Katholische Gemeinschaft "Totus Tuus" weist Vorwürfe zurück
Symbolbild Missbrauch

12.07.2020

Theologin blickt auf geschichtliche Zusammenhänge von Missbrauch Studie im Erzbistum Paderborn

​Kirchenhistorikerin Nicole Priesching legt in ihrer Studie zu Missbrauch im Erzbistum Paderborn einen Schwerpunkt auf historische Zusammenhänge. Um die Perspektive der Opfer zu erforschen, sei noch Recherche nötig.

"Das Ganze ist ja vielleicht das dunkelste Kapitel der kirchlichen Nachkriegsgeschichte, und wir interessieren uns dafür, warum die Vorfälle immer wieder vertuscht wurden", sagt sie im Interview der Paderborner Kirchenzeitung "Der Dom". Zum einen rekonstruierten sie und ihre Mitarbeiterin Missbrauchsfälle anhand von Akten der Erzdiözese. "Zum anderen geht es uns - und das ist die größere Frage - um den Wandel der Bewertungsmaßstäbe und der Praxis."

Weitere Recherche für Perspektive der Opfer nötig

Bislang habe sie uneingeschränkt Zugang zu den Akten erhalten, erklärte die Theologin, die an der Universität Paderborn lehrt. Die Akten seien jedoch lückenhaft und gäben vor allem die Sicht der Kirche wieder. "Uns interessiert aber gerade auch die Perspektive der Opfer", sagt Priesching. Daher soll die Recherche mit Zeitzeugeninterviews ergänzt werden. "Wenn es so weit ist, werden wir öffentlich dazu aufrufen, dass sich Betroffene bei uns melden." Wegen der Corona-Krise könnten sich die Gespräche jedoch verzögern.

Die historische Perspektive solle den Missbrauch nicht relativieren, betont die Forscherin. "Wir sind uns doch einig, dass das etwas ganz Schreckliches war und ist." Dennoch wolle sie beleuchten, wie sich Diskurse über Moral, Pädagogik und Pastoral sowie die Gesetzgebung im Laufe der Zeit verändert hätten, um Denkweisen und Handlungsspielräume zu verstehen. "Man darf auch nicht vergessen, dass der Missbrauch nicht allein ein Problem der katholischen Kirche, sondern der Gesamtgesellschaft war und ist." Die speziellen Bedingungen in der Kirche verdienten jedoch Aufmerksamkeit.

Unabhängige Studie

Priesching betonte ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Erzbistum. Ihre Zwischenergebnisse würden einem Betroffenenbeirat vorgelegt, der noch eingerichtet werden muss. Die Endergebnisse würden auch öffentlich vorgestellt. "Wir halten uns natürlich an geltende Datenschutzbestimmungen", sagte die Professorin.

Prieschings Untersuchung bezieht sich auf die Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger (1941-1973) und Johannes Joachim Degenhardt (1941-2002). Das Erzbistum hatte die Universität Paderborn im August 2019 mit dem dreijährigen Projekt beauftragt. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin begann Mitte Februar mit der Arbeit.

(KNA)

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