Schatten eines Kreuzes
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01.05.2019

Zollner: Aufarbeitung von Missbrauch in Osteuropas Kirche stockt "Kirche als Ort des Widerstands prägt"

​Der Vatikan-Kinderschutzexperte Hans Zollner kritisiert eine stockende Missbrauchsaufarbeitung in den Kirchen Mittel- und Osteuropas. Für die vom Kommunismus beeinflussten Menschen ist die Kirche immer noch ein Ort der Freiheit.

Für viele Katholiken in der Region sei es schwer, "mit staatlichen Stellen, speziell der Polizei, zusammenzuarbeiten", sagte der Jesuitenpater den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse am Sonntag in Osnabrück.

Kirche als Ort des Widerstands prägt

"Wenn man im Kommunismus aufgewachsen ist, hat man als Katholik über viele Jahre ein kirchenfeindliches, kirchenzerstörerisches Klima erlebt", erläuterte Zollner. Die Kirche sei als einziger Ort der Freiheit über die Jahre verteidigt worden. Priester seien Repräsentanten dieser Freiheit und die einzigen Widerständler gewesen. "Ein osteuropäischer Bischof hat mir gesagt, wegen dieser Erfahrungen könne er keinen Priester an die Polizei ausliefern."

Zollner bezeichnete Deutschland als eines der fünf Länder neben den USA, Australien, Irland und Großbritannien, in denen die katholische Kirche bei der Prävention von Missbrauch am weitesten ist. Es seien Stellen geschaffen und Leitlinien eingeführt worden. Mitarbeiter seien geschult und rechtliche Voraussetzungen erwirkt worden. Ein wichtiger Schritt sei nun, dass Missbrauch kein Randthema bleibe, das nur skandalisiert wird. "Es muss in der Mitte der kirchlichen Arbeit ankommen", sagte Zollner. Das sei Verpflichtung gegenüber den Opfern.

In Deutschland: Nur durch gesellschaftlichen Druck 

Der Experte wies den Eindruck zurück, die deutschen Bischöfe gingen nur aufgrund gesellschaftlichen Drucks gegen Missbrauch vor. Das wirke vielleicht von außen so. Tatsächlich aber sei die Aufarbeitung vielen Bischöfen ein Herzensanliegen. Alle seien betroffen und berührt von dem Skandal. "Aber wir schaffen es nicht, das auch emotional authentisch zu kommunizieren."

Er sei überzeugt davon, dass deutsche Bischöfe mehr Betroffenen zugehört hätten als öffentlich bekannt sei, so Zollner. "Aber wir müssen auch öffentlich stärker zeigen, wie berührt wir sind."

(KNA)

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