacht. Dieser Raum steht für uns in enger Verbindung mit dem Ehrenhain, der sich ursprünglich direkt neben "Haus Benedikt" befand." Das sagt Militärpfarrer Pater Alexander Prosche CR. Interview mit Pfarrer Prosche

Die Petition ist an die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und den Bundestag gerichtet. Nach dem heutigen NATO Treffen in Brüssel, beim dem die Ministerin den Rückzug der Bundeswehr aus Nordafghanistan für Anfang 2016 geplant hat, stellt sich die Frage: wenn alle gehen, wohin geht die Kapelle?

25. Juni: Im Camp

Am deutlichsten spürt man die Leere im Camp Marmal in Mazar-e-Sharif, wenn man den Bereich der Amerikaner betritt. Oder besser gesagt den Bereich, in dem sie einmal waren. Nur noch ein paar Zeichen und Betonwände erinnern daran, dass hier einmal viele Zelte und Gebäude standen.

Eine Fahrt durchs Camp ist weniger ein: "Hier befindet sich das und das" sondern mehr ein: "Hier war einmal ..."

Die Stimmung im Camp hat sich dadurch eher gebessert, sagte mir ein Soldat, der schon 2011 hier im Camp war. Damals war die Stimmung schlecht, alle hockten aufeinander, und die wenigsten konnten das Camp verlassen. Das Leben fand monatelang ohne Privatsphäre und eben nur bis zur Außenmauer statt. Raus geht es für die meisten Soldaten zwar immer noch nicht, aber es ist mehr Platz und damit auch mehr Ruhe für den Einzelnen möglich.

Auch das Bild beim Essen hat sich verändert. Wo 2011 noch deutsche Soldaten dicht an dicht gegessen haben, sind jetzt viele Nationen vertreten, insgesamt 21, bald 22, wenn ein Soldat aus Luxemburg kommt. Wir essen also zwischen Soldaten aus Lettland, Mongolen, Schweden, Belgiern und vielen anderen. Vereinzelt sind auch noch Amerikaner hier, aber kein Vergleich zu früher.

Die Deutschen werden wohl die letzten sein, die das Camp in Mazar-e-Sharif verlassen, denn es wird von ihnen betrieben. Der Blick auf das Marmal Gebirge ist derselbe geblieben, nur der Blick durch das Camp ist ein anderer, einige Gebäude sind durch Fluten oder Sturm beschädigt und verfallen nach und nach, während es viele einfach gar nicht mehr gibt.

Zum Nachhören: Silvia Ochlast berichtet - Teil 4

24. Juni: Flug mit der Luftwaffe nach Afghanistan

Anfangs wurde noch gewitzelt, ob es denn jetzt wirklich losgeht. Manche Soldaten erzählten mir, dass sie zu früheren Einsätzen, schon ein bis zwei Wochen jeden Tag zum Militärflughafen gefahren sind, bis es dann losging. Aber so ist eine Reise nach Afghanistan, in einigen Punkten nicht planbar.

Ein letzter Blick auf den Bären der in der Abflughalle und seinem Spruch "Kommt gut heim", und dann heißt es, in die Maschine der Luftwaffe steigen.

Es sind nicht nur deutsche Soldaten an Bord, sondern auch Belgier, Tschechen, Ungarn und Österreicher. Seit der ISAF Einsatz zu Ende ist, ist der Flugverkehr auch weniger geworden.

Wir fliegen schneller als die Zeit, denn Afghanistan liegt 2 1/2 Stunden vor unserer Zeit in Deutschland, weshalb es schon dunkel ist, als wir landen. Beim Ausstieg aus dem Flugzeug laufen wir gegen eine Wärmewand, 35 Grad! Für uns, die wir bei 11 Grad und Regen in Köln losgeflogen sind, ist das heiß. Für diejenigen die uns abholen, ist es fast kühl, endlich nicht 40 Grad und mehr. Das Camp ist schon fast komplett dunkel, damit es kein Ziel in der Nacht bietet. Und wir kommen erst mal an, und gewöhnen uns an die "Kältewelle" hier in Mazar-e-Sharif.

Zum Nachhören: Silvia Ochlast berichtet - Teil 3

23. Juni: Erstens kommt es anders...

Am Tag des Abflugs zu erfahren, dass es aus technischen Gründen erst einen Tag später losgeht, weckt gemischte Gefühle. Zum einen habe ich einen Tag mehr Zeit, aber zum anderen merke ich, dass ich gedanklich erst mal umschwenken muss. Da wird mir plötzlich ein Tag mehr Vorbereitung geschenkt, aber ich habe ja schon alles gepackt. Dann denke ich an die Soldaten, die alle schon am Flughafen versammelt waren und sich ebenfalls darauf einstellen zu fliegen. Wie mag es für sie sein in dieser Situation?

Ich habe mit einem Soldaten in Deutschland gesprochen, der diese Situation selbst schon erlebt hat. Das Warten ist eher eine Belastung, als eine Freude, denn der Abschied von der Familie, dem Partner oder den Freunden hat schon stattgefunden. Irgendwie ist man froh, dass es losgeht und hat sich gedanklich darauf eingestellt, doch dann verzögert es sich. Übrigens nicht nur eine blöde Situation für den, der in den Einsatz fliegt, sondern auch für diejenigen, die zu Hause bleiben. Denn auch sie müssen mit der Situation umgehen, dass der Partner, Freund, Vater, Mutter zwar weg ist, aber eben doch noch nicht so ganz. Ein Satz in dem Zusammenhang ist sehr passend: "Nur was man angefangen hat, kann auch zu Ende gehen."

Mit dem Abflug beginnt der Einsatz in Afghanistan auf bestimmte Art und Weise, denn man lässt Deutschland hinter sich und geht aktiv in eine Richtung. Für Soldatinnen und Soldaten, die schon mehrere Einsätze hinter sich haben, ist diese Situation nicht neu. Ich selbst habe eine ähnliche Situation erlebt, als ich 2011 nach Afghanistan geflogen bin. Beim Zwischenstopp in Usbekistan kam plötzlich ein Sandsturm auf, der eine Weiterreise unmöglich machte. Dann sitzt man mit den anderen in der "Area 51", so nennt sich das Lokal für die Wartenden, in Termez und schlägt die Zeit tot. Damals habe ich es das erste Mal gehört: "So ist es eben nach Afghanistan zu reisen, du weißt nie was als nächstes kommt..."

Die Soldaten, die zu ihrem ersten Einsatz aufbrechen haben das jetzt erlebt und können demnächst auch sagen: Es kommt öfter anders, als man denkt. Zum Nachhören: Silvia Ochlast berichtet - Teil 2

22. Juni: Letzte Vorbereitungen

"Haben sie dieses Hemd auch in sandfarben?" Da fangen die Schwierigkeiten schon an. Während viele Menschen sich auf ihren Urlaub freuen und begeistert die bunten Kleider in den Koffer legen, verzweifle ich ein wenig bei der Klamottenwahl. Wie packe ich für Afghanistan im Sommer? Und vor allem: Ich packe nicht für einen Urlaub, sondern für eine Reise in eine Krisenregion.

Die Antwort des Verkäufers war übrigens: "Nein, aber ich kann Ihnen eines in knallorange anbieten, ist sehr beliebt!" Das mag ja sein, aber ich möchte in einem Land, in dem kein Frieden herrscht, nicht auffallen und schon gar nicht in knallorange.

Da haben es die Soldaten mit ihrer Dienstuniform leichter:  Jeder trägt das Gleiche. Zugegeben, die "was nehme ich mit Frage" ist noch eine der leichteren. Während ich packe, sind es die wirklich wichtigen Dinge, die mich beschäftigen: Wie leben die Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan? Was beschäftigt sie, und welchen Herausforderungen müssen sie sich stellen, sowohl körperlich, als auch seelisch. Wie sieht der Alltag aus?

Afghanistan ist mittlerweile immer seltener ein Thema, und wenn, dann nur bei einem Anschlag. Aber nach wie vor arbeiten deutsche Soldaten in Afghanistan. Von 2001-2014 im Rahmen des ISAF-Einsatzes (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe). Seit Januar 2015 beteiligt sich die Bundeswehr nun am NATO-geführten Einsatz "Resolute Support" mit bis zu 850 Soldaten. Statt Kampfeinsatz ist das Ziel jetzt die Ausbildung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte. Das Land soll lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.

Im Frühjahr habe ich den Katholischen Leitenden Militärdekan Msgr. Joachim Simon nach Kabul begleitet und schon einen kleinen Einblick gewonnen. In einem Punkt waren sich viele Soldaten einig: Sie wünschen sich, nicht komplett vergessen zu werden. Es braucht keinen Heldentum, aber zumindest ein wenig Interesse daran, was es heißt, in Afghanistan im Einsatz zu sein, fern von Familie und einem Leben in Frieden. Aus diesem Grund steige ich jetzt wieder in den Flieger, um von Köln an den Hindukusch zu reisen, das domradio.de Mikrofon im Koffer und auch das sandfarbene Hemd. Zum Nachhören: Silvia Ochlastet berichtet - Teil 1

(dr)
Militärbischof Overbeck zur Herausforderung der Heimkehr von Soldaten

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