Deutsche Bischofskonferenz richtet Betroffenenbeirat ein
Deutsche Bischofskonferenz richtet Betroffenenbeirat ein

31.12.2020

Kritik: "Viel zu spät und völlig unzureichend" Bischöfe weisen Kritik an neuer Missbrauchs-Kommission zurück

Das Gremium, das über die Höhe von Zahlungen an Betroffene von Missbrauch in der katholischen Kirche entscheidet, sei ein Ergebnis aus den Anregungen der sogenannten MHG-Studie, hieß es gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz weist Kritik an der von ihr neu eingerichteten Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistung (UKA) zurück. Die 2018 vorgestellte Studie von Forschern aus Mannheim, Heidelberg und Gießen (MHG) untersuchte das Ausmaß an Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland zwischen 1946 und 2014 und gab Empfehlungen für Prävention und weitere Aufarbeitung.

Kirche könne Glaubwürdigkeit und Vertrauen nicht wiedergewinnen

Am Dienstag hatte die Bischofskonferenz die Einrichtung der UKA und eine neue Ordnung zur Regelung des Verfahrens für Ausgleichszahlungen bekanntgegeben. Demnach sollen sich diese Zahlungen grundsätzlich an Urteilen staatlicher Gerichte zu Schmerzensgeldern orientieren. Daraus ergibt sich ein Leistungsrahmen von bis zu 50.000 Euro. Zusätzlich können Betroffene wie auch jetzt schon Kosten für Therapie- oder Paarberatung erstattet bekommen.

Der Mannheimer Psychiater Harald Dreßing, einer der Autoren der MHG-Studie, hatte diesen Schritt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstag; Mittwoch bereits online bei FAZ.net) als „viel zu spät und völlig unzureichend“ kritisiert. „Ohne Strukturen, die von der Kirche vollkommen unabhängig sind, kann diese ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Betroffenen nicht wiedergewinnen“, so Dreßing.

Finanzielle Maßnahmen sind nur ein Element

Neben der MHG-Studie orientiere sich die Bischofskonferenz unter anderem an der im Juni unterzeichneten Gemeinsamen Erklärung zwischen ihr und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte Bischofskonferenz-Sprecher Matthias Kopp am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Diese lege „verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland“ fest.

Weiter betonte Kopp: „Die Anerkennung geschehenen Unrechts und Leids ist nur ein Element, das zusammen mit anderen Maßnahmen im Bereich der individuellen und institutionellen Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch zum Ausdruck bringt, dass die katholische Kirche gegenüber den Betroffenen Verantwortung wahrnimmt.“

Die neue Ordnung tritt am 1. Januar in Kraft

Zum eigentlichen Verfahren sagte der Sprecher der Bischofskonferenz weiter: „Maßgeblich für die Festlegung der Leistungshöhe sind die Darstellungen der Betroffenen, die im Antragsformular aufgeführt werden.“ Eventuelle Nachfragen könne die UKA „bei den zuständigen Ansprechpersonen oder kirchlichen Institutionen“ stellen.

Wollten sich die Mitglieder der Kommission oder die Geschäftsstelle an die Öffentlichkeit wenden, gebe es dafür - anders als von Dreßing kritisiert - keine Einschränkungen. Vorgesehen sei, dass das Gremium jährlich einen schriftlichen Tätigkeitsbericht erstelle, der auch veröffentlicht werde: „Die UKA erhält darüber hinaus keine Vorgaben zur Ausgestaltung der Öffentlichkeitsarbeit von Seiten der Deutschen Bischofskonferenz.“

(KNA)

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