Missbrauchsskandal erschüttert Kirche in Chile
Symbolbild Missbrauch in der Kirche
Maltas Erzbischof Charles Scicluna
Charles Jude Scicluna, Erzbischof von Malta

09.03.2020

Mexiko-Reise von Missbrauchsermittler Scicluna verschoben Beweissuche per E-Mail - wohl wegen Corona

Eigentlich sollten im März die Befragungen mutmaßlicher Opfer von Missbrauchsfällen in Mexiko beginnen. Doch nun wurde die Reise von Erzbischof Scicluna verschoben - wegen der Coronavirus-Krise, wie es heißt.

So richtig weiß nun niemand, wie es jetzt in Mexiko weitergeht. Eigentlich sollte dort am 20. März eine Untersuchung von Missbrauchsvorwürfen durch den vatikanischen Chefermittler Charles Scicluna beginnen. Doch nun macht das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. In einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung der Mexikanischen Bischofskonferenz heißt es, wegen der Corona-Krise habe der Vatikan vorerst alle Aktivitäten im Ausland eingestellt. Scicluna und der spanische Priester Jordi Bertomeu von der Glaubenskongregation sollten bis 27. März in Mexiko Vorwürfe von Missbrauch und Vertuschung untersuchen. Geplant war vor allem eine unabhängige Befragung von mutmaßlichen Opfern.

"Kultur des Schweigens und der Angst"

Zuvor hatte der Päpstliche Nuntius in Mexiko, Erzbischof Franco Coppola, in einem Interview in Aussicht gestellt, dass im Mai mit den Untersuchungen der Vertuschungsvorwürfe gegen vier mexikanische Bischöfe begonnen werde. Damit solle einer "Kultur des Schweigens und der Angst" begegnet werden, zitierten mexikanische Medien den diplomatischen Vertreter des Vatikan in Mexiko. Doch die Ankündigung hatte nur eine Halbwertzeit von einem Tag. Inzwischen hat die Nuntiatur eine E-Mail-Adresse bekanntgeben, über die sich Opfer vertraulich an die Vertretung wenden könnten. Wer in Kontakt zu treten wünsche, könne das auf diesem Wege tun.

In der vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Rogelio Cabrera, und dem Sekretär, Weihbischof Alfonso Miranda, unterzeichneten Mitteilung heißt es, der Vatikan habe die Mission abgesagt, nachdem Italiens Corona-Krise auch die Vatikanstadt erreicht hat. Am Freitag war der erste Fall einer Infektion im Vatikan bekannt geworden. Am Samstagabend meldeten mexikanische Medien, es gebe inzwischen sieben bestätigte Corona-Fälle im Land.

Wegen des Corona-Virus?

Dagegen berichteten das US-amerikanische Portal Crux (Freitag) und andere Medien von Stimmen in Mexiko, denen zufolge die Verschiebung wegen Corona ein Vorwand sei. Vielmehr gebe es innerhalb der Bischofskonferenz auch Widerstände gegen die angekündigte Untersuchung durch den Vatikan. So sei Sciclunas Reise erst am Montag bekanntgegeben worden, die Viruskrise in Italien aber schon viel länger ein Thema. Von vatikanischer Seite gab es bisher keine Mitteilung, dass Sciclunas Reise wegen des Virus abgesagt wurde.

"Ich glaube nicht, dass es aus diesem Grund passiert ist", wird Ana Lucia Salazar in mexikanischen Medien zitiert. Sie gehört zu jenen Missbrauchs-Betroffenen, die sich mit ihrem Schicksal an die Öffentlichkeit wandten und damit den Druck erhöhten, die Sachlage in Mexiko nachhaltig aufzuklären. Sie wurde nach eigenen Angaben von einem Angehörigen der Ordensgemeinschaft "Legionäre Christi" missbraucht. Ein weiteres Opfer, Biani Lopez-Antunez, ermahnt die Kirche zu mehr Tempo. Man könne nicht auf den Vatikan warten, während Kinder von Priestern missbraucht würden.

System öffentlich gemacht

Scicluna ist bereits seit Jahren an der vatikanischen Glaubenskongregation als Ermittler tätig. Im Zuge dessen war der Erzbischof von Malta mit der Untersuchung mehrerer Missbrauchsskandale befasst. Auch bei seinem aktuellen Auftrag sollte der Kirchenrechtler von Bertomeu begleitet werden. Beide machten unter anderem ein teils regelrechtes Missbrauchssystem in der Kirche in Chile öffentlich.

Im Januar hatte sich Mexikos Bischofskonferenz für eine Anzeigenpflicht bei Missbrauchsvergehen ausgesprochen und die Einsetzung einer Ermittlungskommission angekündigt. Anlass war eine Welle von Klagen gegen mexikanische Priester: Laut dem spanischen Onlineportal elpais.com gab es seit 2010 insgesamt 426 entsprechende Gerichtsverfahren, wobei sich 271 Fälle direkt auf Kindesmissbrauch und 155 weitere auf andere Vergehen wie etwa Kinderpornografie bezogen. 253 Gerichtsverfahren sind laut "El Pais" bereits abgeschlossen, 173 noch bei der Justiz anhängig. Den Angaben zufolge wurden in den vergangenen Jahren bisher 217 mexikanische Geistliche aus dem Klerikerstand entlassen.

Tobias Käufer
(KNA)

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