Katholische Gemeinschaft "Totus Tuus" weist Vorwürfe zurück
Symbolbild Missbrauch

08.11.2019

Französische Bischöfe diskutieren über Umgang mit Missbrauch "Sehr viel schwieriger als erwartet"

Die Aufklärungskommission von sexuellem Missbrauch in der Kirche hat den französischen Bischöfen einen ersten Bericht präsentiert. Von den mutmaßlichen Tätern seien 70 Prozent Priester und 30 Prozent Ordensleute.

"Die Mehrheit der Missbrauchsfälle geschah in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren, viel mehr als in den folgenden Jahrzehnten", zitieren verschiedene französische Medien den Vorsitzenden der Aufklärungskommission von sexuellem Missbrauch in der Kirche (CIASE), Jean-Marc Sauve, am Donnerstag in Lourdes. Sauve gab an, die Aufarbeitung sei "sehr viel schwieriger als erwartet, aber nicht unmöglich".

Nur 12 Prozent der Fälle wurden angezeigt

Insgesamt erreichten Sauve seit Juni 2.800 Anrufe und Briefe. 800 Menschen stimmten zu, einen detaillierten Fragebogen auszufüllen, und etwa 20 seien persönlich angehört worden. 98 Prozent der mutmaßlichen Täter sollen Sauve zufolge Männer gewesen sein, davon 70 Prozent Priester und 30 Prozent Ordensleute. Nur in insgesamt 12 Prozent der Fälle soll die Justiz eingeschaltet worden sein.

85 Prozent der mutmaßlichen Opfer sind demnach heute über 50 Jahre alt, 61 Prozent Männer. 87 Prozent der Opfer waren zum Zeitpunkt des Missbrauchs minderjährig. Noch bis Juni 2020 können sich mutmaßliche Opfer bei der Kommission melden. Anfang 2021 soll Sauve Empfehlungen veröffentlichen.

Finanzielle Entschädigungen für Missbrauchsopfer

Am Samstag stimmen die Bischöfe zudem über finanzielle Entschädigungen für mutmaßliche Missbrauchsopfer Geistlicher in Frankreich ab. Dabei ginge es um eine pauschale Einmalzahlung, sagte der dafür zuständige Bischof von Saint-Denis, Pascal Delannoy, der Presse am Donnerstag. Es werde keine "Entschädigung" werden, sondern eine "Anerkennung" des Leids, sagte Delannoy.

Über die Höhe der Summe werde noch diskutiert. Diese "Anerkennung" sollen Opfer erhalten, die bereits ein Gerichtsverfahren durchlaufen haben oder deren Fälle verjährt sind. Eines der Opfer, Veronique Garnier, sagte, die Kirche müsse nun ihre "Verantwortung" für die Missbrauchsfälle anerkennen. "Das kann eine Geldsumme sein, aber vor allem die Worte sind wichtig. Von einer 'finanziellen Geste' gegenüber den Opfern zu sprechen, ist herablassend", so Garnier.

(KNA)

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