Katholische Gemeinschaft "Totus Tuus" weist Vorwürfe zurück
Kritisierte Kanzlei präsentiert Missbrauchsgutachten für Aachen
Bischof Helmut Dieser
Bischof Helmut Dieser
Wer wird Nachfolger von Bischof Heinrich Mussinghoff in Aachen?
Altbischof Heinrich Mussinghoff

10.11.2020

Kritisierte Kanzlei präsentiert Missbrauchsgutachten für Aachen Veröffentlichung an diesem Donnerstag

Die in die Kritik geratene Münchner Rechtsanwaltskanzlei Westphal Spilker Wastl veröffentlicht am Donnerstag ein Missbrauchsgutachten für das Bistum Aachen. Im Erzbistum Köln war eine Veröffentlichung der Kanzlei kürzlich abgesagt worden.

Bischof Helmut Dieser und Generalvikar Andreas Frick würden dann zeitgleich mit den Medien erstmals von den Ergebnissen erfahren, teilte die Sozietät am Montag in München mit. Bei der Untersuchung unter anderem von Personalakten geht es um mögliches Fehlverhalten von Bistumsverantwortlichen im Umgang mit Missbrauchsfällen von 1965 bis 2019. Das Erzbistum Köln hatte die Veröffentlichung einer ähnlichen Expertise von WSW Ende Oktober wegen angeblicher Mängel überraschend abgesagt.

Das Anliegen des Bistums Aachen sei eine unabhängige Untersuchung, betonte Bischof Dieser. "Wir begutachten nicht uns selbst." Er lud dazu ein, den Livestream mit der Veröffentlichung zu verfolgen. Ihm gehe es vor allem um relevante Erkenntnisse zu Strukturen und Verantwortlichkeiten "und um alle damit im Zusammenhang stehenden Hinweise, die uns helfen, sexualisierter Gewalt in unserem Bistum energisch einen Riegel vorzuschieben", betonte Dieser. "Juristische Fragen überlassen wir den Juristen."

Kritik von ehemaliger Bistumsleitung

Zuvor hatten Altbischof Heinrich Mussinghoff (80) und der frühere Generalvikar Manfred von Holtum (76) das Gutachten kritisiert. Von WSW erwarteten sie unberechtigte Schuldzuweisungen und kein faires Verfahren, sagten sie den "Aachener Nachrichten" (Montag). Die Einwände mehrerer Strafrechtler an der für Köln erarbeiteten Untersuchung könne er nachvollziehen, sagte von Holtum. Solange die Frage der Professionalität nicht geklärt sei, dürfe das Gutachten für Aachen auch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht werden. Die übersandten Protokolle der mit Mussinghoff und von Holtum geführten Interviews seien "unzulänglich und sehr fehlerhaft", führten die beiden Geistlichen aus.

Kurzfristige Absage der Veröffentlichung im Erzbistum Köln

Die für den 12. März diesen Jahres geplante Präsentation des Gutachtens für Köln hatte das Erzbistum kurzfristig abgesagt. Befürchtet wurden Rechtsstreitigkeiten mit ehemaligen oder aktiven Entscheidungsträgern, deren Namen in der Studie genannt werden sollen. So wurde inzwischen bekannt, dass der frühere Kölner Personalchef und heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße rechtliche Bedenken erhoben hatte. Daher schaltete die Erzdiözese zwei auf Presserecht spezialisierte Kanzleien ein, um das WSW-Gutachten einer "äußerungsrechtlichen" Prüfung zu unterziehen.

Ende Oktober teilte die Erzdiözese mit, dass sie das WSW-Gutachten nicht veröffentlicht. Andere Gutachter seien zum Ergebnis gekommen, dass die Expertise "in der ganzen Methodik, im Aufbau und der grundsätzlichen Herangehensweise den Mindestanforderungen" nicht entspreche. Nun soll der Kölner Strafrechtler Björn Gercke bis März 2021 eine neue Untersuchung vorlegen.

Aufarbeitung der Vergangenheit

Mussinghoff und von Holtum versicherten, dass die damalige Bistumsleitung für die Betroffenen das Notwendige und Mögliche getan habe. Wenn sich aber herausstelle, "dass wir als damals Verantwortliche nach heutigem Kenntnisstand unsere Verantwortung nicht ausreichend wahrgenommen haben, müssen wir uns dem stellen", so von Holtum.

Der Altbischof räumte ein, sich überfordert gefühlt zu haben, vor allem mit Opfergesprächen. "Ich hätte mir nicht zugetraut, sachgemäß mit ihnen zu sprechen. Ich würde das auch keinem Bischof raten." 2011 sei eine Expertenkommission unter anderem mit Psycho- und Traumatherapeuten eingerichtet worden.

(KNA)

Mit Willibert auf Sizilien

Eindrücke von der DOMRADIO.DE-Reise

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Tageskalender

Radioprogramm

 17.10.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Himmelklar Podcast

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…