13.07.2011

Kriminologe Pfeiffer zu Missbrauchsforschung im Auftrag der Bischöfe Das Aktenwälzen kann beginnen

Die Deutsche Bischofskonferenz will sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche weiter aufklären. Im Zentrum der Untersuchung stehen dabei die Ermittlungen des Kriminologischen Instituts Niedersachsen. Im domradio.de-Interview erklärt Institutsleiter Christian Pfeiffer das Vorgehen. Er ist gespannt, ob sich Täter ersatzweise an Kindern vergriffen haben, weil die eigentliche Zielgruppe Männer und Frauen nicht zur Verfügung stand. Das sei Ergebnis einer ähnlichen Untersuchung in den USA gewesen.

domradio.de: Was genau ist heute auf der Pressekonferenz vorgestellt worden?
Christian Pfeiffer (Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes): Wir haben dargestellt, dass es ein sehr vielfältiges Forschungsprojekt sein wird. Erstens: Seit 1945 in neun Diözesen eine gründliche Aktenanalyse, die übrigens nicht wir vornehmen, sondern Juristen, ehemalige Richter und Staatsanwälte. Wir bitten sie in den Räumen der Diözesen sich mit diesen Akten auseinanderzusetzen. Zweitens: Sehr gründliche Täterinterviews, sofern die Täter bereit sind mit uns zu sprechen. Und drittens: Eine sehr tiefgehende Erforschung dessen, was den Opfern zugemutet wurde, wie die Kirche mit ihnen umgegangen ist, was im Einzelnen die Täter mit ihnen gemacht haben, wie das beendet wurde, ob Gewalt im Spiel war und so weiter und letztlich dann die Überprüfung des Präventionskonzepts der Kirche.

domradio.de: Was verfolgen die Bischöfe damit, dass sie diese Unterlagen und diese Taten aufarbeiten lassen?
Pfeiffer: Ich denke, es geht Ihnen einerseits darum, ihr eigenes Präventionskonzept noch einmal kritisch durch Unabhängige überprüfen zu lassen, aber sie erhoffen sich davon auch, dass der massive Vertrauensverlust gestoppt wird. In den USA hat sich das herausgestellt, dass die Öffentlichkeit doch sehr erleichtert war, dass die Kirche sich zu dem Schritt entschlossen hatte, Forschung unabhängig ihren Job machen zu lassen und sich dem auszusetzen, was hier geschehen ist. Im Grunde ist es ein Akt der Beichte. Wir als Wissenschaftler ermöglichen es den Tätern, offen zu sagen, wie es abgelaufen ist und dadurch auch ein Stück Wiedergutmachung zu leisten, weil sie dazu beitragen, dass heutige Priester nicht in die gleichen Fallen rutschen können.

domradio.de: Eine Studie der Bundesregierung, die ebenfalls heute vorgestellt worden ist, besagt, dass vor allem in Internaten und Orden der Missbrauch nach wie vor vorkommt. Nehmen Sie denn auch die Internate und Orden in Blick?
Pfeiffer: Wir haben gerade im Auftrag der Bundesregierung 11.000 Menschen befragt, ob sie in ihrer Kindheit und Jugend Opfer des Missbrauchs geworden sind. Dadurch erfahren wir natürlich auch, was sich in den Internaten, in den Orden abgespielt hat. Die Orden sind im Übrigen bei dieser Priesterforschung auch unsere Partner, also auch männliche Ordensmitglieder werden ins Visier genommen, auch deren Personalakten dürfen wir durchsehen lassen.

domradio.de: Viele gehen davon aus, dass die Struktur der katholischen Kirche es begünstigt, dass die Täter in ihr ihren Lebensmittelpunkt suchen und auch finden. Was erhoffen sich die Forscher von dieser Studie in dieser Hinsicht?
Pfeiffer: Ich denke zunächst einmal schlichte Aufklärung. In den USA hat sich beispielsweise gezeigt, dass der Missbrauch drastisch gesunken ist, nachdem es den Priestern aufgrund liberaler werdender Sexualmoral leichter geworden ist, wenn sie denn gegen den Zölibat verstoßen wollen, hierfür ihre eigentliche Zielgruppe Frauen und Männer zu finden und nicht mehr ersatzweise auf Kinder zurückgreifen zu müssen.

domradio.de: Was ist für sie das "Spannende" an dieser Studie als Forscher und an dem Täterprofil von Priestern und kirchlichen Angestellten?
Pfeiffer: Wir werden abwarten müssen. Da wage ich noch keine Prognose, weil wir zu wenig wissen über den Tätertyp. Das wird die Forschung zeigen, welche Bedeutung, die echt Pädophilen haben, die auf Kinder fixiert sind oder ob es, wie in den USA, absolut dominiert wird von denen, die sich ersatzweise an Kindern vergriffen haben.

domradio.de: Wie gehen Sie davon aus, werden die Opfer darauf reagieren?
Pfeiffer: Ich denke, Sie werden höchst dankbar sein, dass sie ernstgenommen werden, dass wir uns im Einzelfall, wenn sie das wollen, stundenlang mit Ihnen auseinandersetzen werden, mit dem, was sie erlitten haben, was sie erfahren haben. Die Kirche hat hier einen großen mutigen Schritt gewagt, indem sie sich entschieden hat, dass wir mit allen Opfern sprechen wollen, die mit uns Kontakt aufnehmen wollen.

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