Opferinitiative "Eckiger Tisch" kritisiert Schmerzensgeld-Beschluss
Opferinitiative "Eckiger Tisch" kritisiert Schmerzensgeld-Beschluss

05.03.2020

Missbrauch: Protest gegen Schmerzensgeld-Beschluss der Bischöfe Opferinitiative ruft indirekt zu Kirchenaustritt auf

Die Opferinitiative "Eckiger Tisch" hatte sich für ein grundsätzlich anderes Modell und höhere Summen für die Entschädigung von Missbrauchsopfern ausgesprochen. Indirekt fordert die Initiative jetzt Katholiken auf, aus der Kirche auszutreten.

Heftige Kritik am neuen Modell der katholischen Bischöfe zur Wiedergutmachung bei sexuellem Missbrauch übt die Opfer-Initiative "Eckiger Tisch". "Die Kirche in Deutschland ist nicht bereit, für ihre Verbrechen die Verantwortung zu übernehmen und ihren Opfern eine Entschädigung anzubieten. Sie will lediglich Anerkennungsleistungen zahlen und orientiert sich dabei an den Tätern, die missbrauchten", erklärte die Initiative an diesem Donnerstag in Berlin. Die jetzt angekündigte Weiterentwicklung des Systems der Anerkennungszahlungen sei mutlos und bedeute ein Versagen der Bischöfe.

Chance, das rechtlich Gebotene zu überbieten

Die Initiative hielt der Kirche vor, es werde nur getan, wozu man durch die Opfer und ihre Verbündeten in der Öffentlichkeit gezwungen werde. "Dabei hätte es die Möglichkeit gegeben, zum ersten Mal das Minimum des rechtlich Gebotenen zu überbieten."

"Die Schmerzensgelder, die in Deutschland gerichtlich durchgesetzt werden können, sind oft erbärmlich gering", betonte die Initiative. Auf dieses Minimum des gerichtlich Durchsetzbaren wolle sich die Kirche beschränken. Die Initiative forderte die Katholiken in Deutschland indirekt auf, aus der Kirche auszutreten und keine Kirchensteuer mehr zu bezahlen. "Wollen sie auch weiterhin eine Kirchenstruktur unterstützen mit ihren Beiträgen, die so offensichtlich am Geld klebt und ihre Opfer missachtet? Wollen sie auch weiterhin für das moralische Versagen ihrer Hirten in Mithaftung genommen werden?"

"Eckiger Tisch" will weiter für Entschädigung kämpfen

Auch der Staat müsse sich fragen, ob er einer solchen Institution auch weiterhin Kinder und Jugendliche anvertrauen wolle. Notwendig sei zudem ein Unternehmensstrafrecht, das verbrecherische Strukturen bestrafe und angemessene Entschädigungen aus Opfersicht ermögliche. "Wir werden uns jetzt schütteln und neu aufstellen müssen. Wir werden weiter für eine tatsächliche Entschädigung kämpfen", kündigte die Initiative an. "Und wir werden nicht mehr so leicht auf die Worte hereinfallen, die Einsicht und Empathie signalisieren sollen und letztlich doch nur hartherzig am Gelde kleben."

(KNA)

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