Homosexuelles Paar
In den USA herrscht Streit über den Umgang mit Homosexualität im geistlichen Amt
Ansgar Wucherpfennig
Ansgar Wucherpfennig

05.12.2019

Jesuit Wucherpfennig: Homosexualität nicht mit Verweis auf Bibel ablehnen In kirchlicher Sexualmoral umdenken

Der Frankfurter Jesuit Ansgar Wucherpfennig hat eine Neubewertung der kirchlichen Sexualmoral und Homosexualität gefordert. Zugelich wandte er sich gegen die These, dass eine homosexuelle Orientierung maßgeblich für Missbrauch verantwortlich sei. 

Durch eine Erneuerung der Sexualmoral in der katholischen Kirche mit Blick auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche könne die "Risikogruppe" jener missbrauchsgefährdeter Kleriker verkleinert werden, die einen "zynischen", weil selbstverleugnenden Zölibat lebten, sagte der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Pater Ansgar Wucherpfennig, am Montagabend bei einem Vortrag an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien.

Zugleich wandte sich Wucherpfennig gegen die von "rechtskatholischen" Kreisen und im Vatikan verbreitete These, die homosexuelle Orientierung von Priestern sei maßgeblich für kirchliche Missbrauchsfälle verantwortlich. Er verwies vielmehr auf einen innerkirchlichen Druck, der Priester ihre Sexualität verleugnen und damit in diesem Bereich unreif bleiben lasse. 

Ansgar Wucherpfennig widerspricht damit dem früheren Vatikandiplomat, Erzbischof Carlo Maria Vigano, der in der katholischen Kirche eine weit verbreitete "Plage der Homosexualität" sieht, die auch Hauptursache des sexuellen Missbrauchs sei.

Homosexualität nicht mit Verweis auf die Bibel ablehnen 

Im katholischen Klerus gebe es viele "erschreckend grau und unpersönlich" Gewordene, die zugestimmt hätten, "nicht sie selbst zu sein". Wenn diese in Verantwortungspositionen kämen, täten sie alles, um die traditionelle katholische Sexualmoral aufrecht zu erhalten. Pädosexuell ausgeübte Macht sei unter solchen Personen überproportional verbreitet.

Wucherpfennig kritisierte die Haltung der Kirche gegenüber Schwulen und Lesben. Er wandte sich dagegen, Homosexualität mit Verweis auf die Bibel abzulehnen. In der gesamten Bibel gebe es nur fünf Stellen, in denen gleichgeschlechtliche Aktivitäten verboten würden oder negativ konnotiert seien. Die Bibel stelle zudem keinen Zusammenhang zwischen sexualisierter Gewalt und einer bestimmten sexuellen Orientierung her.

Es gelte in der heutigen Situation zu verstehen, was Gottes Wort sei, sagte der Bibelwissenschaftler mit Blick auf die Aufgabe mündiger Christen. Auf der Suche danach brauche es den Dialog der jeweiligen Lebenswelt mit der Bibel. Eine Neuformulierung der kirchlichen Sexualmoral müsse neben den Erkenntnissen der theologischen Tradition auch die modernen Humanwissenschaften sowie die Erfahrungen der Gläubigen berücksichtigen. 

Wucherpfennig war Anfang 2018 für eine dritte Amtszeit als Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen wiedergewählt worden; der Vatikan hatte ihm aber zunächst nicht die dafür erforderliche Unbedenklichkeitserklärung ("Nihil obstat") erteilt, was auf massive Kritik stieß. Wucherpfennig hatte sich wiederholt kritisch zum Umgang der Kirche mit Frauen und Homosexuellen geäußert. 

Woelki: "Homosexualität keinesfalls eine Krankheit"

Nach den Worten des Kölner Erzbischofs, Rainer Maria Kardinal Woelki, ist Homosexualität keinesfalls eine Krankheit. Mit Blick auf die Priesterausbildung sagte der Kardinal: "Wir haben nicht zuletzt durch die schlimmen Erfahrungen des Missbrauchsskandals gelernt, dass wir Sexualität in der Priesterausbildung nicht tabuisieren dürfen, sondern, im Gegenteil, thematisieren müssen. Wir wollen allen Priesteramtskandidaten, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung, zu einer vertieften Reflexion über ihre Sexualität verhelfen. Das gehört zur Vorbereitung auf das priesterliche Leben dazu und muss in der Ausbildung seinen festen Platz haben."

Der Kardinal bezog sich auf einen umstrittenen Vortrag von Romano Christen, dem Direktor des Bonner Theologenkonvikts Collegium Albertinum, Pater Romano Christen. Dieser war wegen eines Vortrags zu Homosexualität in die Kritik geraten. Er hatte vor Studenten die Position vertreten, dass Homosexualität nicht angeboren sei, sondern "Folge einer psychologischen (Fehl)entwicklung". Es gebe Therapien dagegen, die aber nicht immer erfolgreich seien. Männer mit "tief sitzender homosexueller Tendenz" könnten daher nicht geweiht werden, wie es auch in vatikanischen Instruktionen festgelegt sei.

In dem Vortrag heißt es unter anderem weiter, auch wenn bei homosexueller Liebe Romantik mitspiele, gehe es "weniger um die reale Begegnung mit einem Du". Vielmehr handele es sich um eine "narzisstische Suche" eines Betroffenen nach Männlichkeit, die er selbst nicht fühle. Daraufhin hatte das Kölner Erzbistum sich von den Aussagen Christens klar distanziert. 

(KNA)

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