Der katholische Stadtpfarrer Walter Adlhoch (2.v.r.) bei einem Gottesdienst 1966
Der katholische Stadtpfarrer Walter Adlhoch (2.v.r.) bei einem Gottesdienst 1966

09.07.2020

Caritas ändert Namen "Adlhoch-Haus" nach Missbrauchsverdacht Namensschild bereits abgehängt

Wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauchs durch den früheren katholischen Stadtdekan von Frankfurt, Walter Adlhoch, hat der Caritasverband Konsequenzen gezogen. Ein Haus der Wohnungshilfe für Obdachlose, das einen Namen trug, wird umbenannt.

Ein Verdacht sexuellen Missbrauchs durch einen einst angesehenen katholischen Kirchenmann hat zu Konsequenzen geführt: Als Folge des Missbrauchsverdachts gegen den 1985 verstorbenen früheren katholischen Stadtdekan von Frankfurt, Walter Adlhoch, benennt der Caritasverband für den Bezirk Limburg sein "Walter-Adlhoch-Haus" um. Die Entscheidung sei "definitiv", sagte der Vorstandsvorsitzende, Pfarrer Andreas Fuchs, am Donnerstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Das Namensschild am Haus wurde bereits abgehängt."

Abschlussdokumentation ohne Klarnamen

Er verwies darauf, dass für die am 13. Juni veröffentlichte umfangreiche Missbrauchsstudie des Bistums Limburg auch der Fall eines "hoch angesehenen Klerikers" anhand der Original-Akten neu aufgearbeitet worden sei. "Die Daten dieses Falls in der Abschlussdokumentation lassen den Schluss zu, dass es sich bei dem Beschuldigten um Walter Adlhoch handelt", erklärte der Bezirks-Caritasverband bereits Anfang Juli in einer Pressemitteilung. Obwohl die Abschlussdokumentation keine Klarnamen von Beschuldigten enthält, sei doch klar, dass Adlhoch in dem Bericht Missbrauch einer Minderjährigen zur Last gelegt werde, so der Bezirks-Caritasverband.

Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" soll die damals 14-Jährige 1979 sexuell missbraucht worden sein. Die betroffene Frau habe sich aber erst 2011 an den Missbrauchsbeauftragten des Bistums gewandt. Die Frau erhielt nach KNA-Informationen vom Bistum Limburg in den Jahren von 2011 bis 2014 insgesamt 25.500 Euro an Zahlungen "in Anerkennung erlittenen Leids".

Lange Zeit hohes Ansehen

Der 1913 geborene Adlhoch war von 1965 bis 1982 Stadtpfarrer und Stadtdekan von Frankfurt am Main. Die Stadt zeichnete ihn mit ihrer Ehrenplakette aus. 1985 kam Adlhoch bei einem Autounfall ums Leben. Nach Walter Adlhoch war die seit 1988 in Limburg bestehende Facheinrichtung für Wohnungslose des Bezirks-Caritasverband benannt worden.
Jetzt hieß es: "Aufgrund der neuen Erkenntnisse hat sich der Vorstand des Verbandes dazu entschlossen, sofort den Namen zu tilgen und die Einrichtung umzubenennen." Was der Caritasverband durch das Limburger Projekt der Missbrauchsaufarbeitung erfahren habe, "hat uns - gerade auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung sowie den Vorstand - zutiefst erschüttert", so Fuchs. Er betonte, er selbst kenne den ausführlichen Projektbericht, der im Limburger Bischöflichen Ordinariat zur Einsichtnahme ausliegt.

Entscheidung eindeutig

Die Entscheidung zur Umbenennung des "Walter-Adlhoch-Hauses" durch den Verbandsvorstand war den Angaben zufolge bereits am 19. Juni gefallen - nur sechs Tage nach Veröffentlichung des 420-seitigen Berichts. "Auch wenn es keine Verurteilung des Beschuldigten gab, war für uns klar, dass wir, selbst wenn wir theoretisch nur von einem Verdacht sprechen können, diese Einrichtung umbenennen", hieß es.

Ein neuer Name für das Haus soll zu einem späteren Zeitpunkt gefunden werden, so Fuchs. Bis dahin werde die Einrichtung "Caritas-Wohnungslosenhilfe im Bezirk Limburg" heißen. Der Sprecher des Bistums Limburg, Stephan Schnelle, sagte auf Anfrage, die Entscheidung des Bezirks-Caritasverbandes zur Umbenennung des "Walter-Adlhoch-Hauses" sei dessen "souveräne Entscheidung" - und zu respektieren.

Von Norbert Demuth
(KNA)

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