Sörensen: "Es ist wichtig, darüber zu reden."
Symbolbild Missbrauch, Schatten eines Kreuzes
Giovanni Nerbini, Bischof von Prato
Giovanni Nerbini, Bischof von Prato

30.01.2020

Italiens Justiz ermittelt gegen fünf Priester wegen Missbrauchs Beschuldigte Gemeinschaft aufgelöst

Die italienische Justiz ermittelt auf Anzeige des Bischofs von Prato gegen mehrere Mitglieder einer früheren geistlichen Gemeinschaft wegen sexuellen Missbrauchs. Laut italienischen Medien wurden fünf Priestern und vier weiteren Personen Ermittlungsbescheide zugestellt.

Bischof Giovanni Nerbini sicherte den Justizbehörden am Mittwoch die Kooperationsbereitschaft seiner Diözese zu. Die Gemeinschaft "Discepoli dell'Annunciazione" wurde laut Bistumsmitteilung bereits im Dezember durch die vatikanische Ordenskongregation aufgelöst.

Glaubenskongregation ordnete Strafverfahren an

Den Bistumsangaben zufolge hatte sich im Juni 2019 ein junger Mann an Nerbinis Amtsvorgänger Franco Agostinelli gewandt und angegeben, in der Gemeinschaft vor Jahren als Minderjähriger sexuell und psychisch missbraucht worden zu sein. Auf Meldung des Bischofs ordnete die Glaubenskongregation in Rom im September ein kirchenrechtliches Strafverfahren an, das der soeben eingeführte neue Bischof Nerbini eröffnete.

Ohne den Ausgang des kirchlichen Verfahrens abzuwarten, wandte sich Nerbini nach eigenen Angaben im Dezember an die Staatsanwaltschaft Prato. Der Bischof betonte, er habe den Kläger umgehend empfangen und angehört. Medienberichten zufolge ist neben dem Kläger auch dessen Bruder von den mutmaßlichen Übergriffen betroffen.

Keine Anzeigepflicht gegenüber der weltlichen Justiz

Vor wenigen Wochen sei unabhängig von den strafrechtlichen Untersuchungen die Gemeinschaft der "Discepoli" aufgelöst worden; Grund seien Mängel beim geistlichen Leben sowie eine zu geringe Mitgliederzahl.

Die Italienische Bischofskonferenz hatte erst im Juni 2019 neue Leitlinien gegen sexuellen Missbrauch veröffentlicht. Darin betonen die Bischöfe, dass es keine Anzeigepflicht gegenüber der weltlichen Justiz gebe, bekennen sich aber zu einer "moralischen Verpflichtung", sich bei begründetem Verdacht an staatliche Behörden zu wenden.

(KNA)

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