Hans Zollner, Präsident des Zentrums für Kinderschutz (CCP)
Hans Zollner, Präsident des Zentrums für Kinderschutz (CCP)
Bischof Franz Jung
Bischof Franz Jung

18.02.2020

Hans Zollner und Bischof Jung zur Missbrauchsaufarbeitung "Sehr schwieriges Kompetenz-Wirrwarr"

Wenn über Missbrauch in der Kirche gesprochen wird, geht es immer wieder um Vertuschung. Ein Jahr nach dem Anti-Missbrauchsgipfel in Rom ist die Frage der Verantwortung für Kinderschutz-Experten wichtiger denn je. 

"Wenn ich die gesamte Kirche anschaue, die Abläufe anschaue, die Zuständigkeiten, wie wir organisiert sind, dann haben wir ein riesiges Defizit in der Klarheit der Zuständigkeiten und dessen, wofür jemand geradestehen muss." Hans Zollner sagt das. Doch der vatikanische Kinderschutzexperte wirkt am Montagabend in Würzburg nicht resigniert.

Er ist eingeladen von der dortigen Domschule und vom katholischen Lehrstuhl für Fundamentaltheologie, über die Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal zu sprechen. Und die sind für den Theologen und Psychologen längst nicht gezogen.

Immer noch leicht, Verantwortlichkeit abzuschieben

Eine fehlende Rechenschaftspflicht in der Kirche ist dabei nur ein Punkt. Es sei immer noch leicht, Verantwortlichkeit beim Thema Missbrauch abzuschieben, sagt der Leiter des Kinderschutzzentrums CCP an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

Soziale, gemeinschaftliche, kirchliche und gesetzliche Verantwortung seien noch nicht ausreichend definiert: "Wer ist wann zuständig, wer ist wann verantwortlich, wer hat unterschrieben, wer ist konsultiert worden, wer ist mitverantwortlich?"

Als Beispiel nennt er ausgerechnet eine Folge des Anti-Missbrauchsgipfels vor einem Jahr im Vatikan, den er maßgeblich mitvorbereitet hat. Papst Franziskus hatte verfügt, dass auch Vertuscher von Missbrauch verfolgt werden sollen. Doch genau da wird es schon wieder schwierig, wenn man Zollner folgt.

"Sehr, sehr schwieriges Kompetenz-Wirrwarr"

Acht verschiedene Kongregationen in der Kurie seien hier involviert: Für die Bischöfe in Europa etwa die Bischofskongregation, für die in der Neuen Welt die für Evangelisierung, für Orden wiederum die Religiosenkongregation. Wird die Gemeinschaft von einem Laien geleitet, kommt die Stelle für die Laien ins Spiel, bei den Anglikanern, die zur katholischen Kirche wechselten, die Glaubenskongregation und bei Nuntien das Staatssekretariat. Sind die Ostkirchen betroffen, gibt es wieder eine eigene Stelle.

"Wem kann man das erklären?", fragt Zollner. Vor allem aber: Wie könne gelingen, dass ein Betroffener sein Anliegen an die richtige Stelle bringen könne? Außerdem laufe man so Gefahr, dass unterschiedliche Standards in der Beurteilung des Verhaltens gefunden würden, bemängelt der Jesuitenpater. Auch der Würzburger Bischof Franz Jung spricht bei der Diskussion von einem "sehr, sehr schwierigen Kompetenz-Wirrwarr" im Vatikan. Zudem würden Fälle immer wieder anders als in Deutschland beurteilt. Hier brauche es eine "viel, viel größere Verlässlichkeit", fordert Jung.

Bei der Frage, was Aufarbeitung bedeute, verlangt Zollner, nicht nur Schäden zu begleichen und Täter zu bestrafen. Betroffene müssten auch beim systemischen Bearbeiten der Verbrechen einbezogen werden. Wichtig sei, dass Verantwortungsträger sich mit Betroffenen auseinandersetzten. "Alle, die sich dem wirklich ausgesetzt haben, haben auch verstanden, was sie tun müssen." Auch die Theologie habe noch nicht ausreichend darauf reagiert, dass die Kirche als Institution im Kern ihrer Botschaft vom Missbrauch betroffen sei.

Thema nicht nur Psychologen und Juristen überlassen 

Der Jesuit warnt davor, das Thema allein Psychologen und Juristen zu überlassen. Es dürfe zudem keine "Immunisierungsstrategien" geben, indem man wieder andere Themen in den Vordergrund rücke. Natürlich sei es psychologisch verständlich, sich von einem Thema abwenden zu wollen, bei dem Anspruch und Realität der Kirche sehr weit auseinanderklafften, räumt der Ordensmann ein. Denn: "Wenn man in den Spiegel schaut und erkennen müsste, dass eine Fratze einem da entgegenstarrt, schaut man lieber weg."

Dabei gelte es, die Rest-Glaubwürdigkeit einzusetzen, wirklich nach vorne zu gehen, "konsequent, transparent und konsistent", so Zollner. "Das ist nicht delegierbar, da muss das eigene Gesicht sichtbar sein, das erfordert persönlichen Einsatz."

Der Würzburger Bischof kündigt an, dass es auch in seiner Diözese künftig Projekte zur Aufarbeitung geben solle. Die entscheidenden Fragen sind für ihn: "Wer hat damals Verantwortung getragen, warum wurden die Dinge wie behandelt, wie war überhaupt die Wahrnehmung der Problematik des sexuellen Missbrauchs und wie konnte es geschehen, dass kein Mensch eingegriffen hat?" Dies werde sehr anstrengend.

Von Christian Wölfel

(KNA)

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