Polens Kirche will in Missbrauchskrise Vertrauen zurückgewinnen
Polens Kirche will in Missbrauchskrise Vertrauen zurückgewinnen

15.07.2020

Polens Kirche will in Missbrauchskrise Vertrauen zurückgewinnen Erste Untersuchungen und Strafverfahren laufen an

Gleich mehrere Missbrauchsskandale erschüttern die katholische Kirche in Polen. Während der Primas Versäumnisse einräumt, laufen erste Untersuchungen und Strafverfahren an. Der Erzbischof von Gnesen räumte ein, es gebe "noch viel zu tun".

Am meisten Aufsehen zwischen Oder und Bug erregten in Polen die Vorwürfe gegen den inzwischen von Papst Franziskus suspendierten Bischof der zentralpolnischen Stadt Kalisch (Kalisz), Edward Janiak (67). Mehrere Millionen Menschen sahen seit Mitte Mai auf der Videoplattform Youtube den Dokumentarfilm "Das Versteckspiel". Darin wird Janiak beschuldigt, nichts gegen einen Priester unternommen zu haben, der Kinder sexuell missbraucht habe - obwohl deren Eltern ihn 2016 darüber informiert hätten.

Missbrauchsskandale in Polen

Die Mutter und der Vater eines Jungen hatten ihr Gespräch mit dem Bischof aufgezeichnet. So ist im Film zu hören, wie Janiak damals den Priester gegen die Missbrauchsvorwürfe in Schutz nahm und die Eltern abwimmelte. Erst als die Staatsanwaltschaft dem Bistum im Dezember 2018 den Beginn eines Verfahrens gegen den Pfarrer mitteilte, soll Janiak eine kirchliche Untersuchung des Falls angeordnet und den Vatikan unterrichtet haben.

Neben Janiak führt die Kirche auch ein Verfahren gegen den Krakauer Weihbischof Jan Szkodon (73). Ihm werden sexuelle Übergriffe auf ein damals 15-jähriges Mädchen vor mehr als 20 Jahren vorgeworfen. Szkodon wurde vorläufig die seelsorgliche Arbeit mit Minderjährigen untersagt. Nun soll in Polen laut dem katholischen Portal "wiez.com.pl" erstmals ein kirchlicher Strafprozess gegen einen der sexuellen Belästigung beschuldigten Bischof geführt werden.

Der Apostolische Nuntius in Warschau, Erzbischof Salvatore Pennacchio, bestimmte demnach im Mai einen polnischen Bischof als Richter. Der wiederum habe zwei Beisitzer für das Verfahren ernannt. Die Namen aller drei seien der Redaktion bekannt. Man veröffentliche sie aber nicht, so "Wiez". Die Privatsphäre der am Prozess beteiligten Personen solle geschützt werden. "Wir wollen diese Menschen auch nicht unter öffentlichen Druck setzen", so das Online-Portal.

Szkodon wies die Anschuldigungen gegen ihn bereits im Februar zurück: "Mit Nachdruck erkläre ich, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe unwahr sind und dass sie gegen meinen guten Namen gerichtet sind, den ich zu verteidigen gedenke." Solange das Verfahren laufe, werde er keine pastorale Arbeit leisten. "Ich bitte Sie, für die Anliegen der Kirche zu beten und schnell die volle Wahrheit zu erfahren", so der Weihbischof.

Interimsleiter für das Bistum Kalisz

Als Interimsleiter für das Bistum Kalisz setzte der Papst Ende Juni den Erzbischof von Lodz, Grzegorz Rys (56), ein. Als Apostolischer Administrator "sede plena" führt er die Diözese während die Untersuchung gegen den suspendierten Ortsbischof Janiak läuft, der sich solange außerhalb des Bistums aufhalten muss. In einem Hirtenbrief gab Rys die Losung aus: "Zuerst der Mensch und sein wirkliches Wohl! Vor allem die geschädigten und ausgenutzten Menschen." Wenn es Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gebe, sei er zu einem persönlichen Gespräch bereit. Rys gilt als einer der progressivsten Bischöfe im Land.

Mit Offenheit will auch der Primas von Polen und Kinderschutzbeauftragte der Bischofskonferenz, Erzbischof Wojciech Polak, verlorenes Vertrauen in Kirche wiedergewinnen. Dies funktioniere nur, "wenn wir in der Wahrheit stehen und Verantwortung für die Aufklärung aller Verbrechen und Versäumnisse übernehmen", sagte Polak. "Die Reinigung der Kirche in Polen vom Verbrechen des Missbrauchs von Minderjährigen durch einige Mitglieder des Klerus ist nur durch eine ehrliche und konsequente Aufklärung der Straftaten sowie durch eine Aufklärung und Beurteilung der Fahrlässigkeit der kirchlichen Vorgesetzten möglich."

Noch "viel zu tun"

Der Erzbischof von Gnesen (Gniezno), räumte ein, dass trotz der in Polen bereits ergriffenen Maßnahmen weiter daran gearbeitet werden müsse, die Mentalität in der Kirche zu ändern. Diesbezüglich gebe es noch "viel zu tun".

Die Kirche habe geltendes Recht nicht überall respektiert und nicht alle Opfer hätten "die Hilfe erhalten, die sie brauchen", so Polak. Es sei nach wie vor eine Herausforderung, die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen in der Kirche zu gewährleisten. Man habe schon viel auf die Wege gebracht. Er verwies unter anderem auf die 2019 eingerichtete Hotline "Verwundete in der Kirche", bei der Betroffene anrufen können.

Oliver Hinz
(KNA)

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