In sich versunken: Der ehemalige Kardinal Theodore McCarrick
In sich versunken: Der ehemalige Kardinal Theodore McCarrick
Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ
Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ

18.02.2019

Was die Entlassung McCarricks aus dem Klerikerstand bedeutet Folgen jetzt Taten statt Worte?

Der Papst hat Kardinal Theodore McCarrick aus dem Klerikerstand entlassen. Es sei ein Signal, dass Franziskus nun auch bei hochrangigen Geistlichen Konsequenzen ziehe, findet USA-Experte Godehard Büntrup. Aber das sei noch nicht genug.

DOMRADIO.DE: Es war schon lange bekannt, dass der heute 88-jährige Kardinal McCarrick Minderjährige sexuell missbraucht hat. Jetzt ist er aus der Kirche - man kann sagen - rausgeschmissen worden. Wird diese Maßnahme in den USA mit Erleichterung wahrgenommen?

Jesuitenpater Godehard Brüntrup (USA-Experte): Aus der Kirche ist er nicht rausgeschmissen worden, sondern aus seinen Ämtern. In Amerika wird das durchaus als ein Befreiungsschlag wahrgenommen, weil die Missbrauchskrise sich in verschiedenen Phasen entwickelt hat. In der ersten Phase wurden die Opfer wahrgenommen. Es wurde ihnen zugehört. Aber man hat gedacht, man könnte das Problem noch abkapseln. Das sind einige wenige Missetäter.

Und dann kam nachher in einer zweiten Phase heraus, dass das unglaublich weit gestreut war. Es wurde herausgefunden, dass es sich um fünf Prozent der Priester handelt und vor allen Dingen, dass das bis in die höchsten Kreise ging, bis in den Episkopat, also bis zu Bischöfen. In der Phase stecken wir jetzt, in der zweiten von dreien. Und da heißt es, dass jetzt eben auch auf der höchsten Ebene Köpfe rollen müssen. Zu lange haben die Menschen darauf gewartet, dass es auch personelle Konsequenzen gibt.

DOMRADIO.DE: Auch der Nachfolger von Kardinal McCarrick im Bischofsamt in Washington steht in der Kritik. Das ist der inzwischen auch schon emeritierte Donald Kardinal Wuerl. Wie sehen Sie denn seine Rolle? Musste er nicht auch was wissen? Hat er sich nicht auch mitschuldig gemacht?

Brüntrup: Das kann ich von außen nicht beurteilen. Da liest man sehr Unterschiedliches. Es sind natürlich ganze Kreise um Kardinal McCarrick herum. Vor allen Dingen muss man da auch Kevin Farrell nennen, den der Papst jetzt gerade einen wichtigen Posten in Rom gegeben hat. Farrell war McCarricks Weihbischof und Generalvikar. Doch muss man sich dabei fragen: Sind sie jetzt alle per Assoziation mitschuldig, weil sie von ihm gefördert wurden? Da muss man vorsichtig sein. Die Schuld muss nachgewiesen werden.

Aber wenn es der Fall ist, dann müssen auch dort personelle Konsequenzen folgen. Denn das wäre die dritte Phase, nachdem man den systemischen Charakter erkannt hat, dass man dann auch wirklich etwas ändert. Das könnte zum Beispiel das Kirchenrecht sein oder auch, dass eine interne kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit einführt wird. Diese könnte dann auch Bischöfe kontrollieren und eventuell auch bestrafen oder Disziplinarmaßnahmen verhängen. Da sind wir aber noch nicht.

DOMRADIO.DE: Sie haben Kardinal Kevin Farewell erwähnt. Der lebte mit Kardinal McCarrick, als er noch Erzbischof von Washington war, unter einem Dach. Jetzt arbeitet Kardinal Farell im Vatikan. Er will natürlich vom Missbrauch von MacCarrick nichts gewusst haben. Das können wir jetzt nicht beurteilen. Aber wie glaubwürdig ist das, wenn so ein Mann dann plötzlich im Vatikan sitzt?

Brüntrup: Der Missbrauch mit Minderjährigen, den Sie angesprochen haben, liegt über 40 Jahre zurück. Da war Kevin Farrell nicht mit Kardinal McCarrick zusammen. Das war erst 2002, vielleicht 2001. Da muss man genau sehen, was hat er wissen können. Allerdings kursierten damals auch Gerüchte, vor allen Dingen über seine Beziehung mit Seminaristen.

Da ist es schon etwas merkwürdig, dass jetzt alle behaupten, sie hätten nichts gewusst. Aber auch da gilt: Man kann nicht einfach über Assoziierung jemanden schuldig sprechen. Hier muss untersucht werden, Beweise vorgelegt werden. Leider sind diese Untersuchungen noch nicht im gewünschten Maße durchgeführt worden und da hat durchaus auch der Vatikan gebremst.

DOMRADIO.DE: Es kann natürlich ein solches System nur funktionieren, wenn viele wegschauen. Die katholische Kirche in den USA liegt nach dem Missbrauchsskandal am Boden. Wie geht es denn da weiter? Wie kann denn die Kirche in Amerika diese schwere Krise überhaupt überstehen?

Brüntrup: Das ist nicht nur eine Krise der Kirche in Amerika. Es ist genauso eine Krise der Kirche in Deutschland und der Weltkirche, weil durch den Missbrauch die Priester das Vertrauen der Gläubigen verloren haben. Eine Kirche, der man nicht mehr vertraut, hat keine Zukunft. Vor kurzem hat ein Theologe gesagt, dass diese Krise größer ist, als die Krise der Reformation. Ich glaube, das ist die dritte Phase, in der man jetzt wirklich erkennen muss, dass die Kirche sich reformieren muss, dass es so nicht weitergehen kann.

Und wir können auch nicht sagen, dass es ein Problem von Amerika ist. Das ist ein Problem der ganzen Kirche. Zölibat, die Rolle des Amtes, die Sexualethik, alles muss neu bedacht werden. Und es kann nicht nach dem Motto "Weiter so, wir haben das schon im Griff" weitergehen.

DOMRADIO.DE: Jetzt hat Papst Franziskus diese Entscheidung kurz vor dem Spitzentreffen zum Thema Missbrauch im Vatikan bekannt gegeben. Was für ein Signal setzt er damit?

Brüntrup: Genau das Signal, was ich schon angesprochen habe. Es ist registriert worden, dass wir dieses Problem nicht auf einzelne Priester isolieren können, die ihre Rolle sündhaft oder kriminell missbraucht haben. Sondern es ist ein systemisches Problem. Es geht bis in die höchsten Kreise und es müssen Konsequenzen gezogen werden. Dass so ein hoher Kardinal und einer der führenden Köpfe der amerikanischen Kirche in den Laienstand entlassen wurde, ist ein Zeichen, dass jetzt endlich Taten kommen und nicht mehr nur geredet wird. Ich glaube, viele warten darauf, dass endlich Taten kommen.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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