Aktivisten stürzen die Statue des umstrittenen Priesters Henryk Jankowski in Danzig
Aktivisten stürzen die Statue des umstrittenen Priesters Henryk Jankowski in Danzig

29.05.2019

Hilfswerk Renovabis zur Missbrauchsdebatte in Polen "Diesem Film kann sich niemand entziehen"

Der polnische Film "Sag es bloß niemandem" dokumentiert Begegnungen zwischen pädophilen Geistlichen und ihren Opfern. Über 21 Millionen Mal wurde er bereits auf Youtube angesehen. Polen ist erschüttert und führt nun eine wichtige Debatte.

DOMRADIO.DE: Was haben Sie gedacht, als Sie diesen Dokumentarfilm zum ersten Mal gesehen haben?

Dr. Jörg Basten (Länderreferent für Polen des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis): Ich war so wie alle, die den Film geschaut haben, entsetzt. Es sind sehr direkte, nüchterne Erzählungen von Vorkommnissen, die sehr authentisch wirken und überhaupt keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass es sich hier um Vergehen von Priestern an Kindern und Jugendlichen handelt.

DOMRADIO.DE: Der Primas von Polen, Erzbischof Polak, sagt, er sei zutiefst bewegt von dem Film. Gibt es weitere offizielle Reaktionen?

Basten: Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Gadecki, hat dem Filmemacher Sekielksi ausdrücklich für diesen Film gedankt. Denn damit hat er natürlich einen Reinigungsprozess innerhalb der polnischen Kirche losgetreten. Diesem Film kann sich jetzt niemand mehr entziehen.

DOMRADIO.DE: Auch nicht die polnischen Gläubigen. Wie haben die darauf reagiert?

Basten: Man hat weinende Menschen gesehen, die aus den Kinos kamen. Es gab auch eine Befragung von Katholiken bezüglich ihres Blicks auf die Kirche und die Bischöfe. Und da war ein Ergebnis, dass 50 Prozent der polnischen Katholiken der Meinung sind, ihre Bischöfe müssten zurücktreten.

DOMRADIO.DE: Ist das eine denkbare Folge für das katholische Polen?

Basten: Denkbar ist das sicherlich. Der Papst hat einen Sondergesandten ernannt, Erzbischof Scicluna aus Malta, der im Juni nach Polen reisen und die Dinge aufarbeiten wird. Scicluna war vorher schon in Chile und nach dessen Bericht haben die chilenischen Bischöfe ihren Rücktritt eingereicht. Ob sich die Situation in Polen ähnlich wie in Chile verhält, vermag ich nicht zu sagen.

DOMRADIO.DE: Hat dieser Film noch weitere Folgen für das Land?

Basten: Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, der auch von Renovabis begleitet wird, hat schon 2014 begonnen. Seitdem gibt es die ersten Untersuchungen des Schutzentrums in Krakau, die ersten Anfragen an alle polnischen Landgerichte sind eingegangen, welche und wie viele Priester in den letzten 30 Jahren wegen Pädophilie verurteilt worden sind. Eines der Ergebnisse war, dass es 85 verurteilte Fälle gab. Das sagt natürlich nichts über die Fälle aus, die bereits verjährt waren, und das sagt auch nichts über die Dunkelziffer aus.

Der Film hat die Dringlichkeit noch einmal deutlich gemacht. Im Vorfeld konnte man sagen: Wenn es 25 000 Priester in Polen gibt, 85 davon waren Missbrauchstäter, kann man sich eine Statistik daraus bilden. Nachdem man jetzt aber die Einzelschicksale gesehen hat, gilt das qualitative Argument.

DOMRADIO.DE: Was ist denn Ihre Hoffnung, wenn es um die Aufarbeitung dieses Missbrauchsskandals geht?

Basten: Meine Hoffnung ist, dass die Vorhaben der Bischofskonferenz für den Kinder- und Jugendschutz in allen Diözesen konsequent umgesetzt werden. Da sind wir gut dabei. Das Kinderschutzzentrum hat zusammen mit der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Schulungen ausgearbeitet, die nacheinander in allen Diözesen, Metropolien und Ordenskongregation durchgeführt werden. Dadurch gibt es eine größere Sensibilität und damit ist auch die Möglichkeit verstellt, Dinge zu vertuschen.

 

(DR)

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